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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
Entstehung
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Wir haben auch die Zeichnungen von Kindern gesammelt,deren Mütter auf andere Weise geboren haben, ihre Zeich-nungen und Erzählungen sind völlig anders. Es gibt sehr unter-schiedliche Bilder, die zum einen die Unangemessenheit derSituation, die Passivität und die Einsamkeit der Gebärendenzeigen und zum andern im Gegenteil die Kraft, die Kreativität,den Sinn für die Eroberung der Geburt verdeutlichen.

Luna erzählt:

,, Der Mann und die Frau tun sich zusammen und aus demPenis des Mannes treten die Spermien aus, aus dem Eier-stock ein einziges Ei, es kommt darauf an, ob es Zwillingewerden; sie treffen aufeinander und machen so das Kind.Nach neun Monaten Schwangerschaft kann das Kind voneinem Moment auf den anderen geboren werden, in jedemMonat des Jahres und die Frau muss sehr schnell sein. Manhat die Wehen, die das Kind voran schieben, so wird es gebo-ren. Die Mutter hat etwas Schmerzen, aber nicht zuviel undes fällt ihr etwas schwer, sich zu bewegen. Das Kind kommtaus der Vagina, und es kann mit dem Kopf zuerst, mit denFüßen voran, mit dem Popo zuerst oder ganz auf einmalgeboren werden.

Die Mutter muß die Plazenta hervorziehen, dann gibt sie demKind Milch und man kann es baden. Kinder werden zu Hause,in der Klinik oder im Krankenhaus geboren und es ist eineschöne Sache, wenn ein Sohn das Licht der Welt erblickt hat."

Leo erzählt:

,, Die Kinder werden durch die Vagina geboren. Bevor sie her-auskommen verweilen sie neun Monate im Bauch. Das Kindwird mit der Nabelschnur geboren, welche eine Art Helfer ist,der das Kleine während der neun Monate versorgt. Als meinBruder geboren wurde, hat ihn meine Mutter in den Armgenommen und sich hingesetzt, denn vorher hatte sie gestan-den und ein sehr müdes Gesicht gehabt. Also haben meineSchwester und ich uns genähert und ich habe ausgerufen:,, Er hat ein Schwänzchen", und ich war sehr zufrieden, einBrüderchen zu haben- jetzt aber kaum noch! Sofort hat ihn

meine Mutter an die Brust gehoben, vielleicht wusste meinBruder nicht warum, aber instinktiv fing er an zu saugen. Dahat sich der Arzt mit einer seltsamen Schere genähert und hatdiese Art von Darm abgeschnitten, aber nicht alles, ein wenighat er übriggelassen. Er sagte, der Rest verschwinde von selber. Wie ich ist mein Bruder mit einem Hemd geboren, d.h.mit so einem Stoff, der die Haut bedeckte.

Es gibt zwei Arten von Geburt: die zu Hause und die imKrankenhaus. Ich habe die im Haus beschrieben. Von derGeburt im Krankenhaus habe ich verstanden, dass die Mutterdie Beine geöffnet hat und dass einige Ärzte ihr sagen:",\ Vor-wärts, drücken...!" Nach einiger Zeit wird das Kind geboren,aber der Mutter wird es nicht sofort gezeigt. Zuerst wird esgewogen. Manchmal lösen sich die Kinder nicht und daszeigt ihre Kraft. Dann wird es zur Mutter getragen, die ganzbegeistert ist. Bevor sie das Kind an die Brust legt, schautsie es an, denn vorher hatte sie keine Zeit dazu.Das Kind ist ziemlich dünn und kann nichts, es ist unge-schützt. Nach einigen Wochen wird es pausbackig und dumöchtest es gerne streicheln. Die Mütter sind sehr mutig,soviel für ihre Kinder zu leiden, auch später im Leben. Es istsehr schwer, denn die Öffnung ist sehr klein im Verhältniszum großen Kopf des Kindes. Ich denke, es lohnt sich, dennsie sind sehr zufrieden. Manchmal können die Kinder anKrankheiten sterben oder weil sie zu früh geboren werden.Das tut den Eltern sehr leid."

Diese Zeichnungen sollten zum Nachdenken anregen unduns veranlassen, die Wahrnehmung der Geburt zu verändern:Durch ein differenziertes Bewusstsein, durch eigene Erfahrun-gen als Mutter bzw. Eltern, durch eine bessere Qualität derUnterstützung und Betreuung bei der Geburt, die Art von Kur-sen, die wir anbieten, die Bilder und die Sprache, die wirwählen. Die Geburt hat einen fundamentalen Einfluss auf dasBild, das man von sich selbst und dem Leben hat.

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