15. Bescherung nur imtrauten Heim?
Weihnachten ist für viele mit geliebten, aberauch idealisierten Traditionen verbunden,wie einem leuchtenden Christbaum, gutemEssen, strahlenden Kindergesichtern undeiner Bescherung im trauten Heim. Es wirdheute als Fest der Familie, der Liebe unddes Friedens gesehen. Kriege, Flucht, Armutund Einsamkeit lassen diese Vorstellungennicht für alle Menschen in Erfüllung gehen.Trotzdem gibt es immer wieder Beispiele,Weihnachten auch in Notsituationen undmit bescheidenen Mitteln zu feiern. Vorallem möchten die Betroffenen die Kinderam Heiligen Abend nicht enttäuschen.
Die Entwicklung von Weihnachten zueinem Bescherfest lässt Armut besondersspürbar werden. Wenn es an Nahrung, Heiz-material und Kleidung fehlt, liegt es fern, anandere Geschenke zu denken. Dann spielenkaritative Einrichtungen und sozial engagierteMenschen eine große Rolle. In der kaltenJahreszeit wurden in den Städten seit dem19. Jahrhundert Wärmestuben für notleidendeMenschen, allen voran für Arbeiter der Fabri-ken, eingerichtet. Begüterte versuchten dortzu Weihnachten mit kleinen Gaben etwasHoffnung zu schenken und die Not zu mildern.Betreuungseinrichtungen verschiedener ka-ritativer Organisationen, wie die Wiener Gruft,übernehmen heute diese Aufgabe. DurchSpenden finanzierte Winterpakete werdenzu Weihnachten verteilt. Mit einem Weih-nachtsprogramm und besonderem Essenwird versucht, den Hilfsbedürftigen ein paarschöne Stunden zu ermöglichen.
Der Gedanke an das Familienfest lässtgerade zu Weihnachten die Einsamkeit bei
manchen Menschen besonders spürbar wer-den. Nicht alle Singles genießen ihre Unge-bundenheit. Ältere, alleinstehende Menschen,die sich noch an ein Weihnachtsfest imKreise ihrer Familie erinnern, leiden besondersdarunter. Pensionistenclubs und ähnliche Ein-richtungen versuchen wohl Abhilfe zu schaf-fen, können aber vertraute Rituale nicht gänz-lich ersetzen. Andere können nicht bei ihrenFamilien sein, weil sie zu Weihnachten ar-beiten müssen. In Krankenhäusern, im öf-fentlichen Verkehr, in der Gastronomie undanderen Schichtbetrieben muss auch an denFeiertagen der Dienst aufrechterhalten wer-den. Wer nicht mit der Familie feiern kann,tut dies vielleicht im Kollegenkreis. 1971wurde in einem Fotodokument eine Weih-nachtsfeier der Stahlarbeiter in Linz am Hei-ligen Abend festgehalten, die sie in einerkurzen Pause mit einem kleinen Christbäum-chen, Bier und Weihnachtsliedern abhielten.
Nicht alle entfliehen dem Weihnachts-rummel freiwillig, manche müssen die Fest-tage fern der Familie verbringen. Dazu zählenauch die Seeleute. Wobei aber nicht alle imPackeis feststecken, so wie die Mannschaftder österreichisch- ungarischen Nordpolex-pedition( 1872-1874). Als das Schiff denzweiten Winter vor der, später als Franz-Josef- Land benannten Inselgruppe festsaẞ,feierte die Besatzung im Schein eines im-provisierten Weihnachtsbaumes aus Holz-stäben. Daran hingen Geschenke wie Zigar-ren, Pfeifen, Taschenuhren, Würste undSchokolade. Für die Mannschaft ein wichtigesErlebnis, das ihnen in ihrer besonderen Lagewohl auch wieder Mut machte.
WEIHNACHTEN&SILVESTER
Gemeinsam statt einsam
Reiseprospekt der Hurtigruten GmbH, 2011,Foto: Franz Dachs
Kreuzfahrten bieten die Möglichkeit, Weihnachtenin Gesellschaft zu feiern.
Weihnachten in Kriegszeiten war sowohlfür die Soldaten im Feld eine schwere Zeitals auch für die Zivilbevölkerung, die oftebenso unter Kälte und Hungersnot zu leidenhatte und die um die Männer im Feld bangte.Mit Erfindungsreichtum und Sparsamkeitversuchte man in den schwierigen Zeitenein bescheidenes Weihnachtsfest zu ermög-lichen. Gabenpakete aus der Heimat, darunterauch kleine künstliche Christbäumchen, be-reiteten den Soldaten im Feld ein wenigWeihnachtsfreude und waren Bindeglied zurHeimat. Weihnachten als ein Fest des Frie-dens bewirkte während des Ersten Welt-krieges ein kleines Wunder mit großer Sym-bolkraft, als es an der Westfront nahe Ypernin Belgien am 24. Dezember 1914 zu einer,von der Befehlsebene nicht autorisiertenWaffenruhe zwischen deutschen und briti-schen Soldaten kam. Die„ Verbrüderung"mit dem Feind wurde von den Militärfüh-rungen allerdings nicht geduldet, weshalbder Weihnachtsfriede von 1914 in den Fol-gejahren keine Fortsetzungen fand. Ein Ge-denkkreuz in Ypern erinnert heute noch anden kurzen Moment der Menschlichkeit inder Weihnachtsnacht 1914.
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