9 Karl Löbl, Kurier, Wien, 30.7. 1978.10 Salzburger Festspiele Großes Festspiel-haus 1967, 1968, 1970
Dirigent: Wolfgang SawallischRegie: Oscar Fritz Schuh
Bühnenbild und Kostüm: Teo OttoHermann Prey als PapagenoJudith Blegen als Papagena.
11 Herbert Schneiber, Kurier, Wien 27.7.1967.
12 Salzburger Festspiele Neues/ GroẞesFestspielhaus 1963, 1964
Dirigent: Istvan Kertesz
Regie: Otto Schenk
Bühnenbild: Jörg Zimmermann
Kostüm: Hill Reihs- Gromes
Walter Berry als Papageno
Anneliese Rothenberger als Papagena.13 Karl Löbl, Wien, Express o. Dat.14 Salzburger Festspiele Felsenreitschule1997 NeuinszenierungDirigent: Christoph von DohnányiRegie: Achim FreyerBühnenbild: Achim FreyerKostüm: Achim FreyerMatthias Goerne als PapagenoOlga Schalaewa als Papagena.
die Lederhose mit den unverzichtbaren Hosen-trägern und den„ Jogelhut", bei dem nur verein-zelt bunte Federn sichtbar sind. ,, Schlauheit undBeschränktheit, Mutterwitz und Selbstbewusst-sein glaubt man diesem Papageno. Er spricht dieDialoge fast behäbig, bedächtig, wie nachdenk-lich gesprochen, auf spekulative Gags wird ver-zichtet. Dieser Papageno ist volkstümlich, dochnie derb, ein liebenswerter Naturbursche mitNeigung zu kulinarischen Genüssen." ⁹Einen ganz anderen Zugang zu der Vogelfän-gerfigur zeigen die Inszenierungen der Jahre1967/ 1970.10 Der Regisseur Oscar Fritz Schuhbetont in seinem Regiekonzept das Ernsthafteder Oper, alles zielt auf die Prüfungsszene hin,das Wienerische, Derbe, die Späße fehlen fastganz. Eine Interpretation wird sichtbar, die mehrdurch Reife und Bewusstsein der Konzeption fes-selt als durch komödiantische Spontaneität. Diegroße, bedeutungsvolle Theaterdichtung, nichtdie harmlose Wiener Volkskomödie steht im Vor-dergrund. Diesem Entwurf entsprechend ist auchPapageno zu einem kultivierten Charmeur mu-tiert. ,, Hermann Prey, kultivierter Charmeur[...]ist der Papageno des Abends. Kein wienerischer,der herumkasperlt. Er spielt den Vogelfänger liebund lustig und mit einigen feinen, für uns neuenSpäßen, er bewegt sich sehr geschmeidig undsingt ebenso, mit einem Schmelztimbre, dasseinem die Noten im Ohr zergehen. Er gefiel imLaufe des Abends immer mehr." 11
1963 schufen das Inszenierungsteam OttoSchenk und Jörg Zimmermann 12 ein Märchen-stück, das aus der naiven Freude seiner Theat-ralik schöpfte. Der Regisseur Otto Schenk, zudessen besonderer Stärke die szenische Bear-beitung von Sprechstücken zählt, verlangte vonden Sängern und Sängerinnen auch schauspie-lerische Fähigkeiten. Menschen mit allen ihrenmenschlichen Eigenschaften tummelten sich aufder Bühne. Im Gegensatz zu anderen Interpreta-tionen, die Papageno lustig und fröhlich in ei-ner„ heiẞa- hoppsasa"- Manier auftreten lassen,erscheint er hier schwer bepackt, schwitzend,keuchend und müde von der Arbeit mit den
prall gefüllten Vogelkäfigen auf der Bühne. ,, Mankönnte nicht sagen, dass Schenk in dieser neuenSalzburger Zauberflöte so vieles anders mach-te als frühere Inszenierungen. Er hat bloß allesweggelassen, was schlechtes Bildungstheater,falsche Konvention und steife Opernschablonewar. Er hat auch in den strichlos gebliebenenDialogszenen bloß versucht, mit den Mittelneiner modernen Bühnentechnik jene naive Freu-de am Kulissenzauber, die heutzutage nur allzugern von unnützen Stilproblemen überwuchertwird, wieder freizulegen. Und ich glaube, dassihm dieses sehr ehrliche Unternehmen geglücktist." 13
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Besonders bildende Künstler lassen sich von derzauberhaften, phantastischen Bilderwelt derZauberflöte inspirieren. Marc Chagalls 1967 ent-standene Entwürfe für die Metropolitan Opera inNew York gehören zu den klassischen Beispielen. 39Oskar Kokoschkas für die Salzburger Festspiele1955 entworfenen Bühnenbilder und Kostüm-skizzen zur Zauberflöte- Inszenierung bestechenvor allem durch ihre kraftvolle Farbigkeit. BeidenKünstlern ist eigen, dass sie die fiktive Handlungdurch Bilderfolgen illustrieren, die ihren indivi-duellen ästhetischen Stil wiedergeben.Achim Freyer jedoch, dessen Phantasie abseitsgängiger Deutungen das Theater immer wie-der wundersam belebt, wagte bei der Neufas-sung der Zauberflöte bei den Salzburger Fest-spielen 199714 einen radikalen Bruch mit allenkonventionellen Inszenierungsmustern. Das istnur möglich gewesen, weil er nicht nur für dasBühnenbild, sondern auch für Kostüm und Regiealleinverantwortlich war und so sein künstleri-sches Credo als Gesamtkunstwerk verwirklichenkonnte.
Er wollte keine vorgegebenen Szenerien, keinenaturgetreue Abbildung, keine Arkaden, keinefremde Stimmung, sondern errichtete für sei-ne Zauberflöte- Vision ein eigenes Theater, einZirkuszelt, das er so in die Felsenreitschule hi-neinstellte, dass niemand diese als solche wahr-nehmen konnte. Freyer entwickelte autonomeSpielräume, in die er seine Bilder und Zeichen