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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
Entstehung
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6. Gans und Tanz

Ein Zusammenhang zwischen dem HI. Martinvon Tours, welcher bereits unmittelbar nachseinem Begräbnis im Jahre 397 als Heiligerverehrt wurde, und dem Beginn der Advent-zeit ist heute kaum noch bekannt. Berühmtist die Legende, wonach er als Reitersoldatseinen Umhang mit dem Schwert teilte undeine Hälfte einem frierenden Bettler reichte.Im Traum erschien ihm Christus, bekleidetmit dem Mantelstück. Er ließ sich taufen,wurde zum Bischof der Kirche von Tours inGallien gewählt und gründete ein Kloster.Neben seiner Funktion als Landespatron desBurgenlandes erinnern Laternenumzüge,Weinsegnungen und Gänseschmaus an denHeiligen. Es sind aber weniger seine legen-dengeschmückte Lebensgeschichte und diedamit zusammenhängenden Bräuche, alsdas Datum seines Festtages, welches ihnmit der Adventzeit verbindet. Der Martinstagam 11. November liegt am Ende des bäuer-lichen Wirtschaftsjahres und war ein tradi-tioneller Abgabetermin für Zins-, Steuer- undPachtzahlungen, welche in Form von Geld-werten, aber auch mit Naturalien beglichenwurden. Mancherorts fand an diesem Tagauch der Wechsel der Dienstboten statt.

Mit Einführung des Geburtsfestes Christientwickelte sich im christlichen Jahreskreisder Advent als Vorbereitungszeit, welche

im Advent?

die Bedeutung des Weihnachtsfestes her-vorheben sollte. Seit dem 4. Jh. gab es inGallien und Spanien eine vierzigtägige Ad-ventfastenzeit, die, abzüglich der fastenfreienSamstage und Sonntage, den Martinstagam 11. November zu einem Schwellentagwerden ließ. Für Rom legte Papst Gregorder Große( um 540-604) die, bis dahin vonden Kirchen unterschiedlich lange Dauer derAdventzeit auf die von den vier Adventsonn-tage umschlossene Zeit fest. Aber erst PapstPius V. setzte um 1570 im Anschluss andas Konzil von Trient die römische Adventli-turgie mit vier Adventsonntagen als ver-bindlich für die gesamte katholische Kirchefest, ausgenommen Mailand, wo noch heuteeine Adventzeit von sechs Wochen begangenwird. In der gallischen Tradition hatte dieseZeit Buẞcharakter, während im römischenRitus die Feier der Menschwerdung Gottesfreudig erwartet wurde. Der 1. Adventsonntagmarkiert in der römisch- katholischen undevangelischen Kirche auch den Beginn desKirchenjahres. Das strenge Fasten wurdemit der Kirchenrechtsreform 1917 zwar auf-gehoben, doch weiterhin gilt der Advent alsZeit der besinnlichen Vorbereitung auf dasWeihnachtsfest.

Zu Martini, dem Festtag des HI. Martinund gleichzeitig letztem Tag vor Beginn der

weihnachtlichen Fastenzeit wurde noch einmalreichlich gegessen. Dazu gehörten auch dieGänse, welche zu Winterbeginn geschlachtetwurden, weil sie auf den Weiden keine Nah-rung mehr fanden und nicht alle über denWinter gefüttert werden konnten. Da dasGänsefleisch weniger gut konserviert werdenkonnte, wurde es baldigst verzehrt. Vermut-lich kam der HI. Martin dadurch zur Gans alsAttribut. In den Mandlkalendern wurde seinFesttag sogar mit einer gebratenen Ganssymbolisiert. Gleichwohl berichtet eine wei-tere Legende von einer schnatternden Gänse-schar, die den Heiligen verraten hätte, als ersich vor seiner Wahl zum Bischof versteckenwollte.

Die 1570 erfolgte Festlegung der Fasten-zeit auf vier Adventsonntage hat den früherenZusammenhang zwischen Gänsebraten amMartinstag und der Adventzeit vergessenlassen. An das auch in der kürzeren Advent-zeit bestehende Verbot von Vergnügungen,wie Tanzveranstaltungen und Hochzeitsfeiern,erinnerte danach die HI. Katharina vonAlexandrien. Der traditionelle Kathreintanzan ihrem Gedenktag, dem 25. November,bot fortan die letzte Möglichkeit zum Feiern,denn ,, Sankt Kathrein stellt das Tanzen ein",und zwar bis zum Stephanitag am 26. De-zember.

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