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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Georg Niemann 2301 Oberhausen Schloß Sachsengang, Am Hof 1 Tel. 02215/2237

Georg Niemann

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,, Der Künstler im Keramiker kann nur ausdem Handwerk sich erheben. Erst wenn erüber sein Rüstzeug so selbstverständlichverfügt, daß er daran kein Nachdenkenmehr verschwenden muß, ist der Punkterreicht, von dem aus das Kreative frei wirdund eigentliche Künstlerschaft anhebt",schrieb Otto Breicha im Jahre 1966.Diesen Schritt beschreitet auch Georg Nie-mann. Geboren 1966 in Linz, absolvierte ervon 1982 bis 1985 die Keramiklehre in derKeramik Hallstatt bei Erwin Gschwandtner,ehemals Gudrun Baudisch. Nach der Gesel-lenprüfung ließ er es nicht dabei beruhen,die erlernte Formgebung der Gebrauchske-ramik weiter zu betreiben. In den Jahren1986 bis 1988 besuchte er die Meisterklas-se für Keramik an der Kunstgewerbeschulein Graz. Nur noch diverse Gefäßtypenwie Teller, Schüssel, Schalen, Dosen undBecher erinnern an ihre ursprüngliche Be-deutung als Objekte des Gebrauchs. DennGeorg Niemann findet, daß die Gebrauchs-keramik ein sterbender Ast in der zeitge-nössischen Keramiklandschaft ist. Er sagt:,, Ich habe die Erfahrung gemacht, derKunde iẞt aus IKEA- Geschirr und in derVitrine hat er sein Geschirr vom Töpfer.

Ich habe keine Lust, mein Geschirr in derVitrine zu finden, weil da bin ich wiederbeim Ziergegenstand und da mache ichlieber andere Sachen" und bricht mit dentraditionellen Formen für Gefäße.

Im Jahre 1988 übernahm Georg Niemanndie Töpferwerkstatt seiner Mutter BarbaraNiemann in Oberhausen bei Groß- Enzers-dorf. In einem der Nebengebäude desSchlosses Sachsengang, in Sicht- und Ruf-weite seines Wohnhauses, sind Werkstattund Ausstellungsraum untergebracht.

Drehte Barbara Niemann zeitloseGebrauchskeramik mit traditionellemMalhorndekor auf engobiertem Steinzeug-scherben, so führt ihr Sohn lediglich denWerkstoff Steinzeug und die Methode derEngobierung bevorzugt in seinen Arbeitenweiter. Die Werkstatt wurde erneuert, eineSpritzkabine wurde angeschafft und nurdie elektrische Töpferscheibe blieb- klein,schwach und in untergeordneter Rolle imHerstellungsprozeß von Georg NiemannsKeramiken. Seine Objekte verraten vielKraft und Spannung. Röhrenförmige Körperbaut er zu hohen Kerzenständern zusam-men, die einzelnen Glieder teils scheiben-förmig, teils kugelförmig gedreht. DieRundungen seiner Gefäße laufen nichtharmonisch aus, sondern enden abruptin dynamischen Kanten. Die nach innenscharf abgeschrägten Schüsselränderbetont er, indem er die Ränder farblichabsetzt. Er schneidet seine Objekte nachseinen Vorstellungen regelrecht zu- auseinem flachen Boden schneidet er inlederhartem Zustand eine linsenförmigeRundung.

Die glänzenden Glasuren, die GeorgNiemann verwendet, sind Alkaliglasuren.Darunter versteht man Glasuren mit einemhohen Anteil an den Alkalioxiden Lithium,Natrium und Kalium. Durch diese starkenFluẞmittel werden die Glasuren leichtflüs-sig und es bilden sich die typischen Haar-risse. Alkaliglasuren haben markanteFarben wie Türkis, Pink und Blau, erzeugtdurch die Wirkung der färbenden Metall-oxide Kupfer, Kobalt und Eisen. Bereits inder frühen ägyptischen Plastik und Töpfe-rei sowie auf persischen Gefäßen undZiegeln wurden diese leuchtenden und