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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
Entstehung
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Geburt beteiligten Personen sind seit dem Andocken der Volkskunde an die Sozialwissenschaften in den 70er und80er Jahren bereits gut erforscht, doch verstärkte Migrationsbewegungen und wirtschaftliche wie soziale Ungleich-heiten in der gegenwärtigen Gesellschaft werfen wieder neue Fragen auf. Hierin liegt auch eine der Schnittstellenzwischen der Ausstellung ,, Aller Anfang" und dem EU- Projekt Born in Europe", welche die entsprechenden Aus-stellungen 2002 und 2003 in Wien und Berlin und weitere Vorhaben in anderen Städten Europas verbindet.

Und nicht zuletzt ist die Ausstellung Aller Anfang" auch aus der Perspektive einer kulturwissenschaftlichen Kom-petenz heraus zu sehen, welche die Aufgabe hat, die Bedingungen zu analysieren, unter denen die Naturwissen-schaften agieren und diese somit auch zu historisieren. Doris Bachmann- Medick erinnerte unlängst an die histori-schen Parallelen zu einer Entzifferungs- Euphorie der Genforschung"( Geisteswissenschaften auf dem Laufsteg derKulturwissenschaften. In: Historische Anthropologie. Kultur. Gesellschaft. Alltag. Jg. 9. Wien 2001, S 286), wie etwadie Vermessung von Körpern durch eine unter rassistischen Vorzeichen betriebenen Anthropologie. Aller Anfang"beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit der Vision des künstlichen Menschen von den Versuchen der Alchi-misten an bis hin zu den virtuellen Körpern, die die digitale Technik heute zum Leben zu erwecken imstande ist. DasEntstehen von menschlichem Leben außerhalb der Körper von Müttern und Vätern und die damit verbundenenMöglichkeiten des, Menschendesigns" sind hier der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung, deren ethische Impli-kationen und gesellschaftliche Folgewirkungen zwar vorstellbar, aber heute keineswegs absehbar sind.

Dorothea Rüb und Lisi Breuss sind vor mehr als einem Jahr mit der Idee zu dieser Ausstellung über die Geschich-te und die zeitgenössischen Formen der Geburt an das Österreichische Museum für Volkskunde herangetreten. Dasüberzeugende Konzept und die Tatsache, daß dieses alte, seit längerer Zeit wenig beachtete volkskundliche Themaeine neuerliche Beschäftigung verdienen würde, hat uns dazu bewogen, das Projekt gemeinsam anzugehen. Diebeiden Projektleiterinnen haben eine große Zahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gewonnen und mit ihneneine interdisziplinäre Ausrichtung der Ausstellung und deren gestalterische Umsetzung eingebracht. Sie haben sichmit ungeheurem Engagement und Arbeitseinsatz der Realisierung der Aufgabe gewidmet, und wir danken ihnen fürdie Kooperation sowie für die Kreativität und Poesie, mit der sie das Projekt erfüllt haben.

Franz Grieshofer und Margot SchindlerÖsterreichisches Museum für Volkskunde