Daß nicht nur Wolfgang und Nannerl eine engeBeziehung zu ihren Vögeln hatten, sondern auchMozarts Mutter, geht aus einigen ihrer Briefehervor. So schreibt sie am 29. September 1777aus München an ihren Mann: ,, die thresel lasseich auch schön griessen, sie soll ihr die Zeit nichtlang werden lassen bis ich wider komme, undden bimpes fleisig brunzen führen. die Vögerl lasich auch griessen."
,, Bimpes" ist die Foxterrierhündin„ Pimperl", dieuns in der Korrespondenz der Familie Mozart biszum Spätsommer 1784 unter den Namen„ MiẞPimsess" ,,, Pimmperl" ,,, miss pimpes",„ Bimperl",,, bimbel" und„ Pimpes" immer wieder begeg-net.
Am 14. Mai 1778 schickte Mozarts Mutter,, dem bimbel" aus Paris„ ein busserl" und fragt:,, lebt die grasmucken noch?" Das heißt also,22 daß die Familie neben Kanarienvögeln, Meisenund Rotkehlchen auch eine Grasmücke im Käfighielt. Grasmücken sind besonders beliebt, weilsie gute Sänger sind.
Die Anschaffung der Vögel dürfte für die Mo-zarts nicht allzu schwierig gewesen sein. Hei-mische Singvögel konnte man bei Vogelfängernerwerben, deren Gewerbe„ unter Aufsicht derPolizey" stand, wie wir Lorenz Hübners„ Be-schreibung der hochfürstlich- erzbischöflichenHaupt- und Residenzstadt Salzburg" entneh-men, und Kanarienvögel kaufte man bei Händ-lern, die diese Vögel aus Italien importierten. InMitteleuropa wurde bereits seit Beginn des16. Jahrhunderts ein schwungvoller Handel mitKanarienvögeln betrieben. Darüberhinaus wur-den Kanarienvögel auch im gesamten ErzbistumSalzburg aufgezogen und gezüchtet.
Als Mozart in Wien lebte, schaffte er sich spä-testens am 27. Mai 1784 einen Vogel an. In seinAusgabenbuch notierte er an diesem Tag: ,, VogelStahrl 34 Kr." Dieser Star scheint sehr musika-lisch gewesen zu sein, denn aus einem weiterenEintrag Mozarts geht hervor, daß der Vogel dasRondo- Thema des 3. Satzes aus dem Klavierkon-zert( KV 453) pfeifen konnte. Daß der Star dieseFähigkeit besaß, ist durchaus glaubhaft, zumal
Stare nicht nur ein breites musikalisches Reper-toire beherrschen, sondern auch dafür bekanntsind, daß sie Umweltgeräusche meisterhaft imi-tieren können. Möglicherweise wurde Mozartvon diesem Vogel auch dazu inspiriert, in seinemim Februar 1786 entstandenen Singspiel ,, DerSchauspieldirektor" einer ,, Madame" und einem„ Herrn" die Namen„ Vogelsang" zu geben.Als der Star Anfang Juni 1787 starb, widmeteihm Mozart sogar einen Nachruf, was insofernsonderbar anmutet, als wenige Tage zuvor seinVater gestorben war, über dessen Tod er nicht eineinziges Wort der Trauer verlor. An dem Tag, andem ihm die Mitteilung vom Tod seines Vatersüberbracht wurde, schrieb er lediglich in einemPostskriptum an seinen Freund Gottfried vonJacquin:„ Ich benachrichtige sie daß ich heuteals ich nach haus kamm die traurige Nachrichtvon dem Tode meines besten Vaters bekam.- Sie können sich meine Lage vorstellen!"Unnmittelbar danach ließ er seine Schwester inSt. Gilgen wissen, daß er„, unmöglich Wienn ver-lassen" könne, zumal„ die Verlassenschaft un-seres Seeligen Vatters es kaum der Mühe werthseyn würde".
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Liest man das Gedicht auf den toten Star mitdem Wissen um Mozarts gespanntes Verhältniszu seinem Vater, wäre es durchaus möglich, daßmit dem Star auch Leopold Mozart gemeint ge-wesen sein könnte.
Hier ruht ein lieber Narr,Ein Vogel Staar.Noch in den besten JahrenMuẞt er erfahren
Des Todes bittern Schmerz.Mir blu't das Herz,Wenn ich daran gedenke.O Leser! schenke
Auch du ein Thränchen ihm.
Er war nicht schlimm;
Nur war er etwas munter,doch auch mitunterEin lieber loser Schalk,Und drum kein Dalk.