Masken
Masken zählen zu den ältesten Sammlungsgegenständen der Ethnologie. AlsUrphänomen der Menschheit führen sie uns zu den Anfängen der Kultur. Sie umfassenden gesamten Kosmos menschlicher Existenz. Sie verkörpern das Numinose im Kult,beschwören das Dämonische in der Magie und dienen der Verwandlung in Fest undSpiel. Die Ethnologen vermeinten in den Maskenbräuchen einen Schlüssel zum Ver-ständnis urzeitlicher Glaubensvorstellungen und Lebenspraktiken in der Hand zu halten.Ausgehend vom Interesse der Ethnologen an den Masken der„ Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker"und ihrer Verwendung in Kult und Magie begann sich auch die Volkskunde dem hei-mischen Maskenbrauch zu zuwenden. Nachdem Richard Andree 1886 einen erstenÜberblick über„ Die Masken in der Völkerkunde" geliefert hatte, kam es im Rahmender anthropologisch- ethnographischen Abteilung am k.k. Naturhistorischen Museumin Wien zu ersten Sammlungsreisen nach Salzburg und Tirol. Aus Krimml und demangrenzenden Ahrntal brachte Wilhelm Hein geschnitzte Masken vom Hexen- undNikolausspiel, aus Thaur bei Innsbruck eine Reihe von Perchtenmasken nach Wienmit, die zunächst mit den entsprechenden Inventarnummern der Sammlung des k.k.Naturhistorischen Hofmuseums einverleibt wurden. Als 1895 das Museum für Volks-kunde gegründet wurde, bildeten diese Masken zusammen mit weiteren zusätzlichenMaskenerwerbungen den Grundstock des neuen Museums.
Allerdings gelangten in dieser Frühzeit auch bereits Maskenfälschungen indie Sammlung, die ungeachtet ihrer Diskontinuität den heimischen Masken gleich-gesetzt wurden. Es war dies eine synchrone Betrachtungsweise, die unabhängig vonder jeweiligen Funktion die Masken weitgehend undifferenziert auf einen Archetypuszurückführen wollte, indem man sich nicht scheute, Masken der„ Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker" nebendie Masken der alpinen Welt zu stellen.
Die beliebige Auswahl an Masken zu Beginn der Ausstellung möchte auf dieProblematik der auf Primitivismus ausgerichteten anthropologisch- ethnograhischenForschung hinweisen. Inzwischen existiert eine Maskengeschichte, die versucht, demkomplexen Sein, der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen dieses Phänomens gerecht zuwerden.
Lit.:
Andree, Richard: Die Masken in der Völkerkunde. In: Archiv für Anthropologie, Bd. XVI, 1886, 477-506, 1 TafelAndree- Eysn, Marie: Die Perchten im Salzburgischen. In: Sonder- Ausdruck aus dem„ Archiv für Anthropologie", N.F.,III. Bd., Braunschweig 1905, 22, 9 Abb., 2 Tafeln
F.G.
Hein, Wilhelm: Tänze und Volksschauspiele in Tirol und Salzburg. In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaftin Wien, Bd. XXIV, 1894, 45-48
Hein, Wilhelm: Das Huttlerlaufen. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Bd. 9, 1899, 109-123, 8 Abb.
Schmidt, Leopold: Perchtenmasken in Österreich. Wien- Köln- Graz 1972
Krimmler Volksschauspielmaske„ Tod"Österreich, Mitte 19. Jh.,NHM/ 50.978
16
Ur- Ethnographie