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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
Entstehung
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14. Mag das ChristkindWeihnachtsmann?

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Bereits vor Beginn der Reformation warensowohl der HI. Nikolaus als auch der HeiligeChrist als Gabenbringer in den Familien ver-traut. Von Martin Luther selbst wurde derBrauch des heimlichen Einlegens von Ge-schenken für die Kinder am Nikolaustag to-leriert, nicht aber die Spektakel der Um-zugsbräuche. Zu Weihnachten beschenkteLuther seine Kinder im Namen des HeiligenChrist. Die Geschenke sollten die Freudeüber die Geburt Christi noch vergrößern. Ererfand demnach nicht, etablierte aber be-wusst die bereits bekannte Gestalt des Hei-ligen Christ als weihnachtliche Bescherfigur.Diese setzte er jedoch nicht mit dem neu-geborenen Jesuskind in der Krippe gleich.

Da die Heiligenverehrung von den evan-gelischen Theologen im Zuge der Reforma-tion immer stärker abgelehnt worden war,wurde es üblich, nur mehr am 25. Dezemberzu bescheren. Die Gegenreformation brachtehingegen die Stärkung der katholischen Hei-ligenfeste mit sich und förderte wieder dieBescherung am Nikolaustag, wodurch dasgabenbringende Christkind zunächst in Ver-gessenheit geriet.

In den protestantischen Gebieten brachtehingegen das Christkind bis ins 19. Jahr-hundert die Geschenke. Der Hl. Nikolausverschwand als Gabenbringer jedoch nichtgänzlich, wurde aber lokal durch andere Fi-guren ersetzt. Knecht Ruprecht, der profaneBegleiter des HI. Nikolaus entwickelte sichgebietsweise zum Gabenbringer und tratauch als Begleiter des Christkinds auf. Die

Entstehung der Figur des Weihnachtsmannesim nördlichen Deutschland aus dem KnechtRuprecht und ähnlichen Gestalten ging mitdem Verlust des religiösen Charakters einher.Allerdings waren die Vorstellungen nochsehr uneinheitlich und erinnerten oft an Per-sonifikationen des Winters. Die Illustrationenzeigen, dass die Kleidung noch nicht ein-heitlich rot war, sondern braun, violett oderweiß, meist pelzverbrämt, mit Kapuze oderFellmütze, Wanderstab und Gabensack. Auchdie Bezeichnungen Nikolaus, Weihnachts-mann, Knecht Ruprecht sowie Herr Winterwurden in den Titeln synonym verwendet.Das Lied ,, Morgen kommt der Weihnachts-mann" von Hoffmann von Fallersleben( 1798-1874) machte um 1840 die BezeichnungWeihnachtsmann allgemein bekannt.

Möglicherweise durch die protestanti-schen Christkindspiele inspiriert, hatte dasmystische Wesen des Heiligen Christ bereitsim 16. Jahrhundert engelhafte Gestalt inweißen Kleidern angenommen. Als in derersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dasChristkind als weihnachtliche Bescherfigurauch in die Häuser der Katholiken wiedereinkehrte, erschien es in den Illustrationenals niedliches Kind in einem langen Kleidchen,dem Jesuskind als weihnachtlichem Se-gensbringer gleichgesetzt, als kindliche odermädchenhafte Engelsgestalt sowie als blond-gelocktes Mädchen. Ebenso findet sich dasChristkind in trauter Zweisamkeit mit dem,um 1900 nun großväterlich und gütig darge-stellten Weihnachtsmann abgebildet.

Die Figur des Santa Claus entwickelte sichaus dem HI. Nikolaus und hatte vorerstnichts mit Reklame und Kommerz zu tun.Der deutsche Einwanderer Thomas Nast( 1840-1902) prägte durch seine Illustrationen,in die möglicherweise Kindheitserinnerungeneingeflossen sind, entscheidend das Bilddes amerikanischen Weihnachtsmannes.1869 schuf Nast die Bilder zum wohl be-kanntesten englischsprachigen Weihnachts-gedicht, The Night before Christmas" vonClement Clark Moore( 1779-1863) aus demJahre 1822, das ursprünglich A Visit fromSt. Nicholas" hieß und heute eigentlichHenry Livingston, Jr.( 1748-1828) zuge-schrieben wird. Im Text fliegt ,, St. Nicholas"mit seinem Schlitten, der von den RentierenDasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet,Cupid, Dunder und Blitzen gezogen wird,über die Dächer. Erst 1939 übernahm durchein Gedicht von Robert Lewis May das Ren-tier Rudolph mit seiner rot leuchtenden Nasedie Führung des Schlittengespanns. Naststellte den Gabenbringer vorerst als gütigen,Pfeife rauchenden Zwerg in einem Fellmanteldar. Seine späteren Bilder des weißbärtigen,wohlbeleibten, lächelnden Mannes dürftenauch Haddon Sundblom inspiriert haben,der 1931 von Coca Cola beauftragt wurde,ein weihnachtliches Werbeplakat zu schaffen.Der rot gewandete, allzeit gütige und kon-fessionslose Weihnachtsmann war geboren.

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