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DIE FOTOSAMMLUNG DES WIENER MUSEUMS FÜR VOLKSKUNDE
Völker< zu belegen suchten.<< 23 Um diese Paralle-len nachweisen zu können, bedurfte es schluss-endlich einer Typologisierung des Materials, um esso vergleichbar machen zu können. Die Fotografieerleichterte es entscheidend, das gesammelteMaterial einer komparatistischen Gesamtschauzu unterziehen, da es etwa am Studiertischkaum möglich ist, sämtliche in der Sammlungbefindlichen Krüge zu sichten und zu ordnen.Bei Hausformen ist dies ohne Bildmaterial sogarunmöglich.
Auch wenn Haberlandt an mehreren Stellendie Relevanz einer Entwicklungsgeschichte betont,zeigt sich in der Sammlungs- und Forschungs-tätigkeit dennoch eine klare Präferenz für einegeografisch/ ethnische Gliederung. In HaberlandtsFührer durch die Sammlungen des Museumsaus dem Jahr 1901 wird das zugrunde liegendeOrdnungsprinzip ersichtlich, das dezidiert aufKarl von Czoernigs dreibändiger Ethnographie deroesterreichischen Monarchie( 1855-1857) und derÖsterreichisch- ungarischen Monarchie in Wortund Bild( 1886-1902) aufbaut. Folgende ethnischeGliederung findet sich im Führer: die Deutschen( in den Alpenländern und in den Sudetenländern),die Slawen( Tschechoslowaken in Mähren undBöhmen, Polen und Ruthenen, Südslawen[ Slowe-nen und Serben], Okkupationsgebiet[ Bosnien])und die Romanen( Italiener in Istrien und Dalma-tien). 24
Leopold Schmidt stellte in seiner Geschichtedes Volkskundemuseums den>> wissenschaftlichenGewinn<< der>> Darbietung einer flächigen Samm-lung<< rückblickend in Frage, kommt jedoch zueiner einfachen Erklärung für deren Anwendung:>> Die Aufgliederung nach Gruppen und Reihenentsprach dem, was die beiden Ethnographenim Naturhistorischen Museum gelernt hatten.<< 25Anders formuliert, die regionale( sprich» flä-chige<<) Typologisierung entsprach der gängigen
Forschungstradition.
Das dem Museum innewohnende Sammelnmaterieller Kultur und die Hoffnung, diese Objekteals Träger und Vermittler einer Kultur nutzbarmachen zu können, führt in direktem Weg erneut
zum Fach der Prähistorie, mit dem einzigen Un-terschied, dass in Letzterer die Fixierung auf diematerielle Kultur notgedrungen ist, da die Erzeu-ger der Artefakte nicht mehr direkt zugänglichsind. Eben dieser Unterschied, die Möglichkeit derVolkskunde mit den>> Trägern der Kultur« in direk-ten Kontakt zu treten, führte in späterer Folge zurzunehmenden Trennung der beiden Disziplinen.
Neben der auf kulturelle Merkmale orientiertenanthropologisch- prähistorischen Typologisierung,die in die volkskundliche Sachkulturforschungeinwirkte, fand auch ihre Entsprechung aus derphysischen Anthropologie, die auf vorgeblichbiologische Merkmale zielte, ihren Weg in diefrühe Volkskunde. Innerhalb der anthropolo-gischen Gesellschaften engagierten sich vonBeginn an Mediziner an vorderster Stelle. 26 AuchRudolf Pöch, der den ersten Wiener Lehrstuhlfür Anthropologie und Ethnographie innehatte,praktizierte als Arzt und betätigte sich zudemals Ausschussmitglied im Verein für Volkskunde.27Der Anatom Gustav Fritsch schrieb 1888 eineneinflussreichen Beitrag zur wissenschaftlichenFotografie auf Reisen, in welchem er sich auchden( physiognomischen und ethnografischen)Menschenabbildungen widmete. 28 Physiognomi-sche Aufnahmen sind nach Fritsch>> möglichstentblößt[ e]<< gerade Frontal- und Seitenansichtenvon Gesicht und dem gesamten Körper, wobeiauch die horizontale Ausrichtung des Objektivszur Gesichtsmitte und die Verwendung einesBandmaẞes beachtet werden müssen.29 Eth-nografische Aufnahmen hingegen sind in ihrerHaltung beliebiger und stellen auch eine Verbin-dung zwischen der Person und der Umgebungher, wie etwa durch eine ausgeführte Tätigkeit,eine Tracht, Schmuck, Waffen oder>> Scenen desprivaten und öffentlichen Lebens<< 30.
Der>> Völkerkundler<< Haberlandt kannteund nutzte bereits zahlreiches ethnografisches,aber auch physiognomisches Bildmaterial vonMenschen aus außereuropäischen Regionen(» Ab-bildungen der schwarzen oder rothen Haut<< ³¹).Die dabei bevorzugten Typenfotografien forderte