Druckschrift 
Gestellt : Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie ; [dieser Katalog erscheint als Nachschrift zur Ausstellung ..., die vom 29. April bis 30. November 2014 im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien gezeigt wurde]
Entstehung
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REINHARD BLUMAUER

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sich an der Verteilung der Mitglieder über dieganze Monarchie hinweg zeigt. So sind am Endedes ersten Jahres bereits 950 Personen demVerein beigetreten, von denen 35 aus Böhmen,59 aus Mähren, jeweils 12 aus der Bukowina undaus Galizien sowie 16 aus Österreich- Schlesienstammten."

Über diese Kanäle kamen von Anfang anFotografien ins Museum, wie beispielsweiseAufnahmen aus der Bukowina, die Carl A.Romstorfer, ein Architekt aus Czernowitz undVereinsmitglied der ersten Stunde, 18 angefer-tigt hatte. Auch abseits dieses Vereinsnetzwerksströmten Fotografien in die Fotosammlung desMuseums. Eine wichtige Quelle für Trachten-bilder waren die kommerziellen Fotoateliersin Wien, Innsbruck und anderen Städten dercisleithanischen Reichshälfte. Ein Beispiel istJulius Dutkiewicz aus Kolomea( Galizien), vondem mehrere Serien Volkstypenfotografien Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypenfotografien indie Bestände einiger Wiener Museen gelangtsind.19 Auch die Kunstanstalt Josef Löwy sowieder Buchhändler und Fotoverleger R. Lechner,beide in Wien ansässig, lieferten volkskundlichesBildmaterial, wie etwa das von den Nationali-tätengruppen, die beim Kaiserhuldigungsfest-zug 1908 auf der Ringstraße paradierten.

Das» Typische« in der frühenEthnografie und Ethnologie

Den Beginn der Ethnologie, das betrifft sowohldie Volkskunde wie die Völkerkunde, kennzeich-nete die Suche nach dem>> Typischen<<. DieseTypologisierung, die vor allem die Bereiche dermateriellen Kultur- man denke etwa an Trachtenoder Haustypen- und der ethnischen bezie-hungsweise» rassischen<< 20 Zugehörigkeit umfass-te, steht auch mit der Institution Museum in engerVerbindung. Zeitgleich mit der Etablierung dieserWissenschaften kam es zu Museumsgründungen,welche dabei als Dreh- und Angelpunkte für denInformationsaustausch fungierten. Dabei dientendiese Museen nicht lediglich als Ausstellungsort,sondern auch als ein Ort der Forschung und damitder systematischen Wissensproduktion. Hier

entstanden Beschreibungen von Kulturen( Ethno-grafie), welche wiederum in theoretische Überle-gungen einflossen( Ethnologie).

In den frühen Jahren dienten dabei zwei un-terschiedliche Paradigmen als theoretische Rah-men in der Auseinandersetzung mit den Objekten,was sich auch in der Präsentation der Sammlungniederschlug. Zum einen war das der Evolutio-nismus, der die Entwicklung von Kulturen in denVordergrund stellte und sich für eine Darstellungvon Entwicklungslinien interessierte. Demgegen-über betonte ein diffusionistischer Ansatz diegeografische Verbreitung von» Kulturelementen<<,was sich wiederum in einer geografisch/ ethnischabgegrenzten Darstellungsweise äußerte. Die star-ke Fokussierung auf die materielle Kultur bildetedas einende Element. Diese erschien für beideAnsätze als solides Forschungsfeld, das mithilfeder typologisierenden Methode verschiedeneRück- und Aufschlüsse gestattete. Beide Ansätzekondensierten entlang der äußerlichen Form ausden gesammelten Materialien Gruppen von Typen,um diese in weiterer Folge in eine zeitliche Abfol-ge einreihen oder eine geografische Verbreitungskizzieren zu können. Diese Methode fand aufunterschiedliche Elemente der materiellen Kultur( Hausformen, Marterln, Spinnrocken, Trachten),aber auch auf ethnische Gruppen Anwendung.Dass Haberlandt eher dem Diffusionismusnahestand, 21 belegt unter anderem folgendes Zitataus seiner Völkerkunde von 1898:» Am richtigstenverfährt die beschreibende Völkerkunde, wenn siesich, wie[ es] in der Pflanzen- und Tiergeographiegeschieht, an die Erdräume und deren natürlicheGrundgliederungen hält, welchen die Grundglie-derung der sie bewohnenden Menschheit überallim Wesentlichen entspricht.<< ²²

Der Volkskundler Bernd Jürgen Warnekenunterstreicht die Rolle des evolutionistischen>> Entwicklungsprinzips<< für die frühe Volkskunde:>> Realisiert wurde diese Programmatik in zahllosenEinzelforschungen, welche Parallelen zwischeneinheimischen und fremden Kulturphänomenen- Bräuchen, Erzählmotiven, Dinggestalten- zufinden und damit eine> geistige Gemeinschaft der

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Die Zahlen verwei-sen auf die Katalog-abbildungen.