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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
Entstehung
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Vorwort

Die einen lieben es, die anderen mögen esweniger: das Weihnachtsfest. UnfreiwilligeSingles jeglichen Alters ohne Familienan-bindung fürchten die Tage, an denen dieGesellschaft mehrheitlich Harmonie im Fa-milienkreis verordnet und familiär eingeübteRituale verbindliche Regeln und damit auchSicherheit für einige Fest- und Feiertagevorgeben. Erfüllt man diese nicht oder istman nicht imstande sie zu erfüllen, hat man- nicht immer, aber oft ein Problem. AndereMenschen genießen Weihnachten. Sie liebendas Gefühl der Verheißung einer besonderenZeit im Jahreskreis. Sie flanieren gern durchweihnachtlich geschmückte Straßen, bindenihren Adventkranz selbst, gestalten die Fest-tage mit liebevoller Aufmerksamkeit, gehenin die mitternächtliche Christmette, weil daszum Fest entweder aufgrund religiöser Über-zeugung oder schlicht als Brauchelementdazugehört.

Eine dritte Kategorie- diese dürfte dieMehrheit der Bevölkerung bilden- steht dem

Thema Weihnachten ambivalent gegenüber.Während häuslicher Lebkuchen- sowie Tan-nenduft und Kerzenschein die Sinnesrezep-toren positiv zu überfluten imstande sind,können punschgeschwängerte Adventmärktemit alkoholisierten Weihnachtsmännern undblinkenden Rentierschlitten genau das Ge-genteil bewirken. Der kollektive Schenkzwangund die Hetze nach den letzten Weihnachts-geschenken können die Vorfreude auf dasFest ebenso zerstören, wie ein überraschen-des, sorgfältig überlegtes Präsent in den ru-higeren Tagen nach dem Fest Freude zuverbreiten vermag. Ein Weihnachtsspazier-gang im verschneiten Wald kann tiefe Be-friedigung auslösen, die Verköstigung dergesamten Mischpoche am Stephanitag in-klusive weniger sympathischer Familienmit-glieder höchsten Stress.

Fakt ist, dass zweitausend Jahre Christen-tum und zweihundert Jahre marktwirtschaft-liches Agieren den Globus jährlich mit welt-weitem Weihnachtsgeschehen überziehen,

das Theologen, Marketingstrategen, Psycho-therapeuten und Kulturwissenschaftler glei-chermaßen beschäftigt.

Weihnachten geht auch an einem Volks-kundemuseum kein Jahr spurlos vorüber.Besucherinnen und Besucher erwarten eine,, stimmungsvolle" Krippenausstellung, diein der älteren Generation Kindheitserinne-rungen wieder aufleben lässt oder in derjüngsten Generation solche erst festigenhelfen soll. Zudem erwarten die Medienkompetente und vor allem rasche Antwortenauf Fragen rund um die Weihnachtszeit. ImVolkskundemuseum sitzen ja schließlich dieExperten. Warum also nicht die Erwartungs-haltungen bündeln und eine Ausstellungkonzipieren, die Fragen stellt, mögliche Ant-worten bietet und gleichzeitig die vielenFacetten des Weihnachtsfestkreises zumThema macht. Weihnachten- noch Fragen?

Margot Schindler

,, Immer wieder entzückend: Weihnachten mit Kindern"Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Haderer, 2011

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