19. Wie kommt das Kindin die Krippe?
Die Verehrung der vermeintlichen Geburts-stätte Christi in Bethlehem reicht bis in das2. Jahrhundert zurück. Die frühen Darstel-lungen auf römischen Steinsarkophagen ausdem 4. Jahrhundert zeigen nur das in Windelngewickelte Jesuskind, dahinter oft Ochsund Esel. Die beiden Tiere sind die frühestenAnwesenden beim Kind, werden im Evan-gelium aber nicht erwähnt. In den apokryphenSchriften bezieht sich Matthäus auf dieWorte des Propheten Jesaja im Alten Testa-ment:„ Am dritten Tag nach der Geburt un-seres Herrn Jesus Christus trat die seligeMaria aus der Höhle, ging in einen Stallhinein und legte ihren Knaben in eine Krippe,und Ochs und Esel beteten ihn an. Daerfüllte sich, was durch den Propheten Jesajaverkündigt ist, der sagt: Der Ochse kenntseinen Besitzer und der Esel die Krippeseines Herrn. So beteten sogar Tiere, Ochsund Esel, ihn an, während sie ihn zwischensich hatten. Da erfüllte sich, was durch denPropheten Habakuk verkündet ist, der sagt:Zwischen zwei Tieren wirst du erkannt.
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Die frühen Geburtsbilder zeigen Mariadurchwegs liegend. In den mittel- und west-europäischen Ländern führten die Gepflo-genheiten zur bildlichen Umsetzung der Ge-burtsszene in einem Stall anstelle der Höhle.Im Laufe des 14. Jahrhunderts erscheintJosef in den Bildern als fürsorglicher Nähr-vater, der das Bad zubereitet, eine Mahlzeitkocht oder Windeln aus seinen Beinkleidernmacht. Aber auch die Vision der HI. Brigittafindet sich umgesetzt, wonach Maria mitoffenem Haar kniend das Kind anbetet, wel-ches im Strahlenkranz auf dem Boden liegt.
Die Krippe dient dabei Ochs und Esel alsFuttertrog.
Der Begriff Krippe bezeichnet anfänglichnur den Futtertrog als Liegestatt des Jesus-knaben. Seit dem 16. Jahrhundert sind Krippenim Sinne von Inszenierungen des Weihnachts-geschehens mit frei beweglichen Figurenbekannt, die alleine dem Zwecke der Auf-stellung während der Weihnachtszeit dienen.Als Ursprung der Krippen wird immer wiederauf die Weihnachtsfeier hingewiesen, dieder Hl. Franz von Assisi im Jahre 1223 imWald von Greccio in Italien abhielt. Er predigtevor einer mit Heu befüllten Krippe, zu der erOchs und Esel stellen ließ. Maria, das Jesus-kind und Josef fehlten. Die Zuhörendensollten gewissermaßen durch ihre Einbil-dungskraft in den Bann des Geheimnissesder Geburtsnacht gezogen werden. Allerdingsist darin nicht die Entstehung der Weih-nachtskrippe zu sehen, wie lange tradiertwurde. Es war vielmehr eine Verlegung derWeihnachtsspiele in die freie Natur.
Große Förderer der Krippenkunst warendie Jesuiten. 1562 stellten sie in Prag eineKrippe auf und legten damit den Grundsteinfür die Verbreitung der heimischen Kirchen-krippen. Bald fanden Krippen auch in denPrivathäusern führender Familien Aufstellung,bevor sie in die Bürger- und Bauernhäusergelangten. Figurenreiche Krippen begannenmit der Darstellung der Verkündigung anMaria und fanden mit der Hochzeit von Kanaihren Abschluss. Im 18. Jahrhundert erlebtendie Krippen ihre Blütezeit und wurden durchGenreszenen bereichert. Das Weihnachts-geschehen wurde in die Bergwelt der Alpen,
Josef kocht den Brei für das JesuskindOfenkachel, Salzburg, Anfang 16. Jh., späterer Abdruckaus der Originalkachelform, ÖMV/ Foto: Christa KnottIm Laufe des 14. Jahrhunderts wird der HI. Josef inden Darstellungen zum fürsorglichen Nährvater.
in Städtekulissen oder orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag orientalische Land-schaften eingefügt. Schnee fehlte trotz deswinterlichen Termins in den alpenländischenSzenerien weitgehend. Die Figuren wurdengeschnitzt, staffiert, modelliert, wachsbossiertoder auf Papier gemalt.
Unter dem Einfluss der Aufklärung gabes in Österreich unter Kaiserin Maria Theresiaund Kaiser Joseph II. Verbote, Krippen inKirchen aufzustellen. Die Umsetzung dieserErlässe wurde von den örtlichen Obrigkeitenteilweise rigoros betrieben. Um 1825 wurdendie letzten Verbote aufgehoben. Währendder Zeit, da die Krippen in den Kirchen nichtaufgestellt werden durften, kamen manchedavon in Privathäuser und entgingen dadurchihrer Vernichtung. Das leitete einen neuenAufschwung der Hauskrippen ein.
Nach Weihnachten ging man zu denNachbarn, Verwandten und Freunden Krip-perlschauen, so wie es später auch üblichwurde, bei den gegenseitigen Besuchen dieChristbäume der anderen Familien zu be-wundern. Die ,, Kripperlroas", wie sie heuteetwa im Salzkammergut angeboten wird,hat jedoch nichts mit familiären Gewohn-heiten zu tun, sondern stellt eine neue, tou-ristische Vermarktung dar.
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