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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Petra Oxana Lutny k 34392 Diendorf am Kamp

Kirchenweg 2 A Tel. 02735/2001

Petra Oxana Lutnyk

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Der besondere Reiz eines Gefäßes liegt inder Spannung und Polarität zwischen dem,, Hohlen und der umschließenden Wand.Die von innen formende Kraft begegnetdem lebendigen Stoff der Hülle.Petra Oxana Lutnyks Keramiken verkörperndas derzeitige Streben so mancher Töpfer-kollegen weg vom harten Steinzeug hin zurniedrig gebrannten Ware. Auf jeden Falldeuten die unglasierten Gefäße, entstan-den im Zusammenwirken von Salz mitorganischen und anorganischen Substan-zen, auf die Brenntechnik im Lehmofenhin, die derzeit von Künstlern und Wissen-schaftlern( z.B. von der ÖsterreichischenGesellschaft für experimentelle Archäolo-gie, Gruppe Keramik und Lehmbau)erforscht wird.

Petra Oxana Lutnyk wurde im Jahre 1962 inLandeck in Tirol geboren. Nach der Maturaging sie nach Wien und studierte an derHochschule für Angewandte Kunst in Wienin der Meisterklasse Peter Weibel Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibel. Im Jahre1990 richtete sie ihre Keramikwerkstatt inNiederösterreich in Diendorf am Kampein. Bei der Kärntner Keramikerin GerhildTschachler- Nagy, selbst zu dem Zeitpunkteine Anhängerin der niedrig gebranntenGefäßkeramik in Verbindung mit Salz, stu-dierte Petra Oxana Lutnyk Brenntechnikund Brennofenbau. In den Formen undder ganz speziellen Oberflächengestaltungist der Einfluß der Lehrmeisterin unver-kennbar.

Außergewöhnlich ist, daß Petra OxanaLutnyk Steingut zum Töpfern an der Dreh-scheibe verwendet. Steingut ist das edelsteProdukt der porösen Töpferware. Steingut-ware wurde im 18. Jahrhundert in Englandentwickelt, wo sich daraus eine ausge-

dehnte Steingutindustrie entwickelte.Die Formgebung erfolgt überwiegend durchGießen oder Eindrehen sowie in seltenenFällen auch durch Drehen auf der Töpfer-scheibe. Schalen, Teller und Becher werdenim vorliegenden Fall zuerst extrem dünn-wandig gedreht, danach die Außen- undInnenseiten vollkommen geglättet. GemäßPetra Oxana Lutnyk können edle Ober-flächen nur auf schlichten Formen zurWirkung kommen. Weder Henkel nochAusgüsse stören die Glätte der Gefäß-oberflächen, die sie als Bildträger für ihrenspeziellen Dekor sieht. Aus den Außen-seiten der Schalen und Becher schneidetsie einen Fuẞ heraus und dreht den Bodenzu einem Standring ab. Dort, wo ein Stand-ring statisch nicht notwendig ist, wird erweggelassen. Bei bauchigen Schüsselnund flachen Tellern ist die Bodenflächelinsenförmig gewölbt, glatt und ebensodünnwandig wie das übrige Gefäß.Nach dem Drehvorgang auf der Töpfer-scheibe folgt der heikle Prozeß des Polie-rens. Die porzellanartig dünnen Gefäßewerden in lederhartem Zustand mit einemStein poliert, um die Poren der Tonober-fläche zu schließen und ihr einen mattenGlanz zu verleihen. Petra Oxana LutnyksGefäße erinnern an die Terra Cotta ausder Zeit der Römer- feingeschlämmtergebrannter Ton, dessen Oberfläche durchden Poliervorgang glasurartig glänzt. EvaS.- Sturm beschreibt im Katalog zur Aus-stellung ,, Feuermalereien- KeramischeObjekte Petra O.Lutnyk", die im Jahre 1994im Schloß Grafenegg stattfand, den Prozeßder Dekorgebung nach dem Schrühbrandim Elektroofen bei Temperaturen über1000 Grad: Auf diesen folgt beim größten