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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 11. März bis 19. August 2012]
Entstehung
Seite
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Mária Malinová

Dukelská 45900 01 Modra

Tel. 00421 905 799022remaart@remaart.skwww.remaart.sk

Mária Malinová wurde 1962 in Modrageboren. Ihre künstlerische Begabungbrachte sie an die Majolikamanufaktur,wo sie im Jahr 1978 als Lehrmädcheneinmal in der Woche entweder an derDrehscheibe saß, das Malen der Deko-re übte oder in der Retouchierwerkstattarbeitete. Am meisten gefiel ihr dasDrehen, worauf sie sich dann ab demzweiten Lehrjahr spezialisierte. Wäh-rend die meisten ihrer Kolleginnen inder Malwerkstatt tätig waren, arbeitetesie in der Töpferwerkstatt hauptsäch-lich mit männlichen Kollegen undfühlte sich dort sehr wohl.

Sie erinnert sich gerne an die starkeNachfrage nach Keramik in den1980er Jahren. Modraer Majolika warein beliebtes Geschenk, vor dem Ge-schäft der Produktionsgenossenschaftwarteten die Kunden in Schlangen, umKeramik kaufen zu können! In dieserZeit wurden im Betrieb keine Kachelnproduziert, da die Kapazitäten nichtvorhanden waren. Es gab jedochimmer wieder einmal Zeiten, in denenman sich auch der Kachelherstellungwidmete. Historische Gießformen sindheute im Museum des Hotels Majolika,zu dem die alte Manufaktur umgebautwurde, ausgestellt. Auch nach derWende in den 1990er Jahren begannman im Betrieb u. a. wieder Kachelnzu produzieren. Aber da war MáriaMalinová nicht mehr dort. Bereits1985 hatte sie den Betrieb verlassenund begann nach der Babypause imJahr 1992 in der Werkstatt von MichalBarčik zu arbeiten. Sie stellten Keramik-krügerl in Holzregalen als Miniaturen-sembles her, die sie auf Jahrmärktenverkauften und mit denen die Käuferihre Wochenendhütten schmückten.1998 bekam Mária Malinová Kontaktezu einer italienischen Firma, für die

sie helle Kannen aus Steingut( einheller italienischer Ton) in einemromantischen Landhausstil fertigte. Alsdiese Zusammenarbeit endete, suchtesie nach einem neuen keramischenProduktionszweig. Wichtig in diesemZusammenhang war der Kontakt zumKeramiker Jozef Franko, der als erstermit der Herstellung von Kachelöfen inModra begonnen hatte. Zusammen mitihrem Mann Jaroslav, der als angelern-te Kraft die Gipsmodel für die Kachelnfertigt und darin die Kacheln gießt, undihrem Bruder Ferdinand Fiala, einemElektriker und Ofensetzer, verlegteMária die Produktion erfolgreich aufKachelöfen. Denn in der Slowakei hates sich in den letzten Jahren einge-bürgert, eine zweite Heizquelle imHaus zu haben. Sie arbeiten dabeinach Österreichischen Normen.In der Werkstatt Malina werden ca.20-25 Kachelöfen pro Jahr hergestellt.Die große Werkstatt befindet sich imebenerdig liegenden Geschäftsbereicheiner modernen Wohnsiedlung. Siebesteht aus einem großen Produktions-raum mit drei elektrischen Brennöfenund einem Büro, in dem die Kundenunter verschiedenen Kacheldekorenwählen können. Derzeit sind die Farbenhonigbraun und grün in Mode. DieKunden können die Planung ihresKachelofens in einem Computerpro-gramm verfolgen. Mária Malinová istMitglied im Kulturverein ModranskáBeseda", in dessen Kreis u. a. die Ideevon Slávnosť hliny", dem Töpferfest,das im Jahre 2009 erstmals in Modradurchgeführt wurde, entstanden war.Sie selbst modellierte die Marionetten-figuren aus Ton für das Theaterstück,, hrnčiarska rozprávka"( Töpfermär-chen) des Theaters Šikulko zur Eröff-nung des Töpferfestes 2011.

Mich erfüllt die Energie der Erde, des Tons.

Darin steckt eine unglaubliche Kraft.

MIT DEM GEFÜHL DER HÄNDE

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Zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava