Hausrat
Holzteller, Kanton Wallis, 19. Jh., ÖMV/ 30.584Holzlöffel, Kanton Wallis, 19. Jh., ÖMV/ 30.587
Holzschüssel
Hochsavoyen, 19. Jh., ÖMV/ 32.717
Das bäuerliche Haus war ein Wirtschaftsbetrieb, der Wohn- und Arbeits-bereich nicht voneinander getrennt. Die Räumlichkeiten wurden erst im Zuge derIndustrialisierung, die einen Individualisierungsschub bewirkte, vermehrt mit Zierratund Annehmlichkeiten ausgestattet. Eine besonders faszinierende Form der Wohn-kultur lernte Eugenie Goldstern in Bessans und im Aostatal kennen. Als sie ihreForschungen in Bessans anstellte, war das dort bereits bestehende Hotel wie jedenWinter aufgrund der bitteren Kälte des savoyischen Hochgebirges geschlossen, undsie wohnte wie alle Einwohner des Dorfes in einer„ Stallwohnung" im Souterrain derBessaner Häuser, also in einem Raum, den sich Menschen und Tiere teilten und indem es dadurch warm war. Der Stallbereich für die Tiere war nur durch eine schmaleJaucherinne vom in etwa gleich großen Wohnbereich getrennt. Goldstern beschriebdiese Wohnungen, die meist nur in der sechs- bis siebenmonatigen Winterzeit- vonmanchen Familien aber auch das ganze Jahr über- benützt wurden, dem ersten Ein-druck nach als dunkel und schmutzig, betonte aber, dass jeder, der einen Winter inBessans erlebt hat, die Wärme dieser Behausung hochschätzen lernt. Von den Ein-richtungsgegenständen hob sie das ein- oder zweistöckige Kastenbett hervor, unterdem zusätzlich zum eigentlichen Stallbereich Schafe, Ziegen und Kälber untergebrachtwaren. Nach vorne war dieser Behelfsstall durch einen truhenartigen Heubehälterabgeschlossen, der gleichzeitig eine Sitzgelegenheit für die menschlichen Bewohnerbot. Ein- bis zweimal pro Tag wurden die Tiere herausgelassen und konnten im Raumumherlaufen. Der Kamin mit einem ummauerten Herd mit offenem Feuer, auf demgekocht wurde- ein eiserner Kochofen konnte zusätzlich eingestellt werden-, wennes in der eigentlichen Küche zu kalt war, hatte eine wichtige Funktion für die Luftzu-fuhr, die durch einen Holzschieber reguliert werden konnte. Aufgrund der Holzknapp-heit durch die Lage über der Baumgrenze diente als Brennstoff Schaf- und Ziegenmist,der angehäuft und unter möglichst wenig Strohbeimengung in Stücke geschnitten undden Sommer über getrocknet wurde. Diese„ Mistbriketts" hielten die Glut lange, ver-strömen aber einen üblen Geruch", wie Goldstern vermerkte. Kuhmist, der nochunangenehmer riechen soll, wurde in Bessans selbst nicht benützt, wohl aber auf denAlmen. Als weitere Herd- und Küchengeräte erwähnte Goldstern Utensilien, die zumKochen auf offenem Feuer gebraucht werden, wie Feuerzange, Schürhaken oderFeuerhund. Sie berichtete, dass das Holzgeschirr nur selten in Bessans selbst erzeugt,sondern aus dem Tal der Bauges bezogen wurde.
Mehlbehälter
Aostatal, 19. JH., ÖMV/ 39.936
71 Ur- Ethnographie