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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 11. März bis 19. August 2012]
Entstehung
Seite
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Marián Liška

Štefánikova 66

900 01 Modra

Tel. 00421 33 6474065jakubliska@gmail.comwww.modranska.sk

KERAM

Marián Liška ist ein umtriebiger gesel-liger Mann, der nicht nur in der 1994von ihm mitbegründeten Zunft derslowakischen Keramiker eine integrativeRolle spielt. Er organisiert und unter-stützt viele Aktivitäten zum ThemaKeramik und Wein in und außerhalbvon Modra. Er töpfert gerne vor Zu-seherinnen auf historischen Drehschei-ben, oft auch barfuß. Gerne erinnerter sich an das Schautöpfern auf derSchallaburg in Niederösterreich.Marián Liška wurde 1961 in Svätý Jurgeboren und ging zum Lernen in dieMajolikafabrik nach Modra. Schon baldentwickelte der hervorragende Dreherein besonderes Interesse am Modellie-ren. Neben seiner Bewunderung für dieWerke des bekannten KrügelmachersFerdiš Kostka( 1878-1951) und fürden großen Modraer Figuralisten undNationalkünstler Ignác Bizmayer, nennter Jozef Franko, einen Keramiker undKachelofenbauer, als seinen wichtigstenLehrer. Mit ihm arbeitet er heute nocheng zusammen.

Als Marián Liška einmal bereits nachWerkschluss eine Figur in der Majo-likafabrik modelliert hatte, wurde ihmvon der damaligen Leitung mitgeteilt,dass dies nicht erwünscht wäre. Daraufbeschloss er, die Majolika zu verlassenund begann 1983 die Zusammenarbeitmit ÚĽUV. Bereits fünf Jahre spätererhielt er als jüngster Keramiker dieÚĽUV- Auszeichnung Meister desVolkskunstschaffens". Man musstedafür Werke einreichen, die von einer

Kommission bewertet wurden und be-kam den Titel in der Regel frühestensnach zehnjähriger Zusammenarbeit.Damals leitete jedoch Ignác Bizmayerdie Kommission und bewertete Liškasqualitätvolle Arbeit im eigenen Stil sehrpositiv. Marián Liškas Figuren sinddurch eine natürliche Lebendigkeit undeinen liebenswerten Humor gekenn-zeichnet. Gerne bringt er seinen Berufin seinem Werk ein der Töpfer ander alten Blockscheibe findet sich inKrippen und als Motiv von Uhren. Inden Darstellungen der alten Berufeversteckt er gelegentlich eine Flascheund einen Weinkrug- ein Tribut an dieWinzerkultur in Modra!

Im Jahre 2010 besuchte Marián Liškaein Keramikseminar in Frankreich undmachte sich dort mit neuen Technikenund anderen Keramiktraditionenvertraut. Aufsehen erregte er beim Mo-dellieren der Figur einer alten Frau ausSlovenský Grob mit verspielten Details,die er seit seiner Kindheit in Erinnerungbehalten hatte.

Marián Liška arbeitet heute nichtmehr für ÚĽUV, da Ware nur nochauf Kommission übernommen wird.Potentielle Kunden sehen seine Werkein Ausstellungen und bestellen darauf-hin direkt bei ihm. Er verwendet nachwie vor Modraer Ton aus der bereitszugeschütteten Grube in Časta. SeinSohn Jakub Liška entwirft ganz moder-nes Keramikgeschirr, er töpfert jedochnicht. Vater und Sohn sind erfreulicher-weise mit Aufträgen gut gebucht.

Ich will meiner Keramik eine slowakische Notegeben und in meinem Werk Geschichten erzählen.

MIT DEM GEFÜHL DER HÄNDE

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Zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava