Matthias Schawerda 3851 Kautzen Dobesbergerstraße 11
Tel. 02864/2959
Matthias Schawerda
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Bereits als Jugendlicher fühlte sich MatthiasSchawerda von der Waldviertler Landschaftangezogen. Er half aus Interesse im Som-mer bei archäologischen Ausgrabungenmit und seine frühen Wanderungen führtenihn mit Vorliebe durch das Kamptal. InSooẞ, am Abhang des Wienerwaldes, imJahre 1969 geboren, beschloß MatthiasSchawerda nach seiner Lehrzeit in derTöpferwerkstatt von Harro Berger in Wien,in das Waldviertel zu ziehen. Seit 1993 lebter mit seiner Frau und den drei Kindern inKautzen. Das erste Jahr im eigenen Hausverging mit Renovierungsarbeiten. Diealten Töpfe, die ehemals auf dem Dach-boden des Hauses aufbewahrt waren,gingen in den Bestand des Kautzener Hei-matmuseums über. Dort managt ElisabethSchawerda den Exkursionstourimus. Dabeiführt sie auch Gruppen durch das Museum.Neben der Volksschule gelegen, zeigt esu.a. die Geschichte der typischen Wald-viertler Handwerke. Neben dem Wollspin-ner, dem Bandlweber, dem Holzschuh-macher u. a. führt Matthias als jüngsterVertreter alter Handwerkskünste unter demMotto„ Lebendiges Museum" die Töpfereiauf einer hölzernen Fußdrehscheibe vor.Angetrieben alleine von der Kraft der Beinehat diese Antriebsart die Nebenerschei-nung, daß nur ein Bein, nämlich das dieSchwungscheibe antreibende, zumeistdas rechte, mit der Zeit immer muskulöserund damit dicker als das andere wird.Einem plötzlichen Entschluß folgend, dreh-te Matthias Schawerda in einer einzigenNacht aus 240 Kilogramm Ton einen Kachel-ofen für das eigene Wohnzimmer. JederTonbatzen wog 6 Kilo und wurde auf derTöpferscheibe zu einer schüsselförmigen
Ofenkachel verarbeitet. Nicht jeder Töpferbesitzt das Können und die Kraft, großeGefäße zu drehen. Ausladende Schüsseln,hohe Kannen und Flaschen, Weitlinge,Schmalzhäfen und Gugelhupfformen-seine Erzeugnisse verraten die Liebe zugroßen Formaten, obwohl ihm bewußt ist,daß die ursprünglichen Funktionen dieserGefäße heute zumeist verschwunden sind.Der Töpfer schätzt Akzente an seiner Gefäß-keramik. An den hohen Formen gestaltet erkleine wulstartige Fußzonen, zieht starkeBandhenkel aus und befestigt sie massigmit einer Fingerdruckmulde auf dem Gefäß-körper. Das Westerwälder Steinzeug unter-streicht das kraftvolle Aussehen seinerFormen. Gebrannt wird in einem Gasbrenn-ofen, dessen Dimensionen auch für dasBrennen von großformatigen Kachelngeeignet ist.
So manches Stück, das vor allem aus tech-nischen Gründen nicht seine Wertschät-zung gefunden hat,„ rettet" ElisabethSchawerda und verwahrt es in ihrer Küche.Wir finden den grün glasierten Schmalztopfumfunktioniert in eine Blumenvase, derweite Steinzeugtopf dient als Blumenüber-topf, die ausladende Schüssel mit denverfließenden Glasuren hängt neben demKachelofen an der Wand, die Schüssel mitdem spiralförmigen Muster ist als Obst-schale in Verwendung.
Die Problematik, heute lokale Rohstoffe fürTöpferware zu verwenden, liegt neben denfehlenden Aufbereitungsanlagen vor allemin der notwendigen Zeit, die Rohmaterialenin den verschiedensten Mischungen zutesten. Traditionelle Handwerksbetriebehatten ein erprobtes und von Generationzu Generation weitergegebenes Wissen um