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Möbel für Gebärende und Geborene
Auch die Gegenstände profanen Gebrauchs sind häufig durchreligiöse oder magische Symbolik charakterisiert. Der Wunsch,das neugeborene, hilflose Kind zu schützen, wird im Dekora-tionsprogramm der Bettstatt des Säuglings manifest. Die meis-ten Kinderwiegen der Sammlung des Österreichischen Muse-ums für Volkskunde zeigen daher christliche Zeichen wie dasIHS Monogramm oder Darstellungen der Muttergottes, be-sonders jener von Mariazell. Das flammende Herz hingegensymbolisiert die göttliche wie die menschliche Liebe, die mangleichermaßen dem Kind angediehen sehen will.
Viele Wiegen tragen daneben auch das Pentagramm alsAbwehrzeichen, manchmal sogar in Verbindung mit den reli-giösen Symbolen, wohl um ganz sicher zu gehen, dass dieguten Mächte das Kind schützen mögen, die bösen jedochgleichzeitig davon abgehalten werden, ihm Schaden zuzufü-
gen. Die meisten Wiegen sind zusätzlich mit üppigem Zieratversehen, der bloß dem Schmuck- und Repräsentationsbe-dürfnis der Eltern entsprang. Florale Motive haben bei denbemalten Stücken den Vorrang, bei den geschnitzten Exem-plaren sind es eher geometrische Muster, die oft den schlich-teren Eindruck vermitteln.
Ganz ohne Schmuck kommt der einzige Gebärstuhl aus, der indie Sammlungen des Österreichischen Museums für Volks-kunde schon um 1910 Eingang gefunden hat( Kat. S 246). Ihmsieht man nicht nur den profanen Zweck, sondern mit einigerPhantasie auch die Qualen und Schmerzen, die Generationenvon Frauen auf ihm empfunden haben mögen, an. Es handeltsich um einen schlichten Bretterstuhl mit einer Aussparung amSitzbrett, den man zusammenklappen konnte, und den Land-hebammen zu Entbindungen in die Häuser mitzubringen pfleg-
ten.
Wiege
mit Mariazeller Madonna und PentagrammSteiermark, Ende 18. JahrhundertÖsterreichisches Museum für Volkskunde