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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 11. März bis 19. August 2012]
Entstehung
Seite
80
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Emil Majnhold jun.

Ulica SNP 19

900 01 Modra

Tel. 00421 905 311241

www.uluv.sk/product/majnhold-emil-ml-10161/

Emil Majnhold jun. blickt stolz auf einelange Familientradition an Töpfern zu-rück. Im Jahre 1576 kam die FamilieMajnhold nach Ľubietová, eine Ort-schaft in der Nähe von Banská Bystrica.Die Majnholds waren Töpfer aus derSchweiz, vielleicht kamen sie- wie vieleandere als religiöse Flüchlinge undgehörten zur Gemeinschaft der Täufer.Im Zunftbrief von 1651 ist zu lesen, dassein Vorfahre Zunftmeister war. Diesehistorisch wertvollen Unterlagen hat EmilMajnhold jun. dem Ľudovít Štúr Museumzur sicheren Aufbewahrung gegeben.Dass sie heute überhaupt noch vorhan-den sind, erstaunt. Denn alle offiziellenUnterlagen, so wie jene der ModraerTöpferzunft, wurden nach der Auflösungder Zünfte von den ungarischen Behör-den in ungarische Archive gebracht.Die Familie Majnhold versteckte ihreDokumente und konnte sie so erhalten.Emil Majnhold jun. wurde am 26.September 1955 in Ľubietová gebo-ren. Dort führte sein Großvater eineWerkstatt für traditionelle Irdenware.Er sandte Emils Vater nach Modra,um dort das Handwerk der Fayencezu erlernen. Als dieser 1945 wiederzurückkam, gründete er eine Keramik-manufaktur und arbeitete eng mit derMajolikafabrik in Modra zusammen.Emil Majnhold sen. war sehr stolz aufseinen Sohn und schenkte ihm mit vierJahren bereits eine kleine japanischeDrehscheibe. Emil war in vielen Dingenkünstlerisch begabt, er musiziert undmalt auch heute noch gerne. Vonseinem Vater, der ein hervorragenderTöpfer war, lernte er das Freidrehenauf der Töpferscheibe. In den 1970erJahren wurde er Partner der Organisa-

tion UĽUV, die seine Privatausbildungbeim Vater unterstützte und ihm eineDrehscheibe und Glasuren zur Verfü-gung stellte. Bis 1995 produzierte erfür ULUV. Nach der Wende verkaufte ererfolgreich mit seiner Familie Geschirrund dekorative Keramik in der Markt-halle in Bratislava, wo er mit seinerextrovertierten Art viele Kunden be-geisterte und gute Geschäfte machte.Nebenbei unterrichtete er Kinder undJugendliche im Keramikmachen imSlowakischen Jugendzentrum luventa.Durch die starke Billigkonkurrenz ausChina und eine immense Erhöhung derRohstoff- und Stromkosten konnte EmilMajnhold vom Marktfahren nicht mehrleben und suchte sich eine Anstellungim Securitybereich. Die Keramik hat eraber nicht aus den Augen gelassen.Die Irdenware im traditionellen Stil vonĽubietová gefällt der ULUV-Kommissi-on und Emil Majnhold jun. kann überdiesen Partner nun wieder verkaufen.Die Wohnung ist derzeit auch die Werk-statt, dort wird auf kleinstem Raumgedreht, gemalt, glasiert und gebrannt.Seit 2009 steht er jedes Jahr auf demTöpfermarkt von Slávnosť hliny inModra und führt vor, wie man miteinem Malhorn Dekore auf Teller,Krüge und Kannen malt. Den Wett-bewerb zum Thema, Uhren" auf demTöpfermarkt in Pezinok hat er beinahegewonnen seine Uhr beeindrucktedas Publikum sehr. Sie setzte sich auseinem berühmten geometrischenFliesenmotiv der Habaner zusammen.Emils Sohn Erik hat ebenfalls dieKeramikausbildung in Modra gemacht.Vielleicht wird er die Töpfertradition derFamilie Majnhold weiterführen.

2009

mEM. ML.

Ich möchte die Familientradition bewahren.

MIT DEM GEFÜHL DER HÄNDE

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Zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava