18. Wer klopfet an?
Lukas 2,7: Und sie gebar ihren ersten Sohn
und wickelte ihn in Windeln und legte ihn ineine Krippe; denn sie hatten sonst keinenRaum in der Herberge.
Auf diese Bibelstelle beziehen sich Her-bergsuche und Frautragen oder Frauentragen.Von einer Herbergsuche spricht die Bibelnicht explizit. Für eine oftmalige Ablehnungder potentiellen Gäste findet sich kein bibli-scher Beleg. Dass das Kind in der Krippe zuliegen kam, bedeutet nicht unbedingt eineUnterbringung in einem als Stall genutztenNebengebäude. Vielmehr wird heute ange-nommen, dass es sich um eine Stallwohnunggehandelt hat, die Stall und Wohnräumeohne gemauerte Trennung unter einem Dachverband. In Europas alpinen Gegenden wardiese Art zu wohnen auch bekannt und bisin das 20. Jahrhundert zu finden.
Im Gegensatz zur Weihnachtsgeschichtewird beim Herbergsuchen und Frauentrageneine Statue oder ein Bild während des Ad-vents in mehreren Familien freudig aufge-nommen. Die Darstellung variiert von derMaria gravida( schwangere Maria) auf demEsel in Begleitung von Josef bei der Her-bergsuche, und einer Statue oder bildlichenDarstellung der schwangeren Maria beimFrauentragen. Die Bezeichnung„ Unsereliebe Frau" für die Muttergottes gab demFrauentragen den Namen.
Bild oder Figur werden oft in einer„ Kraxe",einem Holzgestell, am Rücken von Haus zuHaus gebracht. Begangen wird das Herberg-suchen oder Frauentragen bevorzugt von ka-tholischen Gläubigen in Österreich und Bayern.
Dabei wird die Muttergottes oder eine Dar-stellung der Heiligen Familie für jeweils eineNacht zu einer Gastfamilie gebracht. Amnächsten Abend geleitet diese das Bild zurnächsten Familie. Die Ankunft der Mutter-gottes geht mit einer kleinen häuslichen An-dacht einher, bei der Adventlieder oder dasHerbergslied„ St. Josef geht von Tür zuTür" gesungen werden. Am Heiligen Abendist das Bild wieder beim Besitzer oder inder Kirche.
Im Weinviertel ist eine andere Form desFrauentragens gebräuchlich. Hier wird vonder Pfarre jeweils ein Bild pro Familie in dasHaus gebracht. Es bleibt dort bis es am Hei-ligen Abend wieder in die Kirche zurück-kommt. Im Waldviertel wiederum bleibt dasBild der Muttergottes eine Woche bei einerGastfamilie bis es zur nächsten„ Herberge"gebracht wird.
Aus der Obersteiermark ist das Josefs-tragen überliefert. Eine Gruppe junger Bur-schen war mit einem Bild des HI. Josef vonHaus zu Haus unterwegs. Auch dieses Bildblieb jeweils eine Nacht lang in einer Gast-familie.
Üblicherweise werden Herbergsucheund Frauentragen in der Weihnachtsnovenepraktiziert. Das sind die neun Tage vor Weih-nachten. Der Zeitraum kann sich aber auchauf den ganzen Advent erstrecken. In Kin-dergärten wird die Szene der Herbergsuchegerne als Theaterstück aufgeführt und auchbeim Salzburger Adventsingen spielt dasHerbergsuchen eine Rolle. Als Teil des Krip-penspiels kommt es vielerorts zur Aufführung.
Im Zuge des Wohnviertelapostolats", derMission im engeren Umfeld, wird das Her-bergsuchen und Frauentragen von zahlreichenPfarren heute wieder gefördert. Sie dienender geistigen Vorbereitung auf Weihnachtenund sind seit dem Barock überliefert. DieLegio Mariae, eine katholische Laienorgani-sation, hat sich um die Wiederbelebung desFrauentragens besonders bemüht. Es solletwas Besinnung in die hektische Adventzeitbringen und die Aufmerksamkeit vom Kon-sum auf die christliche Weihnachtsbotschaftlenken.
Herbergsuchspiel
Fotografie, Wagrain, Salzburg, 1. Hälfte 20. Jh.,ÖMV/ Foto: Österreichische LichtbildstelleHerbergsuchspiel mit Darstellern, die als María,Josef und Wirt, begleitet von Hirten und einemLaternenträger oder Ansager die Häuseraufsuchten.
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