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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 11. März bis 19. August 2012]
Entstehung
Seite
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Eveline Lehner

Eisenstädter Straße 547081 Schützen/ GebirgeTel. 0043 699 12591959keramik@cselley-muehle.at

Eveline Lehner, geboren 1959,Lebens- und Arbeitsgefährtin vonRobert Schneider, hat eigentlich einekaufmännische Ausbildung. Aberauch sie beschäftigte sich bereits inder Kindheit mit Formen der Natur.Später suchte sie in der Fotografie eineAusdrucksform, um bald danach durchihren Partner das Töpferhandwerk zuerlernen. Ganz in die Materie des Tonsvertieft, gewann sie auch selbst anStärke. Die Keramikerin und Objekt-künstlerin beschäftigt sich seit 1980mit dem Medium Ton, leitet seit 1994die Kurse ,, Formen und Töpfern mitTon" in der Cselley- Mühle und arbeitetmit körperlich und geistig beeinträch-tigten Kindern sowie mit Krebspatien-tinnen.

Das Drehen auf der Scheibe empfin-det die Keramikerin als meditativenZustand wenn der Formprozess sichvom Denken löst. Das Handwerk sozu beherrschen ist Voraussetzung, umdanach freie Objekte zu formen.,, Der" Ton selbst ist für sie weiblich,denn das Weiche, das Formbare desTons empfindet sie als einen sehrweiblichen Aspekt.

Gemeinsam mit Robert Schneiderentwarf Eveline Lehner ein spezielleshandgetöpfertes Geschirr exklusiv fürdas Haubenlokal Taubenkobel" inSchützen. Auf der Scheibe gedrehtwurden beispielsweise auch die Der-wische" fünf zusammengehörige,schlanke hohe Objekte, die mit Oxyd-farben glasiert sind, wobei der untersteTeil in schwarz für Neubeginn steht,der mittlere überwiegende Teil in Braun

für Wachsen und die Spitze in Blau fürLuft und das spirituelle Element. Siebevorzugt Oxydfarben und weißen Ton,weil dadurch die grafische Gestaltungder Oberfläche besser zur Geltungkommt.

Die beiden Töpfer sahen ab den1980er Jahren, mit dem Beginn desAbstiegs der traditionellen Formen beigleichzeitiger Missachtung von Keramikin der Kunst, den Bedarf für neue Formin ihrer Keramik. Gleichzeitig kam derTrend, Kochen auch als Kunst unddas produzierte Essen als Kunstwerkanzusehen. Die kreative Arbeit desHaubenkochs brauchte nun ein eige-nes Forum und es entwickelte sichdie Kombination von Haubenkücheund exklusiver Geschirrkeramik alsGesamtkunstwerk.

Ein ganz spezielles Stück der aktuellenSerie für das Haubenlokal Tauben-kobel" ist ein Weingefäß in Form einerTaube. Das Gefäß wird wie der tradi-tionelle Stoober Plutzer in zwei Teilengefertigt, also zuerst der bauchigeKörper, dann der Hals mit Schnabelals Ausguss gedreht und aufgesetztund schließlich der Henkel angarniert.Die Taube dient gleichermaßen alsGebrauchs- und Ziergefäß. Die Ideedazu entstand aus dem Taubenschlag,der wie ein Wahrzeichen im Hof derCselley- Mühle steht.

Sowohl Eveline Lehner als auch RobertSchneider ist einerlei, ob sie Künstlergenannt werden: Sie sehen sich eherals Schaffende, deren Lebensinhalt dasMaterial Ton und die kreative Arbeit mitden Händen darstellt.

SEKERAL

ELTER

SCHUTZEK

am Gebirg

CHNEIDER

Das Handwerk bringt eine eigeneSchwingung in den Raum- bei Fliesen

und bei handgetöpfertem Geschirr,

als ob man das Eigene, das man mit denHänden gemacht hat, mittransportiert.

MIT DEM GEFÜHL DER HÄNDE

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Zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava