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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
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17. Wie kommt die Postzum Christkind?

Durch den Wandel des Weihnachtsfesteszum Bescherfest im Familienkreis rücktefür die Kinder das Beschenktwerden amWeihnachtsabend immer mehr in den Vor-dergrund. Eifrig schrieben sie seit der zweitenHälfte des 19. Jahrhunderts an das ChristkindWunschzettel. Mit viel Hingabe wurden diesehnsüchtig erhofften Geschenke notiertund die Blätter oft noch liebevoll verziert.Die Briefe wurden von den Kindern heimlichverfasst und waren direkt an das Christkindadressiert, welches auch die orthographi-schen Fehler nicht übel nahm. Bald gab esbebilderte Vordrucke für die Auflistung dervielen konkreten, manchmal unerfüllbaren,großen oder bescheidenen Wünsche derKleinen. Darunter waren auch Süßigkeiten,Bekleidung, Schulsachen und Bücher. Geradeletztere stellten jedoch in sozial schwächerenSchichten oftmals einen unerfüllbaren Luxusdar. Bereits um die Jahrhundertwende ent-deckte der Handel die Möglichkeit, vorge-druckte Zettel gleichzeitig als Produktwerbungzu nutzen. Wunschbriefe werden immernoch mit großem Eifer verfasst. Selbst dieheimliche Abholung von der Fensterbankoder anderen Plätzen funktioniert weiterhin,wissen Eltern und Kinder zu erzählen. In-zwischen bieten sogar Onlinedienste denVersand digital erstellter Wunschzettel imInternet an.

In Vergessenheit geraten sind hingegendie sorgfältig ausgeführten Neujahrs- undWeihnachtsglückwunschbriefe der Kinder anihre Eltern, Großeltern und Paten. Ab derzweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurdendie Kinder von den Hauslehrern und in den

Schulen dazu angehalten, Glückwunschbögenin bester Schönschrift zu beschreiben. DasPapier wurde sorgfältig ausgewählt odervon den Schulen besorgt. Vielfach waren esDoppelbögen, welche mit lithographiertemSchmuckrahmen, aufgeklebten Oblaten odereinem geprägten Zierrand geschmückt waren.Vorlagenbücher halfen ein passendes Gedichtzu finden. Trotz bemühtem Schönschreibenwird dabei die eine oder andere Träne ge-flossen sein, denn Tintenflecke ließen sichdamals noch nicht so leicht wegzaubern.Daher war die Angst vor einem solchenMissgeschick verständlich. War die Arbeitder Kinder aber gut voran gegangen, konntensie voll Stolz ihre Blätter am Weihnachtsabendüberreichen. Diese legten gleichzeitig Zeugnisvom schulischen Fortschritt im Fach Schön-schreiben ab und wurden von den Familiensorgfältig verwahrt.

Weihnachtliche Glückwunschkarten zuversenden kam erst in der zweiten Hälftedes 19. Jahrhunderts in Mode. Lange wurdenvon behördlicher Seite sittliche Vorbehaltegegen die offen einsehbaren Mitteilungengehegt. Auf den Vorschlag des Nationalöko-nomen Emanuel Herrman hin, wurden 1869in Österreich die so genannten Correspon-denzkarten mit günstigeren Portokosten ein-geführt. Diese waren ursprünglich noch ohneIllustrationen. Eine Seite war der Adressierungvorbehalten, auf die andere durften persön-liche Mitteilungen geschrieben werden. Alseine Seite der Postkarten illustriert wurde,erhöhte das einerseits die Beliebtheit, dadie Motive für sich sprachen und keine län-geren Glückwünsche mehr eigenhändig ver-

fasst werden mussten. Andererseits konnteneigene Mitteilungen nun nur mehr auf dieBildseite gezwängt werden. Erst ab 1904wurde die Adressenseite der Ansichtskartein Österreich geteilt, wobei die linke Seitenun für persönliche Mitteilungen zur Verfü-gung stand. Die Popularität der Glückwunsch-karten lässt sich an der Vielzahl unterschied-lichster Motive erkennen. Telefonate löstenspäter das Schreiben von weihnachtlichenBillets und Postkarten zunehmend ab. In-zwischen wird immer häufiger das Angebotweihnachtlicher E- cards, also elektronischerPostkarten genutzt. Diese können allerdingsnicht über das Sonderpostamt von Christkindlbei Steyr gesendet werden, welches seit1950 zur Weihnachtszeit geöffnet ist. Briefeund Karten bekommen dort den begehrtenSonderpoststempel aufgedrückt.

Weihnachtspost!Bitte erstam 24. Dezemberöffnen

Reklamemarke

Um 1980, private Leihgabe/ Foto: Christa KnottZur Kennzeichnung der Weihnachtspakete warenbei der Post spezielle Aufkleber erhältlich.

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