22. Vorhang auffür Adam und Eva?
Weihnachtsspiele entwickelten sich im 11.Jahrhundert als besondere Gattung der geist-lichen Spiele und waren Bestandteil derchristlichen Liturgie. Sie wurden vom Volkals Mittelpunkt der Weihnachtsfeierlichkeitengesehen, denn Weihnachten war zu diesemZeitpunkt noch kein familiäres, sondern einfast ausschließlich kirchlich begangenesFest. Die Weihnachtsspiele wurden in odervor den Kirchen aufgeführt. Das reichhaltigeSpielgeschehen umfasste verschiedene Sze-nen um die Geburt Christi. Die Verkündigungan die Hirten rückte dabei gegen Ende desMittelalters in den Vordergrund, wodurchdiese im Laufe der Zeit die eigentlichenTräger des Weihnachtsspiels geworden sind.Die so genannten„ Paradeisspiele" lassensich bis ins 12. Jahrhundert rückverfolgenund zeigten die szenische Umsetzung der Er-schaffung der Stammeltern Adam und Eva- derer am 24. Dezember gedacht wird-,des Sündenfalls und der Vertreibung ausdem Paradies. Hirten- und Paradeisspielegehören zu den wenigen Formen des alpen-ländischen Volksschauspiels, welche auchnach dem Zweiten Weltkrieg noch aufgeführtwurden.
Die barocken Aufführungen der Weih-nachtsspiele fanden in den Jesuiten beson-dere Förderer. Die Anpassung an heimischeKostüme und die jeweiligen Volkssprachender Krippenspiele, wie die Weihnachtsspielespäter auch genannt wurden, ließ in denKirchen ein buntes Bild des Spiels entstehen,aus dem das Volksschauspiel erwuchs. Ein
Verbot im Jahre 1751 brachte die Traditionder geistlichen Spiele in den Kirchen aller-dings zum Erliegen.
Das Paradeisspiel wurde vielerorts demHirtenspiel vorangestellt. Zur Ausstattunggehörte ein Bäumchen, welches das Paradiessymbolisierte. Das Hirtenspiel beinhaltetedie Szenen der Hirten auf dem Feld, diedurch die Verkündigung des Engels gewecktwerden, bevor sie sich auf den Weg zurKrippe machen. Im Salzkammergut bürgertesich dafür die Bezeichnung ,, Hirtenschlaf"ein, der hier auch für die entsprechendeFigurengruppe in den Weihnachtskrippenübernommen wurde.
Die Texte einiger Hirten- und Paradeis-spiele sind in Handschriften aus dem 19.und 20. Jahrhundert erhalten geblieben. Dadie Gemeindevorsteher der jeweiligen Orte,in denen gespielt wurde, ihre Einwilligungerteilen mussten, ergeben sich daraus Rück-schlüsse auf Spielstätten und Termine. DenVerhörprotokollen von Spielern, die ihre Ge-nehmigung nicht eingeholt hatten, könnenAuskünfte über Spielformen und Requisitenentnommen werden. Die Stücke wurden inder Weihnachtszeit bis Mariä Lichtmess vonLaien in den Gasthöfen und großen Bauern-stuben der umliegenden Orte aufgeführt.Derber Humor und komische Elemente för-derten die Beliebtheit der Vorführungen.
Die Stücke protestantischer Weihnachts-spiele hielten sich strenger an die Bibeltexteund hatten zudem lehrhaft- erzieherischenCharakter. Ein Beispiel dafür wäre das Ober-
uferer Paradeisspiel, benannt nach dem klei-nen Ort Oberufer/ Prievoz nahe Pressburg/Bratislava. Das Stück wurde 1857 von KarlJulius Schröer erforscht und von seinemSchüler, dem Anthroposophen Rudolf Steiner,in das weihnachtliche Repertoire seinerSchulen aufgenommen.
Im 18. und 19. Jahrhundert waren auchAufführungen von mechanischen Krippenund Krippentheatern mit Puppenspielen be-liebt, von denen sich einige erhalten haben.Exemplarisch genannt seien die mechani-schen Krippen von Christkindl bei Steyr, Ma-riazell, Mödling, Maria Taferl oder Landeck.Das Steyrer Kripper!", ein figurenreichesStabpuppen- Krippentheater, wird seit 1923nicht mehr in Gasthäusern, sondern im In-nerberger Stadl gezeigt. Das TraismaurerKrippenspiel wurde um 1810 durch FerdinandScheibl begründet. Er zog mit seinem Stab-puppenspiel vom Advent bis Mariä Lichtmessdurch die Orte. Der Volksliedforscher RaimundZoder bewahrte das Krippenspiel durch dieAufzeichnung der Melodien und Texte. Nachdem Krieg wurden Bühne und die Figurenerst 1956 wiederentdeckt. In den Folgejahrenwurde das Spiel in der Adventzeit wiederaufgenommen. Das St. Pöltner Krippenspiel,welches nach 1880 in Vergessenheit geriet,war wegen der Auftritte der schwarzen undweißen Habergeiß beliebt. Wiener Krippen-theater sind durch Ankündigungen, Program-me und andere schriftliche Zeugnisse belegt.Bühnen oder Figuren sind aber nicht erhaltengeblieben.
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