Alexandra Reithmeier 2620 Neunkirchen Raimund weg 4
Tel. 02635/68372
Alexandra Reithmeier
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,, In einer Phase, wo man alles anzweifelt,so mit 17 Jahren", sagt Alexandra Reithmei-er, entschied sie sich für eine Töpferlehre.Im Jahre 1961 in Wien geboren und aufge-wachsen, verbrachte sie ihre Lehrzeit ineinem der letzten Töpferbetriebe von Wien,in dem von Ing. Harro Berger im siebentenWiener Gemeindebezirk in der Neustiftgas-se 94. Bereits im Jahre 1983 fand AlexandraReithmeier den Weg in die Selbständigkeit.Sie bezog ein Atelier im WUK, dem Werk-stätten- und Kulturhaus im 9. WienerGemeindebezirk. Alexandra Reithmeierwählte die Laufbahn als freischaffendeKeramikkünstlerin und wird nach Vorlageihrer Werke bei der Künstlerkommissiondes Bundesministeriums für Kunst als Mit-glied der Berufsvereinigung der bildendenKünstler Österreichs anerkannt.Zurückblickend auf ihre Wiener Zeit schätztsie die Nähe zwischen den Kunden undihrer Arbeit. Das Atelier war offen- die Kun-den sahen gerne beim Entstehen der Kera-miken zu. Bei Einladungen im Bekannten-kreis war Alexandra Reithmeier angenehmüberrascht, wenn aus ihren selbstgefertig-ten Tellern gegessen und der Salat in einervon ihr gedrehten Schüssel serviert wurde.Nachteilig in Wien war für sie die Trennungzwischen Wohnung und Werkstatt. BeimBrennen von Keramiken in einem Gasofenmuß der Töpfer die Wärmesteuerung inden höchsten Zonen mittels Segerkegellaufend beobachten. Segerkegel sind Kegelaus keramischen Materialien mit unter-schiedlichem Erweichungsverhalten. Blicktder Töpfer durch das Guckloch seines Gas-ofens, so sind im glühendroten Licht meistdrei Segerkegel hintereinander aufgestellt.Je nachdem welcher„ gefallen" ist, welcher
schief oder noch aufrecht steht, darankann der Töpfer das Stadium der Wärme-einwirkung im Ofen ablesen. Da die Kera-miken von Alexandra Reithmeier in einemGasofen gebrannt werden, mußten sie oderihr Mann auch nachts zwischen Wohnungund Werkstatt hin und her pendeln, nach-sehen, ob der Brand schon fertig war.Ihren Mann, einen Studenten der Boden-kultur, begann die Keramik schließlich sozu faszinieren, daß er sie auch zum Berufmachte. Robert Reithmeier entwirft heutein der gemeinsamen Werkstatt Kachelöfenund Sanitärkeramik und stellt die entworfe-nen Kacheln selbst her. Im Jahre 1991 ver-ließen die Reithmeiers Wien und erstandenin Neunkirchen Teile des Areals der,, Blaufabrik", einer alten Ultramarinfabrik,unmittelbar am Stadtpark gelegen. DasErdgeschoẞ wurde zu einer Werkstatt mitSchauraum umgestaltet, wo jeder der bei-den Keramiker seinen Arbeitsbereich hat.Die jüngste Anschaffung, ein Tonschneider,erleichtert das Vorbereiten des Tons. Damitkann Andrea Reithmeier ein typisches Töp-ferleiden mildern- die Gelenksschmerzen,die man beim Mischen und Verdichtenplastischer Tonmassen bekommt. Sie stelltalle Keramiken auf der Drehscheibe her.Die letzte Scheibe hat sie„ zu Tode ge-dreht", wie sie lachend erzählte. Nichtgenug, daß sie acht bis zehn Stunden täg-lich arbeitet und jährlich bis zu drei TonnenTon verbraucht. Bei der Anfertigung vonÜbertöpfen aus einer Tonmasse von mehrals zwanzig Kilogramm und mit einemDurchmesser von 45 cm gab der Motorder Drehscheibe auf.
Die Töpferin verwendet ausschließlichSteinzeugton aus dem Westerwald, weil die