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Schätze des jüdischen Galizien : Begleitheft zur Ausstellung des Museums für Ethnographie und Kunstgewerbe, Lviv, Ukraine ; Schloßbergmuseum Chemnitz, Deutschland ; Jahresausstellung 2005, 20.03.2005 bis 1.11.2005, Ethnograpisches Museum Schloss Kittsee
Entstehung
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1. Einführung

Ostgalizien

ist unter ganz verschiedenen Begriffen bekannt. Wasdie Geographen als" nördliches Karpatenvorland"bezeichnen, ist aus ukrainischer Sicht die Westukraine( früher: Halychyna), aus polnischer Sicht die ehema-lige" Wojewodschaft Rus/ Russia". Im Deutschennannte man die Gegend auch Ruthenien oder( Rot)Reußen.

Im Hochmittelalter herrschten hier die Fürsten vonGalizien- Wolhynien, seit der Mitte des 14. Jahr-hunderts die polnischen Könige. Durch die1. polnische Teilung( 1772) kam dieses Gebiet zumHabsburgerreich. Damals wurde der deutsche BegriffGalizien neu geprägt: Er bezeichnete nun eine Provinz,die sich aus Kleinpolen(= Westgalizien) mit derHauptstadt Krakau und Rotreußen(= Ostgalizien) mitder Hauptstadt Lemberg zusammensetzte.

Nach einer kurzen Selbständigkeit( WestukrainischeVolksrepublik, 1918) wurde Ostgalizien wieder zuPolen geschlagen. Nach den Besatzungen im2. Weltkrieg durch die Sowjetunion( 1939- 41) unddas Deutsche Reich( 1941- 44) fiel das Gebiet an dieSowjetunion. Seit 1991 ist es der Westteil des neuenukrainischen Staates.

Lemberg

ist der deutsche und jiddische Name der Hauptstadtvon Ostgalizien. Die Polen nennen sie Lwów, dieRussen Lwow und die Ukrainer L'viv.

Die Stadt lag im Mittelalter an der Kreuzung zweiersehr wichtiger europäischer Fernhandelsstraßen: DieWest- Ost- Route führte von Mitteleuropa( Leipzig)zwischen den Karpaten und den weißrusssichenSümpfen nach Kiew, die Nord- Süd- Route von der Ost-see( Danzig) über Weichsel und Dnjester zumSchwarzen Meer( Byzanz) und weiter ans Mittelmeer( Kairo) oder nach Indien( Kalkutta). Als Drehscheibedes Fernhandels wies Lemberg über Jahrhunderte einebreite und wechselnde ethnische, religiöse undkulturelle Mischung auf wie wenige andere euro-päische Städte.

Unter der polnischen Herrschaft sind in der Mitte des14. Jahrhunderts Ruthenen( Ukrainer), Armenier,Tataren und Juden mit eigener Selbstverwaltungbezeugt. Deutsche Kaufleute spielten von Anfang aneine starke Rolle; die Stadt erhielt das MagdeburgerStadtrecht. Hinzu kamen im 15. Jahrhundert Ungarn,Italiener, Griechen, Franzosen und Schotten; dieDeutschen hatten damals den höchstenBevölkerungsanteil. Im 16. Jahrhundert lebtenhier auch Türken, Litauer und Schweden;Lemberg war damals mit 15.000 bis 20.000 Ein-wohnern nach den Maßstäben der Zeit eineGroßstadt.

In der Zeit der österreichischen Herrschaft warLemberg die viertgrößte Stadt in der Monarchie.Allerdings lebte nur noch eine dünne deutsch-sprachige Oberschicht in der Provinzhauptstadt. DieVolkszählung von 1910 nennt 1% Deutsche, 40%Ruthenen und 59% Polen( etwa die Hälfte davonwaren Juden). 1939 zählte Lemberg gut 300.000 Ein-wohner, jeweils ein Drittel waren Polen, Ukrainer undJuden. Heute hat Lviv rund 800.000 Einwohner,darunter rund 5000 Juden.

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