21. Spukt esin den Raunächten?
Die zwölf Nächte zwischen dem Thomastag,21.12., und den Heiligen Drei Königen, 6.1.,werden als Raunächte bezeichnet. Sonn-und Feiertage, die in diesen Zeitraum fallen,zählen nicht dazu. Besondere Bedeutunghaben vier dieser Raunächte, wie der fol-gende Spruch aus Oberösterreich verdeut-licht:„ Rauhnacht san vier: zwoa foast undzwoa dir". Die„ foasten" d. h. fetten Rau-nächte sind der 31.12. und der 5.1. Die dür-ren, weil auf Fastentage folgende, Gegen-stücke sind der 21. und 24.12.
In den schlecht beleuchteten Häusernriefen die Winterstürme vielerorts Ängstehervor, die in der Vorstellung von der WildenJagd gipfelten. In allen Fällen war ein Zu-sammentreffen mit dieser Horde von schreck-lichen Gestalten besser zu vermeiden. Nebendem Fastengebot herrschten in den Rau-nächten zahlreiche Verbote: Spielen, Wäscheaufhängen oder nach Einbruch der Dunkelheitdas Haus verlassen, drohte drastisch geahndetzu werden. Alles musste aufgeräumt undsauber sein. Kontrolliert wurde das Einhaltender Ver- und Gebote von der Frau Percht,die oft als Anführerin der Wilden Jagd auftrat.Die Schnabelperchten kommen in Raurisnoch heute diesem Auftrag nach, ebensodie Berigl im Ausseerland, die K+ M+ B fürdie Drei Heiligen Madin Katharina, Margarethaund Barbara als Segen an der Haustüre an-bringen. In Gestalt der Pudimuatta beschenktdie Percht Kinder in der Oststeiermark mitSüßigkeiten. Im steirischen Ennstal und inKärnten wird Frau Percht bewirtet. Bevorzugtgeschieht dies am Abend des 5. Jänner oderam Heiligen Abend. Meist sind es Reste der
Festspeisen, die als Perchtlmilch bezeichnet,über Nacht stehen gelassen werden. Dasverspricht Glück für die Hausbewohner.
Als wirksamer Schutz vor der WildenJagd galt das Räuchern. Die Räuchermi-schungen bestanden aus verschiedenenKräutern, manchmal war es der Palmbuschendes letzten Osterfestes, häufig jedoch Wa-cholder und Weihrauch. Als Räuchergefäßedienten Töpfe mit perforierten Wänden undDeckeln oder einfach feuerfeste Gegenständewie Blecheimer oder Schaufeln. Der Haus-vorstand trug das Räuchergefäß, die Hausfrauden Weihwasserkessel mit Pinsel, Kinderund Gesinde gingen betend hinterher. Zuerstwurde das Haus umrundet, dann der Stallbesucht und schließlich alle Räume desHauses geräuchert und mit Weihwasser be-sprengt unter Sprüchen wie:„ Vater unserim Himmel schütze dieses Haus, Glück he-rein, Unglück hinaus." Zum Abschluss inder Stube wurde noch einmal gebetet undder Hut oder das Kopftuch über den Rauchgehalten und rasch aufgesetzt. Das solltevor Kopf- und Zahnschmerzen bewahren.Geräuchert wurde früher in allen Raunächten,heute noch vielerorts am Heiligen Abendund in der Neujahrsnacht.
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Heischebräuche- Striezel, Krapfen undsonstige Gaben zu erbitten erlaubten be-dürftigen Menschen im Winter ihr kargesBrot etwas aufzubessern. Sie zogen vonHaus zu Haus, deklamierten, sangen odertanzten. Den Hausbewohnern sollte die Ent-schädigung der Heischenden Glück bringen.Aus den Heischebräuchen entwickelten sichdiverse Umzüge. In der letzten Raunacht,
am 5. Jänner, treten im Pongau die Perchtenauf. Schiachperchten in Krampus- und Teu-felsmasken und Schönperchten mit meter-hohen Tafelaufsätzen am Kopf, viele weitereFiguren gehören zu diesem Zug. Eine be-sondere Form der Schönperchten stellendie Tresterer im Pinzgau mit roten Brokatimitierenden Gewändern, weißen Hahnen-federn und langen Bändern am Kopf dar.Die Glöckler im Salzkammergut und angren-zenden Regionen sind weiß gekleidet, tragenKuhschellen um die Mitte und durch Kerzenilluminierten überdimensionierten Kopf-schmuck. Raunachtsänger im Mühlviertelund Maschkerer im Innviertel, hier stehenRauchfangkehrer und Teufel im Wettstreit,sind ebenfalls am 5. Jänner unterwegs.
In der Umgebung Salzburgs sind vomStephanitag, 26.12., bis Faschingsende dieApperschnalzer zu hören. Mit eigens dafürangefertigten Peitschen erzeugen sie rhyth-misches Knallen. Im Salzkammergut wurdendie Raunächte zu Weihnacht, Neujahr undHeiligen Drei Könige„ angeschossen". Aberauch in Wien hallten viele Böller. Daraus re-sultierte 1780 ein allgemeines Schießverbot.Heute wird in Salzburg wieder ,, das Christ-kindl angeschossen", und Schützenvereinepflegen mancherorts das Neujahrsschießen.
db
Räuchergefäße19. Jh., ÖMV/ Foto:Christa KnottAuf glühender Kohlewird das Räuchergutverbrannt.
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