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FRANKREIC
Vorwort
Schausammlung im ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde nach 1945:Abteilung Frankreich
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Mit der Präsentation der zwischen 1911 und 1930 in das Museum gelangtenSammlung von Eugenie Goldstern kommt das Österreichische Museum für Volkskundeeinem allgemeinen und mehrfach geäußerten Wunsch nach. Verschiedene Umständehatten es mit sich gebracht, dass der größte Teil der Sammlung während des letztenhalben Jahrhunderts in der Reserve lagerte. Die Sammlung teilte damit das Schicksalvieler anderer Objekte unseres Museums, die ebenfalls deponiert bleiben mussten. Beiweit über 100.000 Gegenständen kann nur ein geringer Prozentsatz ständig gezeigtwerden. Die Zeit, da die Schausammlung gleichzeitig Depotraum war, und in gedräng-ter Fülle mehr oder weniger den gesamten Objektbestand zeigte, war spätestens nachdem 2. Weltkrieg zu Ende gegangen. Zuvor waren die von Eugenie Goldstern dem Muse-um überlassenen Sammlungsgegenstände laut Museumsführer aus dem Jahr 1921 alsTeil der europäischen Vergleichssammlung im rechten Erdgeschoss- Gang( Raum XXI)ausgestellt. Wie der Katalog von 1930 berichtet, konnte die Sammlung zu diesem Zeit-punkt jedoch nur mehr gegen vorherige Anmeldung besichtigt werden, da die Abteilungin„ teilweiser Neuaufstellung begriffen" war. Während der Zeit des 2. Weltkriegs kamjedoch jegliche Ausstellungstätigkeit zum Erliegen. Ehe die Sammlung nach 1955 insDepot verlagert wurde, hatte man 1948 noch Schautafeln mit den Herkunftsorten derGegenstände aus Savoyen, dem Wallis und Piemont angefertigt. Auf einer eigenen Tafelwaren die Publikationen Eugenie Goldsterns angeführt. Sie kamen jedoch bei derNeuaufstellung der ständigen Schausammlung nicht mehr zum Tragen, da der damaligeDirektor, Leopold Schmidt, sich im wesentlichen auf die volkskundliche DarstellungÖsterreichs in den Grenzen der zweiten Republik beschränkte.
Einen Ausweg aus der Raumnot bot die Gründung von Außenstellen.Solcherart konnte im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee ab 1970 wieder ein Teilder wichtigen ost- und südosteuropäischen Sammlungen gezeigt werden. In der in-zwischen wieder aufgelassenen Außenstelle Schloss Gobelsburg wurde kein entspre-chendes regionales Konzept verwirklicht, das etwa die westeuropäischen Beständehätte umfassen können, sondern es war eine Präsentation nach Sachgruppen( Möbel,Majolika, Glas) gewählt worden. Immerhin konnte hier 1968 in einer Sonderausstellungüber„ Französische Volkskunst" auch ein Teil der Sammlung Goldstern gezeigt werden.In der Folge konzentrierte sich die Museumsleitung jedoch bei der Bearbeitung deralten Sammlungsbestände auf die östlichen Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie( Bosnien, Galizien, Istrien; dazu auch Zypern), denn die politi-sche Entwicklung der letzten Jahrzehnte erforderte nachdrücklich eine Auseinander-setzung mit diesen Regionen, denn man war bemüht, die wissenschaftlichen Kontaktein dieser Richtung in Gang zu halten bzw. wiederherzustellen. Die„ Goldstern- Samm-Ur- Ethnographie