13. Seit wann gibtes den Christbaum?
Die Freude an zur Winterzeit ins Haus ge-holten grünen oder blühenden Zweigen istbereits aus der Antike überliefert. Das amTram festgemachte Wintergrün- je nachVerfügbarkeit Zweige von Wacholder, Ros-marin, Mistel oder Stechpalme- sollte Glückbringen.
Aus dem bescheidenen Zweig entwi-ckelte sich im Laufe der Jahrhunderte einganzer Baum, der zunächst im Freien, späterin der Stube zu stehen kam. Eine elsässischeWaldordnung legte 1561 fest, dass jederBürger nur einen Baum schlagen dürfe.Davor war 1555 ein Verbot der zu dieserZeit noch Weihnachtsmayen" genanntenBäume ausgesprochen worden, das aberaugenscheinlich nicht aufrecht erhalten wer-den konnte. Nicht nur Waldbesitzer sahendas gar nicht gern. Die Kirchenobrigkeit arti-kulierte in der„ Katechismusmilch"( 1642-1646) ihren Unmut darüber, dass GottesWort während der Weihnachtszeit durch al-lerlei„, Lappalien" in den Hintergrund gedrängtwerde, darunter der Weihnachtsbaum, dermit Zuckerwerk und Puppen behängt in denStuben stehe, und von den Kindern„ abge-blümelt" werde. Kurfürst Friedrich II. schließ-lich erlieẞ 1693 in Berlin ein Verbot gegendas Treiben auf den Straßen, wo um einenmit Kränzen behängten Baum zu Weihnach-ten getanzt und„ allerley Unfug" getriebenwurde. Diese Bäume waren noch unbe-leuchtet, und neben Nadelbäumen warenBuchs, Schlehdorn oder Wacholderbüschein Verwendung.
Die nächste große Annäherung an denheutigen Christbaum erfolgte Anfang des
19. Jahrhunderts durch die Erfindung vonStearin. Dies ermöglichte erstmals die Her-stellung preisgünstiger Kerzen, und ließ vie-lerorts Weihnachtsbäume in der dunklenJahreszeit erstrahlen. Aber auch diese Ent-wicklung fand nicht nur Anhänger. Aus denTagebuchaufzeichnungen von Erzherzog Jo-hann geht hervor, dass er den Christbaumbei seiner Schwägerin Erzherzogin Henriettevon Hessen- Nassau, die 1816 einen der ers-ten Christbäume in Wien aufstellte, uner-träglich hell fand, und die Kerzen eine unan-genehme Hitze erzeugten. Außerdem merkteer konsumkritisch an, dass die Geschenkefür die Kinder ein Vermögen gekostet hätten,und er sein ,, Kripperl" vermisse.
Das protestantische Oberschichtphäno-men des Christbaumes verbreitete sichdurch verwandtschaftliche Beziehungen desAdels über Europa, wurde von der im 19.Jahrhundert entstandenen bürgerlichen Klein-familie übernommen, bevor es auch in länd-lichen Gebieten an Akzeptanz gewann. ImDeutsch- Französischen Krieg 1870/71 stan-den in Unterkünften, Lazaretten und KasinosChristbäume. Arbeiter und Bauern, die sonstkaum jemals weiter weg kamen, brachtendiese Idee mit nach Hause. In Anlehnungan die am Durchzugstram hängenden Zweigesetzte sich in der Steiermark und in Teilendes Burgenlandes zunächst der hängendeChristbaum durch. In der Steiermark hieltsich diese Form bis in die 1960er Jahre.Nach den Weltkriegen traten Christbäumeauf Gräbern vermehrt in Erscheinung. Siesind bis heute zu finden.
Schon im 19. Jahrhundert gab es künstlicheWeihnachtsbäume. Für Soldaten im ErstenWeltkrieg wurden klappbare Minibäume her-gestellt.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts ändertesich der Behang des Christbaumes. Da dieGeschenke immer umfangreicher wurden,konnten sie nicht mehr am Baum befestigtwerden. Dadurch erhielt der Baumschmuckmehr Aufmerksamkeit. Die ersten Weih-nachtskugeln wurden um 1850 in Lauscha/Thüringen hergestellt, wo in der Folge eineWeihnachtsschmuck( haus) industrie entstand,die auch das Lametta hervorbrachte. Kunst-werke aus Glassteinen und-stäben für denChristbaum fertigten Familien im böhmischenGablonz in Heimarbeit. Daneben war Weih-nachtsschmuck aus Tragant( mit Zucker ver-setzter Bocksdornsaft), Watte oder leoni-schem Draht( versilberter, vergoldeter oderverzinkter Kupferdraht) beliebt. Heute istdie Auswahl unüberschaubar und jährlichwechselnden Modetrends unterworfen.
Auswanderer und Missionare sorgtenschließlich für die weltweite Verbreitungdes Christbaumes.
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