Salzbehälter in Vogelform
Bessans, dat. 1821,ÖMV/ 32.656
Salz
Salz war jahrhundertelang ein teures, hochgeschätztes und überlebens-wichtiges Gut. Es war und ist nicht nur ein für das Funktionieren des menschlichenund tierischen Körpers unabdingbares Mineral, das ständig zugeführt werden muss,und ein Würzmittel, das Speisen schmackhafter macht, sondern wurde in denHungerperioden des Mittelalters zu einem Symbol für das Überleben schlechthin:Salz macht Speisen haltbarer. Dass dies geschieht, weil das Salz der Nahrung Wasserentzieht und Bakterien abtötet, ist erst seit der Etablierung der Chemie als Wissen-schaft im 19. Jahrhundert bekannt. Bis zu dieser Zeit war der Übergang zwischenseinen„, chemisch- physikalischen Eigenschaften und den magisch- symbolischenAttributen fließend"( Jean- François Bergier). Es spielt im sogenannten Aberglaubenund in einigen Religionen eine Rolle im Kultus und ist Symbol der Weisheit undReinheit auch im Christentum.
Kochsalz, chemisch betrachtet Natriumchlorid, wird aus Meeren und Salz-seen gewonnen und in den Gebirgen abgebaut, wo es ein Überbleibsel der Urmeereist. Seit Menschen in der Jungsteinzeit sesshaft wurden und begannen, vermehrtpflanzliche Nahrung zu sich zu nehmen, mussten sie ihrem Körper zusätzlich Salzzuführen. Salz war also schon in prähistorischer Zeit ein wichtiges Handelsgut, dasdorthin geliefert wurde, wo es nicht abgebaut oder aus dem Wasser gewonnen wer-den konnte. Mit der Entwicklung der Grundherrschaft im frühen Mittelalter und mitder Entstehung der Nationalstaaten, die Monopole und Zölle auf den Salzhandel ein-führten, wurde es zu einer einträglichen Ware. Erst ab dem frühen 19. Jahrhundertging seine politische Bedeutung zurück.
Während in den bäuerlichen Betrieben bis ins Hochmittelalter hinein meistMangel auch an Salz herrschte, war es ab der frühen Neuzeit für die meisten Haus-halte leistbar- wenn auch nach wie vor kostspielig. Salz war vor allem zum Haltbar-machen von Lebensmitteln in großen Mengen notwendig. Nach dem Schlachten desViehs im Herbst wurde Fleisch eingepökelt. Auch Butter und Käse wurden mit Salzkonserviert. Eine nicht zu unterschätzende Menge an Salz wurde dem Vieh zugefüt-tert, da ein Salzmangel bei Schafen, Ziegen und Kühen unmittelbare Auswirkungenauf die Qualität der Milch hat.
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Ur- Ethnographie