Ich wett, er ist schon oben,
Um mich zu loben
Für diesen FreundschaftsdienstOhne Gewinnst.
Denn wie er unvermuthet
Sich hat verblutet,
Dacht er nicht an den Mann,Der so schön reimen kann.
Den 4ten Juni 1787. Mozart.
Leopold Mozart ist allerdings nicht ,, verblutet",sondern starb ,, an der Auszehr", wie das„ Salz-burger Intelligenzblatt" am 2. Juni 1787 berich-tete.
Zum Charakter von Mozarts Gedicht paẞt auchjenes Werk, das er unmittelbar nach dem Tod sei-nes Vaters komponierte und das er am 14. Juni1787 unter dem Titel„ Ein Musikalischer Spass"( KV 522) in sein„ Verzeichnüss" eintrug. DiesesStück, auch bekannt als„ Dorfmusikanten- Sex-tett", kann nämlich auch als musikalische Ab-rechnung mit seinem Vater gedeutet werden,zumal sich Mozart hier über„ einen komponie-renden Stümper" lustig macht,„ dessen Ehrgeizauf Herstellung einer Sinfonie geht", wie imKöchel- Verzeichnis dazu angemerkt wird.Nach dem Tod des Stares schaffte sich Mozartirgendwann einen Kanarienvogel an, den er sehrgerne gehabt haben muß, denn fünf Monate vorseinem Tod bedauerte er in einem Brief an sei-ne in Baden bei Wien weilende Frau, daß er beiseinem anstehenden Besuch ,, weder das Klaviernoch den Vogel mitnehmen" könne. Daẞ Mozartam 29. Januar 1791 seinem Trio den Titel ,, DerKanarienvogel" gab, hing sicherlich auch mit sei-ner Zuneigung zu diesem Tier zusammen.Einem Bericht von Mozarts Schwägerin SophieHaibel zufolge, soll sich dieser Kanarienvogel biszuletzt in Mozarts Umgebung befunden haben,wobei diese Erinnerungen erst 34 Jahre nachMozarts Tod niedergeschrieben wurden. In GeorgNikolaus Nissens Mozart- Biographie wird SophieHaibel mit folgenden Worten zitiert:„ Selbst inseiner schweren Krankheit sey er nie ungeduldiggeworden, und zuletzt sey sein feines Gehör und
Gefühl nur noch gegen den Gesang seines Lieb-lings, eines Kanarienvogels, der sogar aus seinemNebenzimmer entfernt werden musste, weil erihn zu stark angriff, empfindlich gewesen."
In der unter amtlicher Aufsicht erstellten ,, Sperrs-Relation" vom Dezember 1791 wird merkwürdi-gerweise der Vogelkäfig nicht erwähnt, obwohldarin das Inventar von Mozarts Wohnung de-tailliert aufgelistet ist und sogar„, 1 messingesMerserl" und 1 blechener Theekanl" angeführtwerden. Möglich wäre freilich, daß sich der Ka-narienvogel zum Zeitpunkt der Aufnahme die-ser Gegenstände in die„ Sperrs- Relation" nichtmehr in der Wohnung befand und sich jemandanderer um den Vogel kümmerte.
Wie oft Mozart Vögel gegessen hat, wissen wirnicht, sehr wohl wissen wir aber, daß er zumin-dest einmal auf Vogeljagd gegangen ist. Und 23zwar am Dienstag, dem 9. September 1783, alser sich gemeinsam mit seiner Frau in Salzburgaufhielt. An diesem Tag notierte Nannerl in ihrTagebuch: ,, mein bruder und seine frau in münch-berg einen vogl geschossen." Mit„, münchberg"ist der Mönchsberg gemeint, der zur Mozart-zeit nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel war,sondern wo auch Jagd auf Vögel und Kleinwildgemacht wurde. Über den Mönchsberg heißt esbei Lorenz Hübner: ,, Es sind da nicht nur die an-genehmsten Spaziergänge durch kleine Wälder,Haine, Thäler, Auen, und Gebüsche; sondern dasAuge hat nach allen Seiten die unvergleichlich-sten Ruhepuncte."
Unklar ist, womit Mozart auf Vogeljagd gegangenist, da die Windbüchse, mit der er zu Hause aufdie Bölzlscheiben geschossen hat, für die Jagdungeeignet war. Wahrscheinlich wird ihm seinVater das Jagdgewehr geliehen haben, mit demer selbst auf Vogel- und Wildentenjagd ging.Wie wir einem Brief Leopold Mozarts an sei-nen Sohn entnehmen können, wurden auf demMönchsberg aber nicht nur Vögel geschossen,sondern auch gefangen. Am 1. November 1777schreibt er in diesem Zusammenhang an Wolf-gang nach Mannheim:„ Giuseppe Ferlendis lief