Scherenschnitte und Lampion, China 20. Jhd.Museum für Völkerkunde Wien
götter am Ende des Jahres abgenommen, um siedurch neue zu ersetzen.
Der Verkauf beginnt am 23. des letzten Monats desJahres, also an dem Tag, an dem der Legende nachder Küchengott Zaowang oder Zaojun in den Him-mel fährt, um Bericht zu erstatten. Damit er nurSüßes über die Mitglieder eines Hauses berichtenkann, werden ihm süße und klebrige Opfergabendargebracht, bevor sein Bild als Symbol für seineReise verbrannt wird. Idealtypisch läuft das Festnun folgendermaßen ab: Das Haus wird geputztund renoviert, Speisen für das kommende Fest vor-
bereitet, neue Türbilder angebracht und das Tor mitroten Streifen versiegelt, um das Glück im Haus zuhalten. Es darf nun bis zum neuen Jahr nicht mehrgekehrt, nichts geschnitten und keine doppeldeuti-gen oder schlechten Wörter verwendet werden. Amletzten Abend des alten Jahres wird der Totengedacht und ein Festmahl zu ihren Ehren abgehal-ten. Der erste Tag des neuen Jahres bringt die Wie-derkehr des Küchengottes, und ein neues Bild vonihm wird aufgehängt. Geschenke und Glückwün-sche werden ausgetauscht, gegenseitige Besuchefinden statt.34
Auch beim chinesischen Neujahr wird deutlich, daßdas Ende einer Periode und der Beginn einer neuen,eine besondere ist,„ eine Zeit außerhalb der Zeit"( ,, a time out of time") 35, die etwas zu Ende bringtund etwas anderes eröffnet. Diesem Zustand steu-ern feste Handlungsabläufe gegen, die den Sinnhaben, den Übergang zu erleichtern.
Jüdische Zeitrechnung und Rosch HaschanahDas jüdische Neujahr, Rosch Haschanah, betont dieSchnittstelle zwischen Vergangenem und neuenMöglichkeiten ganz besonders. Es ist der Beginneiner zehn Tage dauernden transitorischen Zeit-spanne, die mit dem höchsten der jüdischen Feste,mit Jom Kippur, endet.
Die jüdische Zeitrechnung läßt das Jahr mit demNeumond nach dem Herbstäquinoktium beginnen,also im August oder September gregorianischerZeitrechnung. Es besteht aus zwölf Mondmonaten,die durch einen Schaltmonat an das Sonnenjahrangeglichen werden. Ihre Namen lauten: Tischri,Mouchesch van, Kisbo, Tebet, Schebat, Adar, Nisan,Ijar, Sivan, Tamus, Av und Elul. Die Ermittlung desSchaltjahres erfolgt, indem die Jahreszahl durch 19dividiert wird; ergibt sich ein Rest von drei, sechs,acht, elf, vierzehn, siebzehn oder null, liegt einSchaltjahr vor. Der eingeschobene Monat trägt denNamen Veadon. Ein Tag beginnt mit Sonnenunter-gang, heute mit 18.00 Uhr festgesetzt, und umfaßt24 Stunden, eine Woche beginnt also am Samstagum 18.00 Uhr. Mit Sonnenuntergang beginnensomit auch alle Feste. Bleibt noch die Frage nachdem Beginn der Zeitrechnung: seit Ende des 15.
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