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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
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Weihnachten-

das gefrorene Fest?

Wie feiert man Weihnachten richtig? Tannen-grün, Kerzenschein, strahlende Kinderaugen,die Familie singt in trauter Harmonie ge-meinsam ein Weihnachtslied, bevor die Ge-schenke ausgepackt werden und der Weih-nachtskarpfen verspeist wird- so oder soähnlich sieht das ideale Weihnachtsfest fürviele heute noch aus. Es ist dies jedocheine Vorstellung, die im Biedermeier ent-standen ist, sich verfestigt und ausgebreitethat. Trifft diese Vorstellung in der Realitätheute tatsächlich zu? Tat sie dies denn je-mals?

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Das Weihnachtsfest, dessen Ursprüngenicht vor dem 4. Jahrhundert liegen, warlange Zeit ein Fest, das ausschließlich inder Kirche, also in der Liturgie des Gottes-dienstes, gefeiert wurde. Es war eingebettetin einen großen Festzyklus, den Weihnachts-festkreis. Dieser besteht aus der Adventzeit,einer Fastenzeit die am ersten Adventsonntagbeginnt und die Zeit der Erwartung desMensch gewordenen Gottes war, dem Ge-burtsfest Jesu Christi am 25. Dezemberin manchen Gegenden bereits am Vorabend,also am Abend des 24. gefeiert- und dereigentlichen Weihnachtszeit, die mit demSonntag nach dem 6. Jänner endet, thema-tisch aber bis Mariä Lichtmess geht. In dieAdvent- und Weihnachtszeit fielen und fallenviele kirchliche Feste, die auch mit regionalhöchst unterschiedlichen Brauchhandlungenaußerhalb der Liturgie akzentuiert wurden.Die Ausstellung legt ihr Hauptaugenmerkauf das heutige Österreich, wobei die Quel-lenlage oft schwierig ist und daher die Aus-übung mancher Bräuche nach regionalen,

zeitlichen und sozialen Gesichtspunkten nichtbelegt oder eingeordnet werden kann.Einige Bräuche finden sich auch heute noch- teils auf eine längere Tradition aufbauend,teils erst in jüngster Zeit wieder oder auchganz neu eingeführt. Im Großen und Ganzenjedoch war das Weihnachtsfest lange Zeitkein privates, sondern ein öffentliches Fest.Das änderte sich allmählich mit dem Pro-testantismus, dessen Reformen und Neue-rungen langfristig auch die römisch- katholi-sche Festgestaltung beeinflussten und seies nur durch das Hervorrufen einer Gegen-bewegung. Das Feiern des Weihnachtsfestesfand nun zunehmend in den Häusern, imprivaten Bereich statt. Seinen Höhepunkterreichte dies im Biedermeier und zwar imGroßbürgertum, in dem das Fest zu einemFamilien- und Kinderfest mutierte. Die Be-scherung, bisher am Nikolaus- oder Neu-jahrstag gelegen, wurde zu einem zentralenElement, die Wartezeit auf das Fest päda-gogisch instrumentalisiert( wer nicht bravist, bekommt nichts) und zum Inhalt desFestes wurde die Familie selbst gemacht.Die Folge war eine Emotionalisierung undSentimentalisierung, die sich gemeinsammit dem Fest- nicht zuletzt durch die beidenWeltkriege- in alle anderen Bevölkerungs-schichten ausbreitete, in Kleinbürgertumund Adel, zuletzt in bäuerliche Gesellschaftenauf dem Land. Kaum jedoch war das Weih-nachtsfest in dieser Form überall angekom-men, begann wiederum eine Entprivatisierungund Veröffentlichung, die vom Handel undden Medien nicht unerheblich gefördert wur-den und die sich in Geschäftsdekorationen,

Straßenschmuck, Weihnachtskonzerten,Clubbings, Adventmärkteboom und in derWerbung äußern und den veränderten ge-sellschaftlichen Gegebenheiten entsprechen.So wurden etwa Heischebräuche- das zubestimmten Zeiten in einer bestimmtenForm durchgeführte, also ritualisierte Betteln-die in der Advent- und Weihnachtszeit beson-ders verankert waren, durch institutionalisierteNächstenliebe wie ,, Licht ins Dunkel" oderdie Dreikönigsaktion ersetzt. Das Idealbilddes Biedermeier blieb in den Köpfen vielerbestehen, wurde eingefroren so wie dieGeburtsszene in Bethlehem in den Weih-nachtskrippen für immer konserviert ist. Diehohen Ansprüche, die an das Weihnachtsfestgestellt werden, führen jedoch unweigerlichzu Enttäuschungen. Aggressionen brechengerade dann aus, wenn versucht wird, Har-monie zu erzwingen. Einsamkeit wird be-sonders spürbar, wenn Familie und Nächs-tenliebe zelebriert werden. Vom Zauberder Weihnacht" bleibt nichts übrig, wennman ihm nicht mehr entkommen kann.

Die Ausstellung Weihnachten- nochFragen?" will nicht nur Antworten geben,sondern auch zeigen, dass es auf mancheFragen keine eindeutigen Antworten gibt.Zum Weihnachtsfest gehören Ambivalenz,Dynamik und Veränderung. Und vielleichtist es gerade deshalb in unserer gegenwär-tigen demokratischen und pluralistischenGesellschaft so dominant. Wie feiert manWeihnachten richtig? So wie es zu einempasst und Freude macht!

Nora Witzmann, Dagmar Butterweck, Kathrin Pallestrang

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