Josef Wieser
Josef Wieser 33 31 Allhartsberg Angerholz 8 Tel. 07448/32452
Der einzige Töpfer in Niederösterreich,der seine gesamte Ware auf einer Spindel-scheibe töpfert, angetrieben von einemguẞeisernen Schwungrad und das wieder-um von der Kraft der Beine, ist Josef Wie-ser. Er schätzt die sanften Übergänge zwi-schen Ruhezustand und Rotation, die einBedecken der frisch gedrehten Stücke mitSchlicker( Engobe) und ein Dekorieren inKammzugtechnik noch auf der Scheibeermöglichen. Die Fußdrehscheibe hat JosefWieser in Anlehnung an die Produktions-methoden der niederösterreichischen Töp-fer selbst gebaut. Im ehemaligen„, Stübi"seines Elternhauses, eines großen Most-viertler Vierkanthofs, hat er seine Werk-statt eingerichtet. Daneben in der Küchebewahrt die Familie Wieser einiges altesGebrauchsgerät für den bäuerlichen Haus-halt auf. Diese Produkte aus ehemaligenTöpfereien der Umgebung sind die Vorbil-der für die rezente Töpferware von JosefWieser. Der hohe schlanke Doppelhenkel-topf mit Ausguß und dem SegenszeichenIHS, eingedrückt in den randständigenHenkel, bildet die Vorlage für die Formseiner Henkeltöpfe. Den Topf, in dem dieMilch säuert, kennt er im Mostviertel als,, Härling" und sagt:„, Bei den traditionellenFormen schaue ich drauf, daß der Henkel-ansatz paẞt. Früher haben die Töpfer denunteren Henkelansatz noch mit Ton ausge-schmiert, damit der Henkel bei der Irden-ware nicht reißt. Und der Henkel ist obendirekt von der Lippe weg gezogen worden."Der unglasierte Getreidetopf für die häus-liche Vollwertküche mit Deckel und zweiquerstehenden und hochgezogenen Hen-keln wird aus selbst aufbereitetem, rot-brennendem Irdenwareton gedreht. In ihm
soll das Mehl aufbewahrt werden, das dieVollwertköchin zuvor in der Tischmühlegemahlen hat.
Der Töpfer unterscheidet in seinem For-mengut zwischen der traditionellen Hafner-ware mit dem bäuerlichen Formengut undder modernen, teils japanisch beeinflußtenRichtung. Die nach traditionellen Formengedrehten Stücke werden in einem Arbeits-gang erzeugt und in einem weiteren Ar-beitsvorgang nur noch gehenkelt, nichtaber abgedreht. Willkommen sind dieAbschneidespuren, die vom Standbodender Gefäße nicht wegewischt werden. Nurbei Servicen, Tellern und Schalen drehtJosef Wieser einen Standring heraus. Fürdie Geschirrherstellung verwendet er fertigaufbereiteten Steinzeugton aus Deutsch-land, der in gebranntem Zustand auch derstarken Beanspruchung durch die moder-nen Haushaltsgeräte standhält.
Hinter dem Bauernhaus liegt das alteDörrhaus, das noch von den italienischenZiegelschlagerfamilien erbaut wurde, dieim 19.Jahrhundert das Baumaterial für dieeindrucksvollen Sichtziegelhöfe im Traun-viertel und im Mostviertel herstellten. Sowie auch die italienischen Ziegelschlagerden Lehm für die Ziegel in den Hängen derUmgebung der Bauernhöfe„ gestochen"hatten, so entdeckte Josef Wieser diesesRohstofflager bewußt für irdene Ware undLehmglasuren wieder.
Der unscheinbare Lehmfundort liegt unweitvom Bauernhof an der Flanke eines Bach-einschnittes und ist das Produkt der Ver-witterung tonreicher Flyschlagen. Flyschist ein eintoniges Gestein, das sich auseinem vielfältigen Wechsel von feldspat-führendem Sandstein, Tonstein und Mergel