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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
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12. Trinken für denguten Zweck?

Auf den Märkten der Vorweihnachtszeitkaufte die Bevölkerung nicht nur Lebens-mittel, Kleidung, Geschirr und andere All-tagswaren ein, sondern besorgte ebensoLebkuchen, Backwaren, Zuckerwerk undGeschenke für die anstehenden Feste. DieBezeichnungen und das Angebot wandeltensich im Laufe der Zeit. Auf den Nikolomärktenwurden beispielsweise die Einkäufe für denNikolaustag erledigt, an dem die Kinder, vorEinführung der Bescherung am Christfest,Geschenke erhielten. Krippen und Krippen-zubehör boten die Krippenmärkte an. Umden Thomastag am 21. Dezember wurdendie Thomasmärkte abgehalten, die man-cherorts noch immer veranstaltet werden.Sie boten Gelegenheit für letzte Einkäufevor den Festtagen. So wurde der InnsbruckerThomasmarkt am Montag in der Quatem-berwoche, der Woche nach dem 3. Advent-sonntag, abgehalten und bereits 1648 umeinen Viehmarkt erweitert. In Wien habenam Graben und an der Brandstätte zwischen1600 bis 1761 Lebzelter und Zuckerbäckerihre Ware am Thomasmarkt feilgeboten.Seit 1764 gab es dann einen Nikolo- oderWeihnachtsmarkt auf der Freyung, späterauf dem Platz Am Hof. Durch den zunehmendfamiliären Charakter des Weihnachtsfestesund die Einführung des Christbaumes im19. Jahrhundert kam es zur gesteigertenNachfrage nach Bäumen, Baumschmuckund Spielzeug. Das alles war nun auf den

Christkindlmärkten verstärkt zu finden, ob-wohl diese Dinge in den Darstellungen undErzählungen für die Kinder scheinbar vomChristkind oder von den Engeln gebrachtwurden.

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An den Verkaufsständen wurden die Wa-ren der Handwerker und Gewerbetreibendenzum Kauf angeboten. Doch im Schatten deroffiziellen Marktstände boten arme, standloseHändler Erwachsene, wie auch Kinder-ihre einfachen Artikel an. Dieses Nischenge-werbe stellte für die gesellschaftlichen Rand-gruppen eine überlebensnotwendige Ein-nahmequelle dar. Nicht nur in dem von HansChristian Andersen überlieferten Märchenvon dem Mädchen mit den Schwefelhöl-zern" spiegeln sich die sozialen Missständewider. In Bilddokumenten aus dem 19. Jahr-hundert treffen bittere Armut und wohlha-bende Käuferschicht im Gedränge des Markt-geschehens aufeinander. Der notwendigeVerkauf ihrer bescheidenen Waren enthobdie fliegenden Händler zwar der oft verbo-tenen Bettelei, dennoch waren sie stets derWillkür von Obrigkeit und Kundschaft aus-gesetzt.

Als nach dem Ersten Weltkrieg in denStädten der Spielwarenhandel immer mehrvon den Kaufhäusern übernommen wurde,verloren die Märkte viel von ihrer wirtschaft-lichen Bedeutung. Auch der Wiener Christ-kindlmarkt hatte schwierige Zeiten und vieleStandortwechsel hinter sich, als er 1975 auf

dem Rathausplatz angesiedelt wurde. Durchdie Kombination mit dem Wiener Advent-zauber" im angrenzenden Park wurde erzum Tourismusmagneten und hat sogareinen eigenen Onlineshop. Zu einer Neube-lebung haben auch die in den letzten Jahr-zehnten entstandenen kleineren Advent-und Christkindlmärkte mit individuellen Kunst-handwerksangeboten geführt. Glühwein,Punsch und Speckbrote fördern dort die Ge-selligkeit und können sogar karitative Zweckeerfüllen.

Dass Weihnachten die Menschen mild-tätig zu stimmen scheint, zeigen die vielenSpendenaufrufe vor dem Fest. Der ORF ini-tiierte 1973 die österreichweite Aktion ,, Lichtins Dunkel". Seit 1978 wird im Rahmeneiner Fernsehgala am Heiligen Abend fürSozialhilfe- und Behindertenprojekte in Öster-reich um Spenden gebeten. Aber auchPunschbuden und Verkaufsstände unterstüt-zen karitative Einrichtungen. Traditionell botdie Weihnachtszeit durch eine Reihe vonHeischebräuchen den ärmeren Schichtendie Möglichkeit eines Zuerwerbs, meist inForm von Lebensmitteln. Die Heischebräuchesind termingebunden und mit überliefertenHandlungen, Sprüchen und Segenswünschenverknüpft. Im Alpenraum waren beispiels-weise die Anklöpfler" oder Anklöckler"an den Adventdonnerstagen unterwegs.Nach Weihnachten gingen dann die Stern-singer von Haus zu Haus.

nw

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