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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
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Sabine Schneeweiß

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Sabine Schneeweiß

In den Salzstad'In 3610 Weissenkirchen in der Wachau 233 Tel.: 02715/2214

An der Donau gelegen, umgeben von denWeingärten der Wachau, hat SabineSchneeweiß einen idealen Platz für ihreTöpferwerkstatt gefunden. Sie kehrte imJahre 1995 zurück zu ihrer Familie, die inden jahrhundertealten Salzsstadeln inWeißenkirchen wohnt. Da ihre Eltern Wein-bauern sind, stellte Sabine Schneeweißihre Keramikproduktion auf ein Sortimentum, das in direktem gegenständlichemBezug zum Wein steht. Für den Verkaufim Gewölbe der Salzstadeln erzeugt sieheute Weinkühler, Weinspucknäpfe zumGebrauch bei einer Weinverkostung, Kan-nen und Becher für Glühwein, Aschen-becher, Schalen u.a.m.

Geboren 1967, zog es sie nach der AHS-Matura nach Wien, wo sie dann irgend-wann einmal einen Töpferkurs besuchte.Dieser brachte sie mit 24 Jahren zum Ent-schluß, Töpferin zu werden und damit indas Haus ihrer Familie zurückkehren zukönnen. Sie ging bei der Wachauer Töpfe-rei Rotter in Theiẞ bei Krems in die Lehreund verbrachte noch zwei Jahre nach derGesellenprüfung in Graz in der Meisterklas-

se für Keramik.

In der kurzen Zeit, die sie seither in derWachau lebt, hat sich das Formenspektrumihrer Ware grundlegend verändert. Zweiweiẞglasierte Steinzeugkannen, elegantund modern mit abgedrehtem Standringund einer Perlenschnur als Handhabe desDeckels, stehen als Relikte ihrer Jahre inder Grazer Meisterklasse verstaubt imWachauer Weingewölbe. In der Erkenntnis,daß sich Gefäße von so einem Stil in derWachau nicht verkaufen lassen, hat SabineSchneeweiß Wandlungs- und Anpassungs-fähigkeit beweisen müssen und ihren Töp-

ferstil grundlegend, aber nicht ungern,geändert. Heute verwendet sie Stoober Tonund dreht kein einziges Stück mehr amBoden ab, ja sie betont den flachen Standdurch einen wulstförmigen Fußring. DenRand der zylindrischen Gefäße, der Wein-kühler und Blumentöpfe, verstärkt sie lip-penförmig. Ihre Gefäßwandungen zeigengewollt die Drehrillen der Finger, die siesogar manchmal übersteigert, indem siedie Rillen noch auf der langsam drehendenScheibe mit einem Modellierholz vertieft.Auf der Ränderscheibe, einer händischbetriebenen Tischdrehscheibe, werdendann in den Rillen von Glühweinbechernund Kannen die Fertigglasuren mit einemPinsel aufgetragen.

Im abwechslungsreichen Spiel von ungla-sierten roten Flächen und flüchtig glasier-ten Applikationen sieht die Töpferin einharmonisches Zusammenspiel zwischenihrer Töpferware und den rustikalen Tradi-tionen der Hafner im Donauraum.Flache Auflagen werden teils in einem Gips-model gepreẞt, teils händisch geschnittenund im Kerbschnitt reliefiert. Die stark er-habenen Auflagen wie z. B. der typischeTraubendekor werden handgeformt undauf das lederharte Stück gedrückt. SabineSchneeweiß bevorzugt florale und zoo-morphe Motive wie Trauben, Weinblätter,Sonnenblumen, Schnecken, Frösche undEidechsen alles Motive aus der WachauerNatur- und verbindet sie zusätzlich durchdekorative Bänder: Dann ziehe ich sodünne Tonschnüre, die drücke ich auf dasGefäß und mit dem Modellierholz macheich Druckmulden hinein. So was geht in derWachau am besten. Ich würde ja oft auchgerne andere Sachen machen, Raku bren-