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Ur-Ethnographie : auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur ; die Sammlung Eugenie Goldstern
Entstehung
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Beleuchtung

Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Erzeugung von künstlichem Licht mitgroßen Mühen und Kosten verbunden. Wach- und Schlafphasen wurden daher imbäuerlichen Betrieb weitgehend nach dem Tageslicht ausgerichtet, was bedeutet, dassim Sommer weniger und im Winter mehr geschlafen wurde. Am Abend musste eineLampe für die HausbewohnerInnen genügen, um die sich alle versammelten.

Eine Steigerung der Helligkeit konnte nur durch Vervielfachung der Lichtquellenerzielt werden, war also zu teuer. Zwar wurde die Brandgefahr durch die Einführungvon Fettlampen statt Kienspänen erheblich herabgesetzt, bestand aber prinzipiellweiterhin. Talg- und Öllampen waren die häufigsten Beleuchtungskörper bis ins19. Jahrhundert. Als Brennstoff für Öllampen verwendete man Lein-, Sonnenblumen-.Oliven- oder Rüböl( aus Raps und Rübensamen), das in geschlossene Gefäße, dieLöcher zum Befüllen und Einlegen des Dochtes aufwiesen, gegossen wurde.

Talglampen bestanden aus einem Schälchen, das mit Unschlitt( Talg) vonRind, Schaf, Ziege, Hirsch, Hammel oder Schwein- je nachdem, was zur Verfügungstand befüllt wurde. Meist wurden Fettabfälle verwendet, die stark verunreinigtwaren und besonders ruẞten. In das Fett wurde ein Docht aus Baumwolle, Wolle oderWerg, einem Abfallprodukt der Leinenerzeugung, gesteckt. Eugenie Goldstern berich-tete von Talglampen aus Eisen, die im Münstertal bis wenige Jahrzehnte vor ihrerForschungsreise in Gebrauch waren und für die Schaffett und ein gedrehter Baum-wolldocht benützt wurden.

Als eine Besonderheit hob Goldstern die Talglampen aus Gipsdolomit her-vor, einem marmorähnlichen Gestein, das im Münstertal vorkommt. Auch diese stan-den zu ihrer Zeit nicht mehr in Gebrauch, und sie sammelte eine große Anzahl fürverschiedene Museen, so auch für das Österreichische Museum für Volkskunde. Beiden gemeinsamen Spinnabenden der Frauen und Mädchen war eine Steinlampe aufeinen hohen Holzständer in die Mitte des Raumes gestellt worden. Das Exemplar, dasGoldstern dem Österreichischen Museum für Volkskunde überließ, war das einzige,das sie bei ihrem Besuch in Graubünden noch ausfindig machen hatte können.

In die Laternen, die überall dort Verwendung fanden, wo die offene Flammevor Zugluft oder Wind geschützt werden musste, also beim Herumgehen am Hof, imKeller und Stall oder beim Unterwegssein in der Nacht, wurde im Münstertal einniedriges Schälchen aus Gipsdolomit oder auch Speckstein gestellt.

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