23. Sterndeuter oder Könige?
Das letzte große Fest des Weihnachtszyklusbildet heute der 6. Jänner, der den HeiligenDrei Königen- Caspar, Melchior und Balthasar- gewidmet ist. In der Bibel werden dieseGestalten bei Matthäus in Kapitel 2, Vers 1und 11 erwähnt. Dort wird berichtet, dass,, die Sterndeuter( griech.: Magoi) aus demOsten" einem Stern folgend nach Jerusalemzogen, um den„ neugeborenen König derJuden" zu sehen und ihm Gold und diekostbaren, auch in der Heilkunde eingesetztenHarze Weihrauch und Myrrhe zu schenken.Beim Stern handelte es sich wohl um eineseltene Konstellation von Jupiter und Saturn,und mit Magoi waren vermutlich Priesterund Astrologen aus Persien gemeint, diesinnbildlich dafür standen, dass sich dasChristentum an alle und nicht nur an dieJuden richtete. Bezugnehmend auf das AlteTestament interpretierte sie um 200 n. Chr.der christliche Schriftsteller Tertullian erstmalsals Könige. Ihre Dreizahl schloss Papst Leo( 440-461) aus den Gaben. Im 8. Jahrhundertwurden sie zu Sinnbildern für die drei Le-bensalter, und die Namen, die sich mit derZeit in Europa durchsetzten, tauchten auf.Im 12. Jahrhundert mutierten sie zu Botender drei damals bekannten Kontinente, undeiner meist Caspar- wurde mit dunklerHautfarbe als Repräsentant Afrikas darge-stellt. Ihre große Verehrung setzte ebenfallsin diesem Jahrhundert ein und zwar mit derAuffindung von drei mumifizierten Leichenin der Kirche Sant'Eustorgio bei Mailandwährend der Belagerung durch Kaiser Fried-rich I. Barbarossa, einem eifrigen Reliquien-sammler. Die drei Leichname wurden als
die Überreste der Heiligen Drei Könige be-zeichnet und unter großem öffentlichenAufsehen nach Köln überführt, wo für sieab 1225 ein neuer Dom gebaut wurde.Dass es sich bei den drei Mumien tatsächlichum die biblischen Sterndeuter handelt, wirdheute stark bezweifelt und nur von nach-träglichen Legenden gestützt. Ihr Auffindenund das Beharren darauf, dass es sich tat-sächlich um Könige gehandelt habe, stärktejedenfalls im machtpolitischen Streit dasKaisertum gegenüber dem Papsttum. ImBewusstsein der Bevölkerung verankertesich die Verehrung durch Prozessionen,fromme Spiele und Bruderschaften nichtnur in Köln, das sich zu einem der wichtigstenWallfahrtszentren entwickelte, sondern imgesamten deutschsprachigen Raum, wobeian ältere Bräuche zum 6. Jänner angeknüpftwurde. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts istunter anderem für Österreich das„ Stern-singen" als so genannter Heischebrauchbelegt, der in der Gegenreformation beson-ders gefördert wurde: Von den Pfarren aus-geschickte Kloster- oder Chorschüler, da-neben Handwerker, Soldaten und Angehörigeanderer Berufsgruppen, aber auch Kinder,zogen mit einem hölzernen Stern auf einerStange Lieder singend von Haus zu Haus,um Geld und Gaben für sich zu erbittenund mitunter die Anfangsbuchstaben derNamen der Drei Könige, also C M B oderKM B, und Symbole wie Kreuze oder Sterneals Abwehrzeichen an die Türen zu malen.Immer wieder kam es zu Konflikten umRechtmäßigkeit und Benehmen unter deneinzelnen Gruppen, aber auch mit der Kirche
und den Behörden. Einige dieser Gruppengründeten eine Tradition, die bis heute be-steht, etwa in Heiligenblut, andere wurdenim Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts neugegründet, beispielsweise in Oberndorf inSalzburg. Im Großen und Ganzen wurde je-doch der Sternsingerbrauch durch das imäußeren Erscheinungsbild ähnliche Stern-singen der Dreikönigsaktion ersetzt, das dieKatholische Jungschar 1955 einführte, unddas in den Bereich der institutionalisiertenWohltätigkeit fällt. Um den 6. Jänner 2012waren in Österreich rund 85.000 Kinder un-terwegs, die 15,3 Mio. Euro für Entwick-lungsprojekte in Afrika, Asien und Latein-amerika sammelten und die mit geweihterKreide das von der Dreikönigsaktion zumSegenszeichen„, Christus mansionem be-nedicat"( Christus segne dieses Haus) um-gedeutete C+ M+ B an die Türen der Spenderund Spenderinnen schrieben.kp
Schüssel mit Darstellung von,, Casber+ Melichor+ Balthasa"
Fayence, Gmunden, Oberösterreich, Ende 18. Jh.,ÖMV/ Foto: Christa Knott
Die Heiligen Drei Könige sind weder als Könige nochin ihrer Dreizahl noch namentlich in der Bibel erwähnt.
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