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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 11. März bis 19. August 2012]
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Geschichte der Töpferei im Burgenland

Im gesamten Gebiet des heutigen Burgenlandes, dem ehemaligen West-ungarn, existierten aufgrund reichlicher und guter Tonvorkommen Töpfer-orte wie Stoob, Rotenturm, Jabing, Großpetersdorf, Pinkafeld, Neumarktan der Raab und Königsdorf, Bernstein, Kobersdorf und Oberpetersdorf.1Letztgenannter Ort war im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum der,, Krügelmacher", die Majolikakrüge mit aufgemalten Blumenmustern undfigürlichen Darstellungen auf weißer Grundierung herstellten. Sie führtendie Tradition der Habaner fort, die sich zu Beginn des 17. Jahrhundertsauch im Gebiet des heutigen Burgenlandes angesiedelt hatten.2 Mähri-sche Wiedertäufer hatten sich einerseits auf Batthyanischen Besitzungen- in den Vororten der Herrschaften Güssing, Schlaining und Rechnitz-,aber auch in den Herrschaften Kobersdorf, Mattersburg und Kittsee nieder-gelassen.3

Mittlerweile wird nur noch auf Stoober Gemeindegebiet Ton abge-baut und hauptsächlich in Stoob und Umgebung Töpferwaren produziert.Töpferei ist hier ab dem 17. Jahrhundert belegt. Die Töpfer von Stoobproduzierten Jahrhunderte lang unglasierte, bauchige Trinkgefäße, die sogenannten Plutzer, und grün oder braun glasiertes Kochgeschirr.

Der Plutzer diente zum Wassertransport und Trinken bei der Feld-arbeit, da die Verdunstungskühle des nicht ganz dichten Gefäßes dasWasser im Inneren kühl hält. Der typische Stoober Plutzer wurde ausrotem Ton auf der Töpferscheibe gedreht, unglasiert belassen und mitdem Malhorn mit Bändern und Brotlaberln" in weißem Ton verziert. DerPlutzer hat seine Funktion als Flüssigkeitsbehälter schon längst verloren,stellt heute in Stoob jedoch das Symbol für eine weit zurückreichendeHandwerkskompetenz dar und findet zahlreiche Verwendung in der ört-lichen grafischen Dekoration und Namensgebung wie z.B. beim, CaféPlitzerl".

Die Töpfer und ihre Familien waren in Handwerkervereinigungen,den Zünften, organisiert. Diese regelten den Ausbildungsgang, häufigauch die Zahl der Mitglieder, die Art und Qualität der Produkte, deren

Keramik

im Burgen-

land einstund jetzt

Veronika Plöckinger- Walenta

1 Vgl. Amt der Burgenländischen Lan-desregierung( Hg.): Arbeit und Wohnen.um 1900. Die Sammlung Ludwig Tothzur Sachvolkskunde des Bezirkes Ober-wart( Katalog Neue Folge, Bd 34).Eisenstadt 1989, S. 29.

2 Vgl. Hanak, Elfriede und Gertraude.Szepesi- Suda: Burgenland. TraditionellesHandwerk Lebendige Volkskunst. Wien1978, S. 115.

3 Vgl. Fassbinder- Brückler Brigitte:,, Brüderische" Siedlungen, ihre Anlageund ihre Architektur. In: Kalinová,Alena, Brigitte Fassbinder- Brückler undTheodor Brückler: Täufer- HuttererHabaner. Geschichte, Siedlungen,Keramik in Südmähren, Westslowakeiund Niederösterreich(= Forschungenaus dem Stadtmuseum Alte Hofmühle"Hollabrunn, Sonderband). Horn- Wien2004, S. 65-86, hier S. 80.4 Vgl. Ebd., S. 104ff.

Zeitgenössische Töpfer im Burgenland und in der Region Bratislava

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MIT DEM GEFÜHL DER HÄNDE