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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
Entstehung
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immer wieder als deutlich schwanger dargestellt. Der Zustandwird entweder bloß durch den gewölbten Leib angedeutet,wie bei den meisten sog. Frautragbildern, oder aber durch wei-tere Zeichen und Symbole verdeutlicht, den Strahlenkranz oderdas Jesusmonogramm auf dem Leib, oder sogar durch eineÖffnung im Kleid, in der das zu erwartende Kind, meist bereitsvoll zum Säugling ausgebildet, zu sehen ist. Das bekanntesteBeispiel für Maria mit dem IHS ist das Altarbild der Maria zurguten Hoffnung in Ohlsdorf, Oberösterreich, für eine Maria mitgefenstertem Leib die Gnadenstatue von Bogenberg in Bay-ern. Von beiden Motiven existieren zahlreiche Nachbildungen( Bogenberg, Abb. auf S 24). Durch Devotionalkopien, Andachts-bildgraphik, Krippenfiguren und religiöse Kleinplastiken wurdendie Bildmotive vervielfältigt und verbreitet. Selten und daherkostbar sind die sog. Schreinmadonnen, Skulpturen, deren Leibin Form eines Flügelaltares aufgeklappt werden kann, in denendann allerdings nicht das Jesuskind, sondern die heilige Drei-faltigkeit im Typus des sog. Gnadenstuhls sichtbar wird. 10 Gre-gor Lechner sieht in diesen Schreinmadonnen durchaus eineErweiterung des Schwangerschaftsmotivs, in der Maria zurMater omnium, zur Mutter Kirche stilisiert wird¹¹.

Eine eigene Gruppe bilden die Darstellungen der Maria lactans,der stillenden oder nährenden Gottesmutter, die dem Jesus-kind ihre Brust darbietet. Gustav Gugitz verzeichnet in seinemStandardwerk über Österreichische Gnadenstätten 12 eineReihe von Beispielen dieses Bildtyps, u.a. in der Jesuitenkirchein Wien 13, in der Pfarrkirche zum Hl. Jakob in Purkersdorf, Nie-derösterreich 14, in St. Georgen an der Leiss 15, in Gutenbrunn beiMartinsberg 16, in der Innsbrucker Kapuzinerkirche¹7, in Feldkir-chen in Kärnten 18 und Sigmundsberg bei Mariazell 19. MehrereKleinplastiken und ein Ölbild aus den Sammlungen des Öster-reichischen Museums für Volkskunde veranschaulichen diesenBildtypus in der Ausstellung 20. Kaum ein Bildmotiv ist besserdazu geeignet, die liebende Einfühlung in die Mutterschaft zuversinnbildlichen als das der stillenden Muttergottes.

Kindsnöte im katholischen Mitteleuropa

Gustav Gugitz' Verzeichnis der Gnadenstätten und ihresZuzugs zeigt jedoch, dass es nicht unbedingt eines explizitenSchwangerschaftsmotivs wie jenes der schwangeren odernährenden Maria bedurft hatte, um die Frauen in ihren spezifi-schen Sorgen und Nöten zur Muttergottes, aber auch zu ande-ren Heiligen oder zum Jesuskind selbst pilgern zu lassen. Dasnimmt auch nicht Wunder in Zeiten, in denen eine Schwan-gerschaft außerhalb der Norm, eine schwierige Geburt, dieZeit des Wochenbetts, aber auch Krankheiten der weiblichenOrgane mit Lebensgefahren verbunden sein konnten. Manwandte sich an alle höheren Mächte, von denen Hilfe zu erhof-fen war. Die Pilgerstätte musste nur einigermaßen erreichbarund durch Gebetserhörungen ausgewiesen sein. Votivbilderund Votivgaben bilden die überlieferten Zeugnisse hierfür, unddie religiöse Volkskunstforschung ist dazu angetreten, die ent-sprechenden Interpretationen zu liefern²1.

Neben den Votiven geben auch Mirakelbücher Auskunft überdie Arten der Hilfsbedürftigkeit in Zeiten fehlender medizini-scher Versorgung. Die Pfarrkirche Maria Geburt in Hietzingim 13. Wiener Gemeindebezirk galt z. B. als Zufluchtsstätteschwangerer Frauen. 1738 verzeichnete man dort 175 Votiv-bilder, 100 davon wurden anlässlich schwerer Geburten gestif-tet. Die Hietzinger Kirche war zu dieser Zeit Wallfahrtsstätteder vornehmen Wiener Gesellschaft. 22 Gehen wir in andereBundesländer, so finden wir etwa den Kindlbettaltar in Adlwangin Oberösterreich 23, wo ein Relief mit den Darstellungen derGeburt Christi und der HI. Elisabeth im Kindbett Frauen inKindsnöten anzog. Aber auch Christkindl bei Steyr 24 wurde inAnliegen der Geburt aufgesucht oder die Annakapelle in Wart-stein bei Mattsee 25, wo neben der Mutter Anna eine Kopie desOhlsdorfer Gnadenbildes den Anziehungspunkt bildete. DemAnnakult verdankte auch Straßengel in Kärnten 26 einen großenWallfahrtszuzug. Unter den in der Ausstellung gezeigten Votiv-bildern finden sich auch drei, die auf die Verehrung der HI. Not-burga zurückgehen, deren Fürsprache viele Frauen ihre neuge-borenen Kinder anvertrauten.27