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Ur-Ethnographie : auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur ; die Sammlung Eugenie Goldstern
Entstehung
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lung" musste, zusammen mit vergleichbaren Sammlungen aus dem Baskenland, Italienoder Irland, aus diesem Grund zurückstehen. Der allenthalben bereits laut werdendeVorwurf, dahinter stünde irgendeine, womöglich ideologisch- politische Absicht seitensder Museumsleitung, muss jedenfalls entschieden zurückgewiesen werden.

Woher nun aber diese plötzliche Wahrnehmung? Abgesehen von Fachkreisenin Österreich und der Schweiz hatte die Öffentlichkeit all die Jahre von der Sammlungkeine Notiz genommen. Selbst in Frankreich war das Bewusstsein darüber kaum vor-handen, da die entsprechenden Publikationen nur in deutscher Sprache zugänglichwaren. Für das aufkeimende Interesse scheinen zwei Ereignisse von Bedeutung zu sein:Hier ist erstens die Feldforschung von Prof. Arnold Niederer zu nennen, die dieser 1967mit Studentinnen und Studenten des Volkskundlichen Seminars der Universität Zürichauf den Spuren von Eugenie Goldstern in Bessans durchführte. Dadurch begann sichdie Bevölkerung von Bessans wieder der vor einem halben Jahrhundert im Ort for-schenden jungen Frau aus Österreich zu entsinnen und sich für die eigene Tradition zuinteressieren. Nach den gewaltigen Veränderungen im Dorf wurde dadurch ein neuesHeimatbewusstsein geweckt. Goldsterns Foto von der Stallwohnung wurde geradezuzur Ikone und fehlt seither in keinem Heimatbuch. Die Feldforschung des SchweizerSeminars hatte so etwas wie eine Goldstern- Nostalgie vor Ort ausgelöst. 1987 erschiendie französische Ausgabe der Monographie über Bessans, im Vergleich zur 1922 im Ver-lag des Österreichischen Museums für Volkskunde erschienenen Originalausgabe umzusätzliche Objektfotos aus dem Museum erweitert. Im Volkskundemuseum in Wienblieb die Aktion von Prof. Niederer allerdings ohne größere Rückwirkung auf die dama-lige Museumsleitung. Nur Klaus Beitl kuratierte die bereits erwähnte Ausstellung über Französische Volkskunst" auf Schloss Gobelsburg und referierte auf der VI. Alpes Ori-entales- Tagung über Zeugnisse zur Sachkultur( Hirten- und Alpwesen) Graubündens inder Sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien".

Das zweite für die Goldstern- Rezeption maßgebliche Ereignis bestand in derHerausgabe einer Biographie über Eugenie Goldstern durch Albert Ottenbacher im Jahr1999. Über das Leben und vor allem über die letzten Jahre der einer jüdischen Familieentstammenden Wissenschaftlerin war bis dahin wenig bekannt. Diese Lücke konnteAlbert Ottenbacher schließen. Die Biographie schildert das tragische Schicksal derJüdin, die, wie viele ihresgleichen- gleichgültig ob Frau oder Mann-, am Wissen-schaftsbetrieb scheiterte, um schließlich den Schergen des Nationalsozialismus zumOpfer zu fallen. In jener Zeit der Willkür, des Terrors und- für die Betroffenen beson-ders schmerzlich- des Opportunismus gab es kaum ein Entrinnen.

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Ur- Ethnographie