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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
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5. Ist Weihnachtenökologisch korrekt?

Weihnachten fällt in unseren Breiten in einenaturbedingt dunkle Zeit. Bevor es den Kom-fort der elektrischen Beleuchtung in denHaushalten gab, konnte die oftmals sparsameBeleuchtung durch die Talglampen und Kien-späne kaum die Räume erhellen. Kerzen ausBienenwachs waren teuer und daher beson-deren Anlässen vorbehalten. Petroleumlampenwurden in den ländlichen Regionen ebenfallsnur sparsam eingesetzt. Es ist davon auszu-gehen, dass die Bevölkerung die Winterabendedamals als ungemütlich empfand, denn dieStuben waren düster und ruẞig. So verwundertes nicht, dass in einer Zeit, in der das natürlicheTageslicht den Ablauf der Arbeit bestimmte,der im Kerzenschein erstrahlende Christbaumzu einem Symbol des Weihnachtsfestes wur-de. Ist doch auch Christus für die Christensymbolisch die Sonne und mit ihm das Lichtin die dunkle Welt gekommen.

1880 schmückte Thomas Edison, derErfinder der Glühbirne, zu Weihnachten seinLabor in Kalifornien mit bunten Lichtern.1882 lieẞ Edward Johnson, sein Geschäfts-partner in New York, bereits den erstenWeihnachtsbaum mit elektrischer Beleuch-tung aufstellen. Im Laufe der Nachkriegszeitwurden auch die Einkaufsstraßen der öster-reichischen Städte in der Adventzeit zumLichtermeer. Seit 1955 gibt es beispielsweisedie Weihnachtsbeleuchtung der MariahilferStraße in Wien. In den ländlichen Gegendenwurden nach dem Zweiten Weltkrieg an-fänglich bei den Kriegerdenkmälern und anöffentlichen Plätzen beleuchtete Bäumeaufgestellt. Durch das verstärkte Angebot

konnten aber immer mehr private Hausfas-saden mit Lichterketten geschmückt werden.Parodiert wird diese Entwicklung in der US-amerikanischen Filmkomödie ,, BlendendeWeihnachten"( Deck the Halls", 2006).Darin will der rüpelhafte AutoverkäuferBuddy Hall, gespielt von Danny de Vito,sein beleuchtetes Haus vom Weltall aussichtbar machen. Die Komödie zeigt dieTragödie für unsere Umwelt. Neben demhohen Stromverbrauch verhindert der all-gemeine Lichtsmog heute die natürlicheDunkelheit.

Aber es gibt noch andere Gründe, dieWeihnachten in das Spannungsfeld zwischenUmweltbewusstsein und moderner Fest-kultur rücken. Dazu zählen die ungünstigeKlimabilanz durch die überhöhten Kohlendi-oxidwerte der langen Transportwege vonTannenbäumen, Geschenken und auch derNahrung, weiters die Müllberge nach demFest, bedenkliche Farbstoffe im Geschenk-papier und in den Geschenken, giftiges Ba-riumnitrat in Spritzkerzen, Teelichter in Alu-schalen, Pestizide und Herbizide für einenschönen Christbaum, gefährdete Mistelbe-stände, leuchtende Rentiere und auf Fassa-den kletternde Weihnachtsmänner, die an-schließend Kunststoffmüllhalden füllen. Auchdie Ausbeutung und Kinderarbeit in Niedrig-lohnländern sowie die dortige, oft darausresultierende Umweltverschmutzung durchBilligproduktion unserer Geschenkartikel,lassen Weihnachten inzwischen zum ökolo-gischen und ethischen Diskussionsthemawerden.

Artgerecht gehaltene Gänse, Biofisch undChristbäume aus der Region sowie Fairtra-deprodukte werden als Alternativen ange-boten. In sparsamen Haushalten frühererZeiten wurde nicht nur das Lametta nachdem Fest wieder abgenommen, sondernsogar das Einwickelpapier der Süßigkeitenin Schachteln für das nächste Jahr aufbe-wahrt. So mancher kann sich noch erinnern,dass früher aus den Christbaumwipfeln Sup-pensprudler gefertigt wurden. Die Christ-baumstämme erfüllten als Kletterhilfe fürdie Stangenbohnen ihre nachweihnachtlicheFunktion im Gemüsegarten. Diesbezüglichgeht auch die Stadt Wien neue Wege beimRecycling, denn die Christbäume vor demRathaus wurden in den letzten Jahren zu In-sektenhotels und Fledermausnistkästen ver-arbeitet.

Bauernstube mit Christbaum

Fotografie, Brandeben bei Puchenstuben,Niederösterreich, um 1910, ÖMVKerzen für den Christbaum konnte sichfrüher nicht jeder leisten.

nw

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