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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
Entstehung
Seite
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9. Was bringt die Zukunft?

Die dunkle Winterzeit am Ende des bäuerli-chen Arbeitsjahres ist in der Hektik der heu-tigen licht- und unterhaltungsdurchflutetenVorweihnachtszeit kaum noch vorstellbar.Da viele Arbeiten ruhten, wurden die langenNächte für allerlei Zauber und Orakelbefra-gungen genutzt. Einige der Orakeltage sindim Zusammenhang mit den verschiedenenZeitenwenden zu verstehen, die ohnediesals schicksalsträchtig angesehen wurden,wie der Andreastag an der Schwelle desKirchenjahres, der Thomastag am Wende-punkt der Sonne und Silvester am Ende desKalenderjahres. Andere Bräuche entwickeltensich aus den Legenden der Heiligen.

Gegen die einst vielfältigen, regional un-terschiedlichen und oft kurios wirkendenBräuche, von denen die meisten in Verges-senheit geraten sind, wurden auch von denObrigkeiten immer wieder Verbote gefordertund ausgesprochen. Von besonderem Inte-resse waren das Liebesglück und die Ernteim kommenden Jahr. Beim so genanntenLösseln oder Lesseln, wie das Hinhören aufvermeintliche Vorzeichen bezeichnet wurde,erhoffte man, einen Blick in die Zukunftwerfen zu können. Das Wort leitet sich wohlvon Los" oder losen" ab. Dabei wurdeversucht, blühenden Zweigen, Spiegeln, ge-gossenem Wachs und Blei, schwimmendenNussschalen oder Schuhen eine Antwortzu entlocken. Allerdings musste man sich,

wie bei jedem Blick in die Zukunft, auch mitetwaigen schlechten Prognosen abfinden.

Die Andreasnacht, die Nacht zum Festtagdes HI. Apostels Andreas am 30. November,liegt am Ende des Kirchenjahres und amBeginn der vierwöchigen Adventzeit. SeinemPatronat der Liebenden entsprechend über-wiegen in dieser Nacht die Liebesorakel.Weniger bekannt ist, dass auch zu AndreasZweige geschnitten wurden, an deren Auf-blühen die Heiratsaussichten abzulesen wä-ren. Im Spiegel würden Mädchen um Mit-ternacht ihren zukünftigen Ehemann erblickenkönnen. Ähnlich wie am Thomastag wurdenPantoffel geworfen, um an der Lage zu er-kennen, ob im kommenden Jahr geheiratetwerde. Eine zur Tür gerichtete Spitze er-weckte Hoffnung. War das aus einem Holz-stoß gezogene Scheit gerade, durfte aufeinen jungen und starken Mann gehofftwerden.

Die HI. Barbara von Nikomedien ist alsPatronin der Bergleute bekannt. Ihr Lebenist nur in Legenden überliefert. Eine davonberichtet, dass sie während ihrer Gefangen-schaft einen verdorrten Kirschzweig mit ei-nem Tropfen Wasser aus ihrem Trinkgefäßzum Aufblühen gebracht haben soll. Darausentstand wohl der Brauch, an ihrem Festtagam 4. Dezember Zweige von Obstbäumenund Sträuchern zu schneiden. Erblühen diesezu Weihnachten, so gilt das als gutes Omen.

Ihre Blüten sollen angeblich Aufschluss überdas Liebesglück und die Ernte des kom-menden Jahres geben. Nicht rechtzeitig ge-öffnete Knospen verheißen allerdings Unglückund schlechte Heiratsaussichten. An denSprösslingen der am Barbara- oder Lucientagin Tellern angesäten Getreidekörnern konnteman ebenfalls Glück und Segen für daskommende Jahr ablesen.

Die nach dem HI. Apostel Thomas be-nannte Thomasnacht vom 20. auf den 21.Dezember liegt am Termin der Winterson-nenwende und ist die längste Nacht desJahres. Zugleich beginnt nun die Zeit derRaunächte. Dementsprechend eignete sichdiese Nacht für das Orakeln und Deuten.Allen voran versuchten die heiratswilligenMädchen die angeblichen Wunderkräfte derThomasnacht für Liebesorakel zu nutzen.Beim Baumorakel, Scheitelwerfen, Bett-stattltreten, Schuhwerfen, Hütlheben oderScheiteltragen wollte man Hinweise auf dieEreignisse des kommenden Jahres erhalten.Beim Hütlheben wurde unter eine bestimmteAnzahl von Hüten jeweils ein kleiner sym-bolischer Gegenstand gelegt. Die gezogenenDinge animierten zu Interpretationen überdas Schicksal im kommenden Jahr. Derkirchliche Festtag des Heiligen wurde aller-dings 1970 auf den Translationstag seinerReliquien, den 3. Juli, verlegt.

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