Monika Schleidt
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Monika Schleidt 2440 Moosbrunn Hauptstraße 79
Tel. 02234/72118
Für Monika Schleidt ist das Formen desTons das Schönste am Töpfern. Sie be-zeichnet sich selbst als„ Erdtöpferin", weilsie das Gefühl des feuchten Tons zwischenden Händen liebt, und unterscheidet davondie„, Feuertöpfer", die das Brennen undGlasieren dem Drehvorgang an der Töpfer-scheibe vorziehen.
Monika Schleidt kam erst auf beruflichenUmwegen zur Keramik. Sie wurde im Jahre1937 durch einen Zufall, wie sie es rück-blickend nennt, in Böhmen geboren, wuchsim Salzkammergut auf und besuchte auskünstlerisch- handwerklichem Interesse inWien- Hetzendorf die Modeschule. Danachging sie nach England und ließ sich zurKrankenschwester ausbilden. Am Institutfür Verhaltungsforschung in Seewiesen inDeutschland lernte sie ihren zukünftigenMann, einen Professor für Zoologie, ken-nen und begleitete ihn nach Amerika. Aufder University von Maryland kam sie imAlter von 28 Jahren zum ersten Mal mitKeramik in Berührung. Sie konnte die dortangebotenen Keramik- Kurse besuchen underlernte das Töpfern von Steinzeugformenganz in der Tradition der amerikanischenTöpferware.
Im Jahre 1985 kehrt die Familie Schleidt mitden beiden Kindern nach Österreich zurückund läßt sich in Moosbrunn im süd- östli-chen Niederösterreich nieder. In einemNebengebäude des Bauernhauses errichtetsie ihre Töpferwerkstatt. Mit minimaler Aus-stattung verwandelt sich das Hobby in eineernstzunehmende Töpferei auch wenn sielediglich ein Nebeneinkommen bedeutet.Als Autodidaktin dreht sie Gebrauchswarenach ihren eigenen Vorstellungen vonzweckmäßigem und schönformigem Ge-
brauchsgeschirr. Sie ist eine der wenigenAutodidakten, die den hohen Qualitäts-ansprüchen an Form und Technik, wie sieauch die Jury des Gmundner Töpfermark-tes, auf dem sie seit Beginn also seit neunJahren ihre Ware verkauft, von den ausstel-lenden Töpfer verlangt, gerecht wird. Siesagt von sich:„ Ich weigere mich als Künst-ler bezeichnet zu werden, weil ich michals Handwerker verstehe. Ich erzeuge Ge-brauchsgegenstände, die möglichst funk-tionell sein sollen und dann auch nochschön."
Monika Schleidt verwendet den blauenStoober Ton, den sie in einem kleinen elek-trischen Brennofen zuerst im Schrühbrandauf 800 Grad brennt. Für den Ofen hat sieim Freien hinter ihrer Werkstatt unter demSchutz eines Vordaches einen idealen Platzgefunden. Nach dem ersten Brand begieẞtsie die saugfähigen Rohlinge mit Fertiggla-suren und brennt sie sehr hoch gar bei1120 Grad. Glasurübergänge, die durch dasTauchen und Begießen an der Ware entste-hen, findet sie reizvoll. Der Morgen nachdem Brand, also ca. 15 Stunden nach demEinsetzen der Ware in den Brennofen, istso feierlich ,, wie Weihnachten". Voller Er-wartung geht die Töpferin in die Werkstattund öffnet den Ofen. Auf den ersten Blickkann man erkennen, wie das Result desBrandes ausgefallen ist.
Monika Schleidt bevorzugt hohe, eleganteGefäßformen, die sie dünnwandig undglatt, also äußerlich ohne sichtbare Rillen,an der Scheibe dreht. Töpfern ist eineArbeit die Kraft und Ruhe braucht. Ihre zier-lichen Gefäße sind Produkte von zartenund geduldigen Händen, Kenner würdendaraus vielleicht gar die Weiblichkeit der