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Mit dem Gefühl der Hände : zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich ; Schloß Gobelsburg bei Langenlois im Kamptal, 24. Mai bis 19. Oktober 1997 ; Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 26. Oktober 1997 bis 23. Februar 1998
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Merle Kulenkampf 3820 Mostbach Nr. 15 Tel. 02847/3338

Merle Kulenkampf

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Der große Bauernhof, auf dem MerleKulenkampf heute mit ihrer Tochter Maschaund Sohn Marius lebt, bedeutet für sie dieVerwirklichung ihrer Träume. Hier ist sieumgeben von zahlreichen Tieren der ver-schiedensten Rassen und vor allem ihrenPferden, von denen viele ein trauriges Endegenommen hätten, wenn nicht MerleKulenkampfs Tierliebe sie gerettet hätte.Denn am Anfang ihres Lebenslaufes stehenschon die Pferde- die Töpferei kam erstviel später. Geboren im Jahre 1949 inDeutschland in Kronberg im Taunus, über-siedelten Joachim und Traude Kulenkampfmit den Kindern Merle und Kai im Jahre1962 nach Österreich. Merle Kulenkampfwandte sich immer stärker den Pferden zu.Sie legte die Prüfungen für den Bereiterund den Gestütswart ab, doch fand sieschon damals keinen Gefallen an der Art,wie Menschen mit Tieren umgingen. Ent-täuscht vom Reitsport, wandte sie sichschließlich künstlerischen Betätigungen zu.Mit 21 Jahren kam sie zum ersten Mal mitder Keramik in Kontakt.

Elfriede Hanak besuchte die Töpferin vorvielen Jahren auf ihrem Bauernhof undschrieb über ihren künstlerischen Werde-gang: ,, In Mostbach lebt eine Keramikerin,die eine mannigfache Ausbildung genossenhat. Zuerst studierte sie an der Kunsthoch-schule in Linz Malerei und Graphik, dannnoch eine zeitlang privat bei einer Bild-hauerin der Münchner Akademie.( HannaKoller, Anm.CP- W) Hierauf arbeitete sie einJahr bei zwei Keramikerinnen in Tittmoning( in Bayern, Ida Erdös und Ilse Ludwig,Anm.CP- W) und vollendete anschließendihre Ausbildung in der Keramikschule inLandshut." Bei der strengen Ausbildung an

der Landshuter Keramikfachschule hatteMerle Kulenkampf manchmal das Gefühl,sie würde das Töpfern in ihrem ganzenLeben nicht erlernen. Größter Wert wurdeauf einen perfekt gedrehten Tonkörpergelegt. Der Ton mußte so gleichmäßigdünnwandig gedreht sein, daß nach demBrennen ein zuvor in die Gefäßwandgedrücktes Reiskorn im Scherben durch-schien. Von Landshut übernahm sie nichtnur strenge Qualitätsansprüche an ihreKeramik. Sie dreht ihre Ware auch heutenoch auf Landshuter Töpferscheiben mitFuẞantrieb, versehen mit Motor und einerhöhenverstellbaren Drehscheibe.

In ihrem Stil wurde Merle Kulenkampf vorallem von ihrer Lehrmeisterin UrsulaEngerth geprägt. In deren Werkstatt inGießen, im deutschen Bundesland Hessengelegen, erlernte sie die Dekortechnik derMalhornverzierung auf engobiertem Unter-

grund.

Zurück in Salzburg, versucht sie ihr Lebenzu verändern und den Traum vom eigenenBauernhof zu verwirklichen. Das Waldvier-tel hattte Merle Kulenkampf bereits durchihre Eltern kennengelernt, die hier oft undgern mit ihren Kindern den Urlaub ver-brachten.

Im Stift Geras hielt Merle Kulenkampf Kera-mikkurse ab und ihre malhornverzierteWare fand damals viel Anklang auf denWaldviertler Bauernmärkten. In den siebzi-ger Jahren war sie oft gar die einzige Töpfe-rin auf dem einen oder anderen Bauern-markt, was sich in einem guten Verdienstniederschlug. Im Jahr 1983 kann sie in derkleinen Ortschaft Mostbach endlich einenidealen Bauernhof erwerben und stelltvon vornherein klar: Zuerst haben alle