Das Museumals SpeicheralpinerLebensformen
Obere Brettalmhütte, Lammertalfotografiert von Eugenie GoldsternPos. Nr. 4492
Herd der unteren Brettalmhütte, Lammertalfotografiert von Eugenie Goldstern
Pos. Nr. 4496
Museen sind Speicher. Sie sind Archive, in denen historische Objekte für dieZukunft aufbewahrt werden. Sie sind Orte des kulturellen Gedächtnisses, Tresore deskulturellen Erbes. Museen bilden eine Art Mustersammlung, in der die Relikte einerverschwundenen Kultur gelagert sind, um jederzeit für die Forschung abrufbar zu
werden.
Durch die Lagerung im Museum haben auch die 806 Objekte der Sammlungvon Eugenie Goldstern die Zeit überdauert. Sie sind Teil der Museums- und Samm-lungsgeschichte. Sie zeugen vom harten Alltag ihrer ehemaligen Besitzer, künden vomGemeinschaftsleben der Dorfbewohner und treten uns als Indikatoren einer alpinen
Lebensform entgegen.
Vorweg gilt es zu beachten, dass die dem Museum überantwortete Samm-lung trotz dieser Fülle nur eine sehr selektive Auswahl darstellt. Auch wenn manberücksichtigt, dass der Gerätebestand einer alpinen Wirtschaft gegen Ende des19. Jahrhunderts um ein wesentliches geringer und wohl auch langlebiger war alsheute, verkörpern die Objekte nur einen statistischen Bruchteil des Inventars. DieSammlung beschränkt sich auf Relikte. Es handelt sich um Objekte, die zum Zeitpunktder Erwerbung durch Eugenie Goldstern gerade außer Gebrauch gekommen waren.Für die Besitzer waren die Geräte in Wirtschaft und Haushalt entbehrlich geworden.Im Zuge der verkehrsmäßigen und damit auch touristischen Erschließung drangenindustriell gefertigte Massenartikel in die Dörfer. Eugenie Goldstern konzentriertesich mit ethnographischem Gespür jedoch auf einzelne, regionaltypische Objektgrup-pen: auf die eigenartigen vogelförmigen Salzbehälter aus Bessans, auf die steinernenTalglampen, die Beinschlitten, die naiven Skulpturen oder die Bienenstockstirnbrett-chen aus dem Lammertal.
Von den Objekten geht eine archaische Anmutung aus, die auf eine jahr-hundertelange Verwendung schließen läßt. Demgegenüber zeigen die zahlreichenDatierungen, dass die überwiegende Anzahl der Objekte aus dem 19. Jahrhundertstammt, oft erst aus der 2. Hälfte. Häufig tragen die Objekte auch die Initialen oderHauszeichen der Besitzer. Das lässt auf eine sehr persönliche Beziehung zwischendem Objekt und dem Besitzer schließen. Die Datierungen zeigen übrigens, dass dieZeitspanne, während der die Objekte in Verwendung waren, nur eine Generationumfasst. Datierte Stücke aus dem 18. oder früheren Jahrhunderten sind jedenfallsselten. Es handelt sich um Einzelanfertigungen, um individuelle Stücke, vom Besitzeroder der Besitzerin selbst beziehungsweise von Spezialisten( Alppersonen, Hand-werker) hergestellt.
39 Ur- Ethnographie