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Ur-Ethnographie : auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur ; die Sammlung Eugenie Goldstern
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Nackenstützen

In der Sammlung Eugenie Goldstern im Österreichischen Museum für Volks-kunde finden sich fünf Nackenstützen aus dem Piemont, die Goldstern auch in ihremkurzen Bericht über ihre Forschungsreise im Aostatal- damals zum Piemont gehörig- erwähnt. Sie sind von verschiedener Höhe und Ausführung und unterschiedlichemSchnitzdekor. Eine weist eine quaderförmige Ausnehmung auf, die eventuell einmaleine Schublade enthalten hat. Nacken- oder Kopfstützen aus Holz, Porzellan oderBambus sind kein ungewöhnliches Möbelstück. Sie sind für den außereuropäischenRaum gut dokumentiert, für Afrika, den Pazifikraum oder China und Japan, wo ihresoziale Funktion als Individualbesitz oder praktische als Frisurstütze oder ihre Zweit-verwendung als niedriger Schemel zum Sitzen erforscht ist. Auch im alten Ägyptenwaren Nackenstützen unentbehrlich und als Grabbeigaben sehr geschätzt. WelchenStellenwert die Aostataler Exemplare im Leben, insbesondere in der Wohnkultur derTalbewohnerInnen hatten, darüber geben die Vergleiche mit anderen Ländern undZeiten keine Auskunft. Eugenie Goldstern erwähnt die Nackenstützen in ihrer bisherunveröffentlichten Beschreibung der Stallwohnungen im Aostatal nicht. Auch dieältere Volkskunde hat sich nicht ausführlich mit diesem Thema beschäftigt, obwohlNackenstützen im Alpenraum keine Seltenheit waren. In der ständigen Schausamm-lung des Österreichischen Museums für Volkskunde finden sich in der Stube ausPettneu im Oberinntal, Tirol, gleich zwei hölzerne Kopfstützen in Keilform( Inventar-nummern ÖMV 29.366 und ÖMV 43021), die jedoch beigegeben wurden, als die Stubebereits im Museum war. Im Inventarbuch ist zu lesen: 29.366 Kopf- Polster, in Formeines Keils, aus Holz gezimmert, Ötzermühl", aus dem Ötztal in Tirol und 43.021Kopfstütze beim Schlafen auf der Ofenbank" aus Villgratten in Osttirol. Von diesenkeilförmigen unterscheiden sich die Beispiele aus dem Piemont, deren Form eheran textile Nackenrollen erinnert.

K.P.

NackenstützenAostatal, 19. Jh.,

ÖMV/ 39.952ÖMV/ 40.188ÖMV/ 40.187

Lit

Goldstern, Eugenie: Eine volkskundliche Erkundungsreise im Aostatale( Piemont).( Vorläufige Mitteilung).In: Wiener Zeitschrift für Volkskunde, 28. Jg., Heft 1, 1923, S. 55-57.

Goldstern, Eugenie: Die Haustypen des Aostatales. Bislang unveröffentlichtes Manuskript in einer Abschrift vonKlaus Beitl, 2004.

Hölzl, Christian( Hg.): Die Pyramiden Ägyptens. Monumente der Ewigkeit(-Kataloge des NiederösterreichischenLandesmuseums Neue Folge, 453). St. Pölten 2004.

Rudofsky, Bernard: Sparta/ Sybaris. Keine neue Bauweise, eine neue Lebensweise tut not. Wien 1987.

Tiesler: Frank: Bemerkungen zu zusammengesetzten Nackenstützen von den Admiralitäts- Inseln.

In: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden, Bd. 28, 1968, S. 49-72.Völckers, Otto: Wohnraum und Hausrat. Bamberg 1949.

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