HERBERT JUSTNIK
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Wien ist ein weißer Fleck. Es herrscht- vor allemfür die Frühzeit der Sammlung- eine spezifischeZentrum- Peripherie- Ambivalenz. Und die Foto-sammlung und das hat sie mit anderen Samm-lungsbereichen des Museums gemein- ist vorallem auch für eine Geschichte derer interessant,die nicht als Personen, sondern als>> Masse<< in dieGeschichte eingeschrieben sind. Sie werden alsVolk, als Bevölkerung durch politische Machtaus-übung ebenso wie durch ethnografische undandere Forschungen verallgemeinert und verge-genständlicht. Hier schwingt auch ein Unwohl seinmit, dass mit dieser Ausstellung aus dem ehema-ligen Herrschaftszentrum der Habsburgermon-archie heraus über diese Fotografien gesprochenwurde. Da diese Bilder nicht nur das kulturelleErbe Österreichs darstellen, wäre es auch in-teressant, wenn kritische Blicke nicht nur ausÖsterreich auf diese Sammlung geworfen würden.
# Vorgehensweise
Man könnte bei dieser Ausstellung von Fotografie-geschichte, Mediengeschichte oder-archäologie,Analyse visueller Kulturen oder- wie es UlrichHägele nennt-» Fotoethnografie<< ² sprechen.Aber vielleicht ist zum jetzigen Zeitpunkt derBegriff» Medienforensik« besser geeignet, denMatthias Klos, mein Partner bei der Konzipierungund Gestaltung dieser Ausstellung, aufgeworfenhat. Die Fotosammlung des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde ist und war gleichzeitigOrt des Geschehens und Labor. Mit der Ausstel-lung werden Indizien vorgelegt und aufbereitet.Jedoch ist die Bewertung der Befunde nochlange nicht abgeschlossen, es bedarf noch vielerzukünftiger Verhandlungen. Hier spricht sich auchein Misstrauen gegenüber der Zeugenschaft vonFotografien und den Methoden aus, die ange-wandt werden, um Gewissheiten zu produzieren.Bilder werden eingesetzt, um Wahrhaftigkeiten zuerzeugen, sind aber, bei genauerer Betrachtung,sehr instabile Objekte, die die Fragwürdigkei-ten faktisch multiplizieren. Es sei hier deutlichbetont, dass mit Bildern Politik gemacht wird.
# Bildraum und BildgebrauchWenn in Gestellt von einem Bildraum die Rede ist,meint das einen Raum, der mit den unzähligenzirkulierenden Bildern gespeist dazu beiträgt, dasssich Vorstellungen vom Aussehen von Menschenherausbilden- und da schwingt immer etwas vom>> Wesen<< mit. Die Bilder erzeugen eine distan-ziert- nahe Sichtbarkeit, machen Räume und ihreBewohner_innen auch über große Entfernungenhinweg vorstellbar. Die Ausstellung untersuchteanhand konkreter Materialen und damit exemp-larisch, wie ein solcher Bildraum in den letztenJahrzehnten der Habsburgermonarchie funktio-niert hat. Es war ein Versuch, nach dem Wirkenvon Bildern zu fragen und dies darüber zu tun,wie mit ihnen umgegangen wird, wie sie zirkulie-ren, wo sie auftauchen und in welcher Form siedies tun. Beim Umgang mit dieser Sammlung undihren konkreten Fotomaterialien verdichtete sichim Lauf der Zeit bei mir als Kurator der Eindruck,dass es sich bei diesen immer wieder auftau-chenden Darstellungen von» Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen« in ihrenunterschiedlich- gleichen Formen um mehr han-deln könnte, als um Fragestellungen eines Genresund einer Ikonografie. Die Bildkapitel und ihrevorgespannten Texte, was für den Katalog eben-so gilt wie für die Ausstellung, bilden konkreteArgumentationen, die unterschiedlichste Aspekteder Konstitution so eines Bildraumes anhand derkonkreten Materialen durchdeklinieren.
Gestellt. Fotografie als Werkzeug in der Habs-burgermonarchie arbeitete mit einer medienthe-oretischen Klammer, die es ermöglichte, die Fragenach dem Verhältnis von Territorium, Bild undSubjekt zu beleuchten. Es geht um eine schon lan-ge bekannte Eigenschaft der Fotografie- WalterBenjamin spricht darüber, Roland Barthes thema-tisiert sie und an vielen anderen Stellen, vor allemim Zusammenhang semiotischer und bildkritischerBefragungen, wird dies angesprochen: dass siebedeutungsoffen ist und dass sich ihre Bedeu-tung hochgradig über die Kontexte bestimmt.Bilder gewinnen ihre Aussagen nie allein aus sichselbst, sondern stets durch ihre Verwendung undInterpretation. Bezogen auf den Kontext, in dem
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