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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
Entstehung
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Günter Lang

3591 Altenburg/ Horn Steinegg 13

Tel. 02987/2258

Günter Lang

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Die gegenwärtige Keramik ist offen fürjeden Einfluß, für jede mögliche Gestal-tungsweise. In den Stücken von GünterLang werden teils afrikanische, teils ost-asiatische Einflüsse sichtbar.

,, Mein geistiger Hintergrund ist die japani-sche traditionelle Keramik, die naturver-bundene Art, mit dem Material umzuge-hen. Da gehört dazu, daß der Ton ungerei-nigt verwendet wird, also samt der Steineund was sonst noch alles drinnen ist. DerTon hat eine federnde Plastizität, ein tollesGefühl beim Drehen. Ich verwende denTon ungesiebt, das macht dann die Ober-flächentextur aus", erklärt der Töpfer.Den Ton für seine Gefäße holt sich GünterLang zum Teil aus der jahrhundertealtenniederösterreichischen Tongrube von Mai-ersch bei Gars am Kamp und zum anderenTeil aus Borovany in Tschechien. In einemTeigmischer, wie ihn der Bäcker verwendet,werden die beiden Tonsorten unter Zusatzvon 25% Schamotte mit Wasser vermengtund gelangen danach zum Entlüften undPressen in den Tonschneider. Diese Ton-mischung läßt sich bei Temperaturen biszu 1300 Grad steinzeugähnlich brennen.Im Gasbrennofen bei oxidierender Brenn-atmosphäre behält der Scherben die helleFarbe, im Holzbrennofen mit einem Fas-sungsvermögen von 2000 Liter bekommtder Scherben bei reduzierender Brennat-mosphäre eine dunkle bis schwärzlicheFarbe. Im Jahre 1992 hat Günter Lang denjapanischen Steinzeugofen( Noborigama)für seine speziellen Ascheanflugglasurengebaut.

Die derzeitige Töpferware von Günter Langhat läßt sich mit dem Formengut in seinerLehrwerkstatt nicht vergleichen. Geboren in

Leobersdorf bei Wolkersdorf im Jahre 1960,verbrachte er seine Lehrzeit in der heuteaufgelassenen Keramikwerkstatt des Leo-pold Anzengruber in der Schiffmühlen-straße im 22. Wiener Gemeindebezirk. ImJahre 1986 übersiedelte er mit seiner Fami-lie in das Kamptal zwischen die SteineggerFelswänden. Die Besucher seiner Keramik-kurse schätzen die wildromantische Land-schaft und das alte weitläufige Haus, eineehemalige Pension, bietet sich für Semina-risten als ideale Herberge an. Im Unterge-schoß des Nebengebäudes hat GünterLang die Tonaufbereitung untergebracht,im Oberstock wird getöpfert und in denKursen an verschiedenen Töpferscheibengearbeitet. Günter Lang ist es wichtig,seine Auffassung und sein Wissen vonKeramik in seinen Kursen zu vermitteln.Besonders die Rakutechnik und derLehmofenbrand sind als Brenntechnikengeeignet, um vor und mit KursteilnehmernKeramik entstehen zu lassen.Seiner Philosophie entspricht es, dasgesamte Gefäß im organischen Formprozeßdes weichen Tons entstehen zu lassen.Günter Lang vermeidet Abdrehvorgänge,denn sie sind für ihn mechanische Eingriffein den lederharten Ton und erzeugen harteKonturen. Betrachtet man den Standbodeneiner frei gedrehten Schale von GünterLang, so verziert er ihn mit dem, japani-schen Muschelschnitt"( der übrigens auchauf Westerwälder Steinzeugkannen unddem alten Bunzlauer Lehmgeschirr zu fin-den ist). Dabei schneidet der Töpfer dasObjekt mit einer Kordel von der stehendenDrehscheibe und überkreuzt die Abdreh-schnur vor seinem Körper. Auf dem Gefäß-boden bleibt ein schlaufenförmiger