Druckschrift 
Gestellt : Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie ; [dieser Katalog erscheint als Nachschrift zur Ausstellung ..., die vom 29. April bis 30. November 2014 im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien gezeigt wurde]
Entstehung
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VORNEWEG

wie es in anderen Zusammenhängen- etwa imKreis der Familie- üblich war, sondern begriff sietypisierend, also verallgemeinernd, repräsentativfür eine Region, für eine bestimmte Zeit, für einebestimmte Form. Die Bedeutung der Bilder ver-schob sich zudem durch permanente Neu- Einbet-tungen in unterschiedliche Zusammenhänge; soließ sich mit ein und demselben Bild Verschiede-nes demonstrieren. Dadurch wurde ein Bildraumgeschaffen, der mit der Idee der Nationalstaatenzusammenhing: Diese Fotografien boten die Mög-lichkeit, sich eine Vorstellung von den diversenBevölkerungsgruppen zu schaffen. Diese Vorstel-lungsbilder suggerierten zum einen durch regi-onale, ethnische oder nationale BezeichnungenHomogenität, zum anderen Differenz. Je nach In-teressenlage strich man dieses oder jenes stärkerheraus. Das Österreichische Museum für Volkskun-de ist kein>> neutraler<< Ausstellungsort, sondernagierte und agiert gleichzeitig als Institution indiesem historischen Bildraum. Wir beließen daherdie Fotografien wie auch den Ausstellungsraum in>> ungeschminktem<< Zustand, um so das Konstru-ierte dieses Handelns deutlicher hervorzukehren.Die Ausstellung gestattete erste Einblicke in diesenThemenkomplex. Der bisher wenig bearbeiteteMaterialbestand lädt zur weiteren Forschung, Lek-türe und Auseinandersetzung mit der historischenFragestellung ein, deren gesellschaftspolitischeInhalte und damit verknüpfte Problematiken bis inunsere unmittelbare Gegenwart reichen.

Der Abschnitt» Vorstellung«< ist ein Wiederab-druck des Einleitungstextes der Ausstellung. Mitden wissenschaftlichen Texten in diesem Kataloggehen wir über die Ausstellung hinaus. Der Bildteil,der auf die wissenschaftlichen Texte folgt, ist eineWiedergabe der Narration der Ausstellung. DieTexte, die in der Ausstellung verwendet wurdenund eine eigene Art der Argumentation darstellen,sind auch hier den einzelnen Bildkapiteln voran-gestellt, die mit einer eingeschränkten Anzahl anBildern gegenüber der Ausstellung arbeiten.

# Die Fotosammlung

Die Reichhaltigkeit der Fotosammlung des Öster-reichischen Museums für Volkskunde hier in ihrerGesamtheit vorzustellen und all die Möglichkeitenzu erwägen, mit welchen Fragen sich an dieses vi-suelle Archiv herangehen ließe, für welche Fragenund Disziplinen dieses Material interessant seinkönnte, würde zu weit führen. Einen winzigen Ein-blick über das Thema der Ausstellung hinaus gibtder Prolog( S. 71-73). Die Ausstellung fokussiertemit der Frage nach territorialisierenden Bildräu-men einen Teil des Materials und wollte damitüber eine Vorstellung nach Themengebieten odereinen Sammlungsüberblick hinausgehen und aufweiterführende gesellschaftliche Fragen ausgrei-fen. Für die Sammlung selbst steht noch vieles anForschung aus, so gibt es zum Beispiel noch keinestrukturelle historische Untersuchung der Geneseund Entwicklung dieser Sammlung.¹

Die Sammlung dokumentiert nicht nur dieForschungsinteressen der Wiener Volkskundler_in-nen vor allem des 19. und des 20. Jahrhunderts,sondern die eines weit darüber hinausreichendenwissenschaftlichen Netzwerkes. Einige weiterfüh-rende Überlegungen zur Rolle der Fotosammlungin diesem Netzwerk rollt Reinhard Blumauer inseinem Text auf. Er geht der Frage nach, welcheRolle der Typusbegriff über die Volkskunde hinausin nahestehenden Wissenschaften spielt. DieFotosammlung ist mit den in ihr aufbewahrtenBildmaterialien aber auch ein visueller Speicherunterschiedlichster kultureller Phänomene. Sieumfasst geografisch die Habsburgermonarchie,greift aber auch darüber hinaus, im Sinne einerdamaligen>> vergleichenden Völkerkunde<< Europasund konzentriert sich dann zu Zeiten der Republikauf Österreich. Die Sammlung enthält vorwiegendDokumentationen von Museumsobjekten, do-kumentarische Fotografie von ephemerer Kulturund materieller Sachkultur, Topografie, Feldfor-schungsdokumentationen. Sie beinhaltet Material,das sich in dieser Dichte und Zusammenstellungkaum woanders finden lässt. Allerdings handelt essich zu großen Teilen um rurale Kultur. Das Urbaneist großteils ausgeklammert, vor allem die Stadt